Next2Sun Insolvenz – Solarpionier scheitert an Finanzierung und fehlender EU-Förderung

Der Solarspezialist Next2Sun hat am 5. Oktober für zwei Tochtergesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die Next2Sun Insolvenz betrifft die Technology GmbH und die Mounting Systems GmbH. Auslöser war eine gescheiterte Finanzierung über mehrere Millionen Euro. Zudem belastet eine seit 2024 ausstehende EU-Genehmigung für die Agri-Photovoltaik-Förderung das Geschäft. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 140 Mitarbeiter an internationalen Standorten. Nun sind Arbeitsplätze gefährdet, während die Projektentwicklung zunächst weiterläuft. Die Muttergesellschaft und die Betreiber bereits fertiggestellter Anlagen bleiben von den Insolvenzanträgen vorerst unberührt.

Next2Sun:  Zwei Tochtergesellschaften von Insolvenz betroffen. Fehlende EU-Förderung und gescheiterte Finanzierung belasten den Betrieb
Next2Sun: Zwei Tochtergesellschaften von Insolvenz betroffen. Fehlende EU-Förderung und gescheiterte Finanzierung belasten den Betrieb
Bild: Jana309, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Millionenfinanzierung gescheitert – zwei Gesellschaften insolvent

Next2Sun hatte in den vergangenen Wochen versucht, zusätzliches Eigenkapital einzuwerben. Ende September lagen Aktienzeichnungen und weitere Finanzierungsangebote von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro vor. Allerdings erwiesen sich zwei größere Investitionszusagen als nicht ausreichend abgesichert. Deshalb erklärte das Unternehmen die Kapitalmaßnahme am 2. Oktober für gescheitert. Drei Tage später folgten die Insolvenzanträge beim Amtsgericht Saarbrücken.

Die betroffenen Gesellschaften wollen ihren Geschäftsbetrieb zunächst fortsetzen. Allerdings prüft Next2Sun laufende Aufträge auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Gleichzeitig sucht die Unternehmensführung weitere Investoren und Möglichkeiten zur Sanierung. Die geplante Aktienemission entfällt, weshalb das Unternehmen die dafür vorgesehenen Anlegergelder nicht einzieht.


Next2Sun Insolvenz – EU-Förderung seit über zwei Jahren blockiert

Ein wesentlicher Hintergrund der Krise liegt in der ungeklärten Förderung für Agri-Photovoltaik. Bundestag und Bundesrat beschlossen bereits 2024 mit dem Solarpaket I neue Förderregelungen. Allerdings fehlt für den entsprechenden Ausschreibungsbereich weiterhin die notwendige beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission. Deshalb darf die Bundesnetzagentur diese Regelungen bislang nicht anwenden. Für Projektentwickler bedeutet das erhebliche Unsicherheit bei der Kalkulation künftiger Einnahmen.

Next2Sun macht die ausbleibende Genehmigung für erhebliche wirtschaftliche Schäden verantwortlich. Nach Angaben der Unternehmensführung brachen Aufträge weg, während sich die Umsätze innerhalb eines Jahres halbierten. Außerdem verschärfte die Zurückhaltung von Banken und Investoren die Finanzierungslücke. Der neue Entwurf zur EEG-Novelle sieht inzwischen eine andere Förderstruktur vor. Statt eines eigenen Ausschreibungsbereichs sollen bestimmte Agri-PV-Anlagen einen Bonus erhalten.

Mehr als 140 Mitarbeiter – Sanierung soll Arbeitsplätze retten

Die Next2Sun Insolvenz gefährdet auch Arbeitsplätze in einer technologisch spezialisierten Solarbranche. Die 2015 gegründete Unternehmensgruppe beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 140 Menschen in Deutschland, Österreich, Polen und Japan. Außerdem hat Next2Sun weltweit Photovoltaikprojekte mit über 65 Megawatt Spitzenleistung realisiert. Dennoch reichen bestehende Projekte und technisches Know-how offenbar nicht aus, um die laufenden Finanzierungsprobleme zu überwinden.

Das Unternehmen entwickelt senkrecht montierte Solarmodule, die auf beiden Seiten Strom erzeugen. Dadurch können Landwirte Flächen weiterhin bewirtschaften und gleichzeitig Strom produzieren. Außerdem liefern die Anlagen vergleichsweise viel Strom in den Morgen- und Abendstunden. Allerdings hängt die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte nicht allein von ihrer technischen Leistungsfähigkeit ab. Entscheidend sind auch Investitionskosten, Stromerlöse und verlässliche Finanzierungsbedingungen.


Förderversprechen schaffen keine wirtschaftliche Sicherheit

Die Next2Sun Insolvenz zeigt ein grundlegendes Problem staatlich gesteuerter Investitionen in erneuerbare Energien. Der Gesetzgeber beschließt neue Fördermodelle, während deren Umsetzung von weiteren Genehmigungen abhängt. Unternehmen kalkulieren deshalb mit Rahmenbedingungen, die möglicherweise jahrelang nicht gelten. Besonders kritisch wird das, wenn Investoren ihre Zusagen wegen unsicherer Ertragsperspektiven zurückhalten.

Der Fall Next2Sun verdeutlicht damit die wirtschaftlichen Folgen einer unzureichend abgestimmten Förderpolitik. Zwar lässt sich die Insolvenz nicht allein auf die fehlende EU-Genehmigung zurückführen. Doch der jahrelange Schwebezustand hat nach Unternehmensangaben erheblich zur Krise beigetragen. Ob eine Sanierung gelingt, hängt jetzt von verbindlichen Kapitalzusagen und tragfähigen Geschäftsmodellen ab. Ohne neue Finanzierung drohen weitere Einschnitte bei Personal und Geschäftstätigkeit.

Vrefasser: Blackout News
Verwendete Quellen: t-online (11.10.26) – IWR (09.10.26) – Next2Sun (05.10.26) – PV-Magazine (05.10.26)

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