Sennfeld – Am 5. August 2026 haben Accell Germany und drei deutsche Tochtergesellschaften beim Amtsgericht Schweinfurt Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Damit trifft das Verfahren die Marken Haibike, Winora und Ghost sowie rund 370 Beschäftigte in Sennfeld und Waldsassen. Vorausgegangen war das endgültige Scheitern des Verkaufsprozesses der internationalen Accell Group. Gleichzeitig belastet die Branche seit dem Ende des Corona-Booms eine Absatz- und Preiskrise. Zudem verschärfte ein großer Rückruf der Lastenradmarke Babboe die Probleme des Konzerns. Die Betriebe sollen jedoch weiterlaufen, während Insolvenzgeld die Löhne und Gehälter bis Ende Oktober absichert.
Haibike soll mit deutschen Marken aus Accell herausgelöst werden
Zur deutschen Gruppe gehören Accell Germany, Winora Staiger, Ghost-Bikes und Engelbert Wiener Bike Parts. Außerdem entwickelt und vertreibt die Gruppe Fahrräder und E-Bikes unter Winora, Haibike und Ghost. Im Geschäftsjahr 2025 erzielten die deutschen Gesellschaften zusammen mehr als 340 Millionen Euro Umsatz. Dennoch führten die Konzernprobleme nun auch die deutschen Unternehmen ins gerichtliche Sanierungsverfahren.

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Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung handlungsfähig, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter das Verfahren überwacht. Das Amtsgericht setzte dafür den Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus ein. Zugleich unterstützt ein Sanierungsteam die Geschäftsführung bei der Restrukturierung. Ziel ist jedoch vor allem ein Investor, der die deutschen Aktivitäten aus dem internationalen Konzernverbund herauslöst.
Freigegebene Übernahme scheitert kurz vor der Insolvenz
Noch im Juli schien eine Gesamtlösung für Accell möglich. Das Bundeskartellamt gab am 8. Juli die geplante Übernahme durch die singapurische Dutech-Gruppe frei. Dutech vertreibt bereits Marken wie Prophete, Kreidler und die VSF Fahrradmanufaktur. Der strukturierte Verkaufsprozess für Accell scheiterte jedoch zum Monatswechsel endgültig.
Dabei hatte Accell seine Finanzen erst im Februar erneut umgebaut. Kreditgeber stellten zusätzliche Mittel bereit und stimmten einem erheblichen Schuldenabbau zu. Außerdem ging die Kontrolle über den Konzern von den bisherigen Eigentümern auf Kreditgeber über. Die Maßnahmen reichten dennoch nicht aus. Am 5. August erklärte Accell, fällige finanzielle Verpflichtungen nicht mehr erfüllen zu können und leitete lokale Insolvenzverfahren ein.
Fahrradmarkt bleibt schwierig trotz Millionenverkäufen
Die Fahrradbranche liefert zwar Gegenwind, ist jedoch keineswegs zusammengebrochen. 2025 wurden in Deutschland 3,8 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft, 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon entfielen rund zwei Millionen Stück auf E-Bikes. Gleichzeitig sank der Branchenumsatz um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro, während Rabatte besonders die E-Bike-Preise belasteten.
Allerdings zeigen andere Marktdaten, dass die Accell-Krise nicht allein mit schwacher Nachfrage erklärt werden kann. Die deutschen Fahrradausfuhren stiegen 2025 um zehn Prozent, bei E-Bikes sogar um zwölf Prozent. Zudem bauen Handel und Hersteller ihre noch hohen Lagerbestände weiter ab. Für Haibike, Winora und Ghost hängt deshalb nun viel von einer Investorenlösung ab. Bis dahin laufen die Geschäfte weiter, doch eine dauerhafte Rettung der deutschen Gesellschaften ist noch nicht gesichert.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Die Zeit (11.08.26) – INDat (10.08.26) – Radmarkt (10.08.26) – Accell (05.08.26)
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