Der chinesische Elektroauto-Hersteller Xpeng prüft im Mai 2026 die Übernahme eines VW-Werks oder eines anderen europäischen Herstellers. Der Konzern will damit seine Produktion näher an europäische Kunden verlagern. Auslöser sind Gespräche über freie Fabrikkapazitäten, begrenzte Möglichkeiten beim Auftragsfertiger Magna Steyr in Graz und der wachsende Exportdruck chinesischer Anbieter. Kritisch ist jedoch Europas wachsende Abhängigkeit von chinesischer Elektromobilität. Für Volkswagen geht es außerdem um ungenutzte Werke, mögliche Kooperationen und die Zukunft industrieller Arbeitsplätze (ft: 14.05.26).
Xpeng sieht Übernahme eines europäischen Werks als Chance
Der Hersteller lässt bereits Fahrzeuge für Europa bei Magna Steyr in Österreich bauen. Dort reichen die Kapazitäten jedoch offenbar nicht dauerhaft aus. Deshalb sucht das Unternehmen zusätzliche Standorte. Ein Werk in Europa würde Lieferwege verkürzen und Importzölle abfedern.

Nach Angaben aus dem Umfeld stehen mehrere Optionen zur Debatte. Dazu zählen ein Werkskauf und ein neuer Standort. Außerdem gelten freie Volkswagen-Kapazitäten als naheliegende Möglichkeit. Xpeng-Manager Elvis Cheng nannte ältere VW-Werke jedoch „Ein wenig alt“.
Volkswagen räumt Fläche, China gewinnt Zugang
Volkswagen baut in Europa Kapazitäten ab, während die Nachfrage nach Elektroautos schwächer wächst als geplant. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller stärker auf Auslandsmärkte. Deshalb entsteht eine strategisch heikle Konstellation. Europäische Werke werden frei, während chinesische Konzerne nach Marktzugang suchen.
Die Verbindung zwischen beiden Konzernen besteht bereits seit 2023. Volkswagen hält 4,99 Prozent an Xpeng. Beide Seiten entwickeln außerdem Elektrofahrzeuge für China. Mit dem ID. Unyx 08 läuft dort bereits ein gemeinsames Modell vom Band.
EU-Zölle könnten an Wirkung verlieren
Für chinesische Anbieter erhöhen die EU-Zölle den Druck. Seit Oktober 2024 gelten zusätzliche Abgaben auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China. Deshalb gewinnt Produktion in Europa wirtschaftlich an Bedeutung. Lokale Fertigung kann Kosten senken und politische Hürden verringern.
Für Europa liegt darin jedoch ein Problem. Die Zölle sollen heimische Hersteller schützen. Wenn chinesische Anbieter künftig in europäischen Werken fertigen, verliert dieser Schutz teilweise Wirkung. Außerdem verschiebt sich industrielle Kontrolle weiter Richtung China.
Europas Autoindustrie riskiert neue Abhängigkeiten
Für Europas Autoindustrie entsteht damit ein gefährlicher Zielkonflikt. Freie Werke kosten viel Geld, während chinesische Partner schnelle Auslastung versprechen. Gleichzeitig wächst jedoch ihr Einfluss auf Produktion, Technologie und Modellplanung. Diese Entwicklung kann neue Abhängigkeiten schaffen.
Volkswagen könnte Standorte kurzfristig entlasten, doch der Wettbewerbsdruck steigt langfristig weiter. Xpeng würde mit europäischer Fertigung näher an Kunden, Händler und Behörden rücken. Außerdem könnte der Hersteller sein Image als lokaler Anbieter stärken. Für deutsche Werke wäre das ein Warnsignal mit großer Tragweite.
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