Walzengießerei Coswig schließt nach 134 Jahren – hohe Energiekosten kosten 170 Arbeitsplätze

Die Walzengießerei Coswig in Sachsen stellt Ende November 2026 ihre Produktion endgültig ein. Nach 134 Jahren endet damit die Geschichte eines traditionsreichen Industriebetriebs im Landkreis Meißen. Hohe Energiekosten, sinkende Nachfrage und eine unzureichende Auslastung haben die wirtschaftliche Lage über Jahre verschlechtert. Auch die Sanierung in Eigenverwaltung und die Suche nach einem Investor scheiterten. Rund 170 verbliebene Beschäftigte haben bereits ihre Kündigung erhalten. Zudem verliert Deutschland einen Hersteller schwerer Industriewalzen und wichtiger Bauteile für den Maschinenbau und die Windkraftindustrie.

Die Walzengießerei Coswig gibt auf. 170 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Hohe Energiekosten und fehlende Investoren besiegeln das Aus
Die Walzengießerei Coswig gibt auf. 170 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Hohe Energiekosten und fehlende Investoren besiegeln das Aus
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Walzengießerei Coswig verbrauchte jährlich Energie für sechs Millionen Euro

Besonders die Energieversorgung belastete den Standort erheblich. Bereits im Januar 2025 warnte Werksleiter Dario Kratzsch vor den steigenden Kosten. Damals bezifferte er den jährlichen Energiebedarf auf rund 55 Gigawattstunden. Das entsprach nach Unternehmensangaben dem Verbrauch von etwa 13.000 Einfamilienhäusern. Dafür musste die Gießerei jährlich rund sechs Millionen Euro aufbringen. Gleichzeitig verschlechterte die schwache Nachfrage die Auslastung der teuren Produktionsanlagen.

Hinzu kam die starke Abhängigkeit vom internationalen Stahlgeschäft. Rund zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftete das Unternehmen im Ausland. Zu den Abnehmern gehörte unter anderem ein indischer Industriekonzern, der Eisenbahnschienen für Indian Railways produzierte. Coswig lieferte dafür spezielle Walzen zur Formgebung. Außerdem fertigte der Betrieb schwere Gussteile für Windkraftanlagen. Seit 2003 gehörten auch Rotorhohlwellen mit Gewichten von bis zu 50 Tonnen zum Produktionsprogramm. Dennoch reichten die Aufträge nicht mehr aus, um den Standort wirtschaftlich zu betreiben.


140 mögliche Investoren – kein einziger rettet den Betrieb

Bereits im November 2025 beantragte die Walzengießerei Insolvenz. Anfang Februar 2026 begann das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung setzte zunächst auf eine Sanierung und einen neuen Eigentümer. Insgesamt kontaktierte das Sanierungsteam rund 140 potenzielle Investoren. Zehn Interessenten führten vertiefte Gespräche, darunter offenbar auch Unternehmen aus der Windkraftbranche. Letztlich kam jedoch keine Übernahme zustande.

Besonders bitter ist das Ergebnis für die Beschäftigten. Noch im Juni hatten sie einem Sanierungstarifvertrag zugestimmt, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Sie verzichteten auf Urlaubsgeld und Teile ihrer Leistungszulagen. Außerdem verschoben sie eine vereinbarte Tariferhöhung auf Januar 2027. Die IG Metall kritisiert deshalb die Unternehmensführung. Gewerkschaftsvertreter Steven Kempe bemängelt insbesondere den späten Beginn der Investorensuche im Sommer 2026. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hätten sich bereits seit Jahren abgezeichnet.


Industrieproduktion verschwindet – Maschinen und Werksgelände werden verkauft

Mit der Schließung der Walzengießerei Coswig verschwindet industrielle Fertigungskapazität aus Sachsen. Bis Ende November sollen die Schmelzöfen schrittweise außer Betrieb gehen. Anschließend stehen unter anderem Großdrehmaschinen, Kransysteme und Gießereianlagen zum Verkauf. Auch das Betriebsgelände an der Grenzstraße soll einen neuen Eigentümer erhalten. Über eine mögliche Nutzung durch kleinere Unternehmen mit geringerem Energiebedarf soll erst 2027 entschieden werden. Die IG Metall plant deshalb für Ende Oktober eine Jobmesse, um den Beschäftigten neue Perspektiven zu eröffnen.

Das Werk gehört zur DIHAG-Gruppe, die sich künftig auf wirtschaftlich tragfähigere Geschäftsbereiche konzentrieren will. Auch das Stahl- und Hartgusswerk Bösdorf in Leipzig befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Andere Gruppenstandorte sollen dagegen erhalten bleiben, darunter Meuselwitz Guss, die Schmiedeberger Gießerei und das Eisenwerk Arnstadt. Gleichzeitig verfolgt der Konzern weiterhin Pläne für Automatisierung und eine klimafreundlichere Produktion. Der Fall Coswig zeigt jedoch ein grundlegendes Problem der deutschen Industrie: Hoher Energiebedarf, schwache Nachfrage und erhebliche Vorfinanzierungskosten gefährden die Wirtschaftlichkeit traditioneller Produktionsstandorte. Mit jedem dauerhaft geschlossenen Werk gehen zudem Fertigungskapazitäten, industrielle Erfahrung und qualifizierte Arbeitsplätze verloren.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Ostdeutsche Allgemeine (12.10.26) – marketsteel (12.10.26) – Berliner Kurier )11.10.26) – Die Sachsen News ( 10.10.26)

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