Berlin – Deutschlands Gasversorgung startet mit ungewöhnlich niedrigen Vorräten in die entscheidende Phase vor dem Winter. Die Speicher waren am 12. August nur zu 48,63 Prozent gefüllt. Im Vorjahr lag der Wert zu diesem Zeitpunkt deutlich höher. Dennoch lehnt die Regierung kurzfristige staatliche Notfallkäufe bislang ab. Hohe Gaspreise erschweren zugleich die weitere Befüllung. Der Krieg mit Iran und die geschlossene Straße von Hormus verschärfen die Lage am LNG-Markt. Ein kalter Winter könnte deshalb neue Preissteigerungen und Versorgungsprobleme für Industrie und Haushalte auslösen.
Gasversorgung hängt zunehmend von Weltmarkt und Wetter ab
Deutschland hat seine Vorräte seit dem Frühjahr zwar wieder aufgebaut. Der Abstand zu früheren Jahren bleibt jedoch erheblich. Zudem liegt der europäische Speicherstand mit rund 59 Prozent deutlich über dem deutschen Wert. Europa insgesamt verzeichnet derzeit die niedrigsten Speicherstände für diese Jahreszeit seit Beginn der Datenerfassung 2011.

Bild: ©Storag Etzel
Für die schwache Befüllung gibt es vor allem wirtschaftliche Gründe. Händler konnten Gas im Sommer früher günstig kaufen und im Winter teurer verkaufen. Dieses Geschäftsmodell funktioniert derzeit jedoch kaum. Kurzfristiges Gas ist bereits teuer, während geopolitische Unsicherheit zusätzliche Preisaufschläge verursacht. Damit fehlt ein wesentlicher finanzieller Anreiz zum Einspeichern.
Hohe Preise erschweren die Wintervorsorge
Uniper sieht genau darin eine Gefahr für die Gasversorgung. Konzernchef Michael Lewis erwartet Preise von 50 bis 60 Euro je Megawattstunde, solange Hormus geschlossen bleibt. Für einen Speicherstand von rund 70 Prozent im November müssten die Preise nach seiner Einschätzung sinken. Andernfalls bleibt die Befüllung für Händler wirtschaftlich wenig attraktiv.
Die Bundesregierung setzt dennoch weiterhin auf Marktmechanismen. Das Wirtschaftsministerium erklärte Anfang August, Unternehmen und Händler seien für die Wintervorsorge verantwortlich. Außerdem seien durch LNG und zusätzliche Importwege neue Möglichkeiten entstanden. Der Staat will deshalb derzeit keine kurzfristigen Käufe zur Speicherbefüllung anordnen. Konkrete zusätzliche Maßnahmen kündigte das Ministerium nicht an.
Gesetzliche Speicherziele bieten nur begrenzte Sicherheit
Zum 1. November müssen die meisten deutschen Speicher einen Füllstand von 80 Prozent erreichen. Für Bad Lauchstädt, Frankenthal, Hähnlein, Rehden, Stockstadt und Uelsen gelten jedoch nur 45 Prozent. Diese Sonderregel besteht bereits seit Mai 2025. Sie ist deshalb keine Reaktion auf den aktuellen Nahostkonflikt. Die Vorgaben berücksichtigen unter anderem technische Eigenschaften und die geografische Lage dieser Speicher.
Parallel plant Berlin zwar eine staatliche Gasreserve von rund 24 Terawattstunden. Für die kommende Heizperiode verbessert sie die Gasversorgung jedoch noch nicht. Erste Speicherbuchungen sind erst für den Winter 2026/27 vorgesehen. Die eigentliche Befüllung soll im Sommer 2027 starten. Der Aufbau könnte zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro kosten. Finanziert werden soll die Reserve über eine Umlage auf Gasverbraucher.
Damit bleibt für den kommenden Winter vor allem die vorhandene Importinfrastruktur als Absicherung. Deutschland kann Gas aus Norwegen sowie über LNG-Terminals und europäische Nachbarländer beziehen. Ein außergewöhnlich kalter Winter würde den Verbrauch jedoch stark erhöhen. INES warnte bereits im Mai vor möglichen Versorgungsproblemen selbst bei deutlich höheren Speicherbuchungen. Zugleich müsste Europa bei knappen Vorräten verstärkt LNG auf dem Weltmarkt beschaffen. Dort konkurriert es mit asiatischen Käufern um dieselben Mengen. Niedrige Speicher bedeuten deshalb noch keinen Gasmangel, sie verkleinern aber den Puffer gegen Kälte und Lieferstörungen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Merkur (12.08.26) – Reuters (11.08.26) – Die Bundesregierung (05.08.26) – Welt (07.07.26)
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