Siemens Energy setzt auf Gasboom: KI-Rechenzentren treiben Nachfrage

Siemens Energy erwartet nach einer Unternehmensveranstaltung am 11. Juni 2026 in Hamburg eine hohe Gasturbinen-Nachfrage bis 2035. Den Gasboom treiben vor allem KI-Rechenzentren in den USA und neue Kraftwerksprojekte am Persischen Golf. Zugleich sichern Golfstaaten ihre Stromversorgung gegen mögliche Angriffe auf Kraftwerke ab. Transportprobleme im Nahen Osten verteuern jedoch die Lieferungen. Siemens Energy kann seine Produktion kurzfristig kaum weiter erhöhen. Kunden müssen deshalb mit langen Lieferzeiten und steigenden Anlagenpreisen rechnen.


Gasboom füllt die Auftragsbücher bei Siemens Energy

Amerikanische Technologiekonzerne investieren mehr als 700 Milliarden Dollar in künstliche Intelligenz. Dafür benötigen sie neue Rechenzentren, während deren Stromverbrauch stark zunimmt. Viele Betreiber setzen deshalb auf eigene oder nahe gelegene Gaskraftwerke. Diese Anlagen liefern Strom unabhängig von Wetter und Tageszeit.

KI-Rechenzentren und neue Kraftwerksprojekte treiben den Gasboom an und sorgen bei Siemens Energy für volle Auftragsbücher
KI-Rechenzentren und neue Kraftwerksprojekte treiben den Gasboom an und sorgen bei Siemens Energy für volle Auftragsbücher
Bild: Shutterstock

Rechenzentren stehen bereits für rund ein Viertel des Gasturbinen-Auftragsbestands von Siemens Energy. Zugleich entfallen etwa 40 Prozent des weltweiten Turbinenmarktes auf die USA. Der globale Markt erreicht laut Konzernchef Christian Bruch derzeit 100 bis 120 Gigawatt. Der Gasboom konzentriert sich damit stark auf den amerikanischen Strommarkt.

Iran-Krieg verändert Kraftwerksplanung am Persischen Golf

Auch der Iran-Krieg erhöht die Nachfrage nach zusätzlichen Erzeugungskapazitäten. Mehrere Golfstaaten schreiben neue Kraftwerke aus, damit einzelne Angriffe nicht ganze Versorgungssysteme lahmlegen. Früher galten Leistungsreserven von etwa 15 Prozent als ausreichend. Diese Reserve reicht nach Einschätzung von Siemens Energy unter den neuen Sicherheitsbedingungen jedoch nicht mehr.

Die militärische Lage erschwert außerdem den Transport schwerer Turbinenkomponenten. Siemens Energy verlagert Lieferungen deshalb teilweise von Schiffen auf Lastwagen. Diese Routen kosten mehr und benötigen zusätzliche Zeit. Das Unternehmen konnte seine Auslieferungen bisher jedoch fortsetzen.


Volle Fabriken begrenzen das Wachstum bis 2030

Siemens Energy produziert bereits an der kurzfristig erreichbaren Kapazitätsgrenze. Der Konzern will seine Fertigung deshalb schrittweise bis 2030 ausbauen. Ein amerikanisches Investitionsprogramm soll außerdem die globale Turbinenkapazität um rund 20 Prozent erhöhen. Neue Werke lösen die aktuellen Lieferengpässe jedoch nicht sofort.

Die hohe Nachfrage verbessert zugleich die wirtschaftliche Lage des Konzerns. Siemens Energy verkaufte im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 194 Gasturbinen. Der Auftragseingang der Sparte Gas Services stieg vergleichbar um 42,9 Prozent. Außerdem erreichte der konzernweite Auftragsbestand damals den Rekordwert von 138 Milliarden Euro.

Der Gasboom bringt Siemens Energy damit planbare Aufträge über viele Jahre. Allerdings steigen auch die Kosten für Kraftwerksentwickler deutlich. Lieferzeiten für große Gasturbinen reichen teilweise über fünf Jahre hinaus. Außerdem haben sich die Baukosten moderner Gas-und-Dampf-Kraftwerke in den USA erheblich erhöht. Neue Gaskraftwerke schaffen gesicherte Leistung, binden Strommärkte jedoch langfristig an Brennstofflieferungen und Gaspreise.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (11.06.26)Reuters (11.06.26)SupplyChainBrain (12.06.26)Financial Times (09.06.26)

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