Solarindustrie verliert Europas letzten Solarglashersteller – Rettung endgültig gescheitert

Tschernitz – Anfang August 2026 ist die letzte Rettung der Glasmanufaktur Brandenburg endgültig gescheitert. Für den insolventen Hersteller fand sich kein neuer Investor, obwohl noch im April Gespräche mit einem Interessenten liefen. Damit verliert die europäische Solarindustrie ihre letzte Solarglasproduktion. Die zuletzt rund 160 Beschäftigten hatten bereits im Frühjahr ihre Kündigung erhalten. Entscheidend waren fehlende Finanzierungsmöglichkeiten sowie der jahrelange internationale Preisdruck. GMB verwies zudem auf günstigere und teils subventionierte Konkurrenz aus China. Nun sollen Maschinen, Anlagen und das Grundstück verwertet werden.


Investorensuche scheitert – jetzt geht es um Maschinen und Grundstück

Noch im April hatte der Insolvenzverwalter Gespräche über eine Fortführung des Standorts geführt. Diese blieben jedoch ohne Ergebnis. Danach meldete sich kein Interessent mehr, der Produktion und Finanzierung der Glasmanufaktur übernehmen wollte. Deshalb konzentriert sich das Verfahren inzwischen auf die Verwertung des Betriebsvermögens. Bürgermeister Frank Zeißler befürchtet dabei eine Zerschlagung des Standorts. Er will verhindern, dass mitten in Tschernitz eine Industriebrache zurückbleibt.

In Tschernitz scheitert die letzte Rettung. Die Solarindustrie verliert Europas letzte Solarglasproduktion und rund 160 Arbeitsplätze
In Tschernitz scheitert die letzte Rettung. Die Solarindustrie verliert Europas letzte Solarglasproduktion und rund 160 Arbeitsplätze
Bild: TnemtsoniCC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Niedergang der Glasmanufaktur Brandenburg begann jedoch deutlich früher. GMB hatte im Juli 2025 Insolvenz beantragt und zuvor monatelang Kurzarbeit genutzt. Ende November scheiterte bereits eine Investorenlösung für damals rund 220 Beschäftigte. Seit Dezember waren viele Mitarbeiter freigestellt. Im Frühjahr folgten schließlich die Kündigungen für die zuletzt etwa 160 Beschäftigten. Für die Solarindustrie verschwindet damit nicht nur ein Lieferant, sondern auch spezialisiertes Fertigungswissen aus Europa.

Solarindustrie verliert strategische Fertigung in Europa

Die Glasproduktion in Tschernitz reicht weit zurück. GMB selbst entstand 2007 und nahm 2008 die Produktion auf. Zuvor hatte Samsung Corning an dem Standort Fernsehglas hergestellt. 2022 stieg der indische Spezialglashersteller Borosil Renewables mehrheitlich bei GMB ein. Das Unternehmen plante damals sogar zusätzliche Kapazitäten in Europa. Diese Expansionspläne wichen jedoch zunehmend dem Kampf um die Wirtschaftlichkeit des bestehenden Werks.

GMB warnte bereits 2024 vor einer möglichen Schließung. Das Unternehmen verlangte damals politische Maßnahmen zum Schutz europäischer Hersteller. Ein diskutierter Resilienzbonus kam jedoch im Solarpaket der Bundesregierung nicht. Auch Brandenburg setzte sich später für bessere Wettbewerbsbedingungen und niedrigere Energiekosten ein. Die Solarindustrie blieb zugleich stark von Importen abhängig. Die EU-Kommission nennt China weiterhin als dominierenden Lieferanten bei importierten Solarmodulen.


EU will Produktion stärken – für Tschernitz kommt die Hilfe zu spät

Die EU reagierte bereits 2024 mit der European Solar Charter. Sie soll europäische PV-Produktion durch Förderprogramme, Beschaffungskriterien und Investitionshilfen stärken. Außerdem sollen Lieferketten breiter aufgestellt und strategische Produktionskapazitäten in Europa gehalten werden. Die Kommission verweist inzwischen auf Milliardenprogramme für saubere Technologien. Für Tschernitz kamen diese Instrumente jedoch nicht rechtzeitig genug, um einen tragfähigen Investor zu sichern.

Für die Lausitz bedeutet das Ende mehr als den Verlust eines einzelnen Betriebs. Die Gewerkschaft IG BCE sieht besonders für jüngere Fachkräfte kaum vergleichbare Alternativen in der Region. Deshalb unterstützt sie ehemalige Beschäftigte bei Weiterbildung und Vermittlung. Gleichzeitig verliert die Region einen industriellen Arbeitgeber mit jahrzehntelanger Glastradition. Europa ist bei Solarglas nun auf Produktion außerhalb des Kontinents angewiesen. Damit wächst ausgerechnet bei einer Schlüsselkomponente der Photovoltaik die Importabhängigkeit weiter.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Tagesschau (10.08.26)rbb24 (10.08.26)Brandenburger Wirtschaftsministerium (28.11.25)

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