VW will Everllence verkaufen: Schiffsmotoren-Sparte gilt als Tafelsilber des Konzerns

Volkswagen treibt von Wolfsburg aus den Verkauf einer Mehrheit an Everllence voran. Die frühere MAN Energy Solutions sitzt in Augsburg und gehört zum VW-Konzern. Sie baut jedoch keine Autos, sondern große Schiffsmotoren und Energietechnik. Auslöser ist der Konzernumbau, denn China und die USA schwächen das Autogeschäft. Zugleich bindet die Elektrowende weiter viel Kapital. Der gefährlichste Punkt liegt im Zugriff auf industrielles Spezialwissen. Betroffen sind 16.200 Mitarbeiter, mehr als 140 Standorte und 4,9 Milliarden Euro Umsatz. Damit geht es ums Tafelsilber, nicht um ein Nebengeschäft.


Everllence steht für Technik jenseits des Automarkts

Everllence liefert Zweitakt- und Viertaktmotoren für große Schiffe. Dazu kommen Turbomaschinen, Energietechnik und Servicegeschäft. Die Sparte ist deshalb breiter aufgestellt als viele VW-Bereiche.

VW plant den Mehrheitsverkauf von Everllence. Die Sparte gilt als Tafelsilber des Konzerns und beschäftigt weltweit 16.200 Mitarbeiter
Bild: ©Everllence

Die Technik erreicht Frachter, Tanker und Energieanlagen weltweit. Außerdem arbeitet Everllence an Motoren für Methanol, Methan und Ammoniak. Damit berührt der Verkauf auch künftige Kraftstoffe in der Schifffahrt.

Tafelsilber lockt Finanzinvestoren und Konzernaktionäre

Reuters nennt CVC, Bain Capital und ein Konsortium aus EQT, Porsche SE und Qatar als Finalisten. Die Bewertung liegt demnach bei rund acht bis neun Milliarden Euro. VW will jedoch offenbar einen Minderheitsanteil behalten.

Für VW ist dieses Tafelsilber kurzfristig ein Hebel. Der Konzern gewinnt Liquidität und kann Schulden senken. Zugleich sinkt der direkte Einfluss auf eine Technik, die schwer ersetzbar ist.

Schwache Märkte erhöhen den Verkaufsdruck

Die VW-Zahlen erklären den Schritt. Der Konzern erzielte 2025 zwar 321,9 Milliarden Euro Umsatz. Das operative Ergebnis fiel jedoch auf 8,9 Milliarden Euro und damit um 53 Prozent.

Im ersten Quartal 2026 lieferte VW weltweit vier Prozent weniger Fahrzeuge aus. In China sank der Absatz um 15 Prozent. In den USA brach er außerdem um gut ein Fünftel ein. Bei reinen Elektroautos meldete VW weltweit minus 7,7 Prozent.


Jobs, Osnabrück und Japan verschärfen die Lage

Der Umbau trifft deshalb auch die Belegschaft in Deutschland. VW will bis Ende 2026 rund 19.000 Stellen abbauen. Bis 2030 hat der Konzern außerdem mehr als 28.000 Stellenstreichungen fest vereinbart.

Parallel sucht VW neue Aufgaben für Osnabrück. Dort endet die Produktion von Konzernmodellen bis 2027. Gespräche mit der Verteidigungsbranche laufen, jedoch schließt VW Waffenproduktion aus.

Die Branche trägt zudem Altlasten aus Japan mit sich. Hitachi Zosen Marine Engine und IMEX meldeten 2024 manipulierte Verbrauchsdaten bei Schiffsmotoren. Everllence betrifft dieser Fall nicht direkt, doch Käufer prüfen solche Lizenz- und Prüfketten genau. Das Tafelsilber liefert VW also Geld, aber auch politischen Streit. Deutschland verliert womöglich Einfluss auf Technik für Schifffahrt, Energie und Industrie.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Financial Times (17.06.26)Hasepost (12.06.26)WirtschaftsWoche (08.06.26)Reuters (01.06.26)

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