Ineos legt seit dem 22. September 2026 drei Chemieanlagen im Saltend Chemicals Park bei Hull still. Auslöser sind die hohen europäischen Gaspreise, die Energie und Rohstoffe für die Produktion verteuern. Zwei Anlagen produzieren bereits nicht mehr, während die dritte in den kommenden Tagen folgen soll. Ineos spricht von fast 4.000 Arbeitsplätzen, die direkt oder über Lieferketten mit den Anlagen verbunden sind. Rund 245 Menschen arbeiten unmittelbar für Ineos am Standort, jedoch sind bislang keine Entlassungen angekündigt.

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Gaspreise machen Produktion in Hull unwirtschaftlich
Die drei Anlagen stellen wichtige Acetyl-Grundchemikalien für den europäischen Markt her. Dazu gehören Essigsäure, Essigsäureanhydrid und Ethylacetat. Diese Stoffe benötigen Hersteller von Arzneimitteln, Lebensmitteln, Textilien, Kosmetik, Reinigungsmitteln und Baumaterialien. Außerdem liefert der Standort Vorprodukte für industrielle Sprengstoffe und weitere Spezialanwendungen. Ineos bezeichnet die Einheiten als Europas letzte großskalige Acetyl-Anlagen.
Erdgas dient dort jedoch nicht allein zur Erzeugung von Prozesswärme. Die Betriebe benötigen es zugleich als Rohstoff für chemische Reaktionen. Ineos beziffert die europäischen Gaspreise derzeit auf das Zwölffache des amerikanischen Niveaus. Reuters meldete am 22. September dagegen rund 23,51 Dollar je MMBtu in Großbritannien und 2,84 Dollar am US-Henry-Hub. Der konkrete Abstand hängt deshalb vom verwendeten Vertrag, Markt und Vergleichszeitpunkt ab.
USA und China gewinnen beim Kostenvergleich von Chemieanlagen
Die jüngste Entwicklung verschärft jedoch einen bereits bestehenden Kostennachteil Europas. Energy UK meldete Mitte September den höchsten britischen Großhandelspreis für Gas seit Dezember 2022. Das Preisniveau lag dem Branchenverband zufolge noch rund 50 Prozent über dem Stand vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. Der Konflikt hat insbesondere die internationalen Gas- und LNG-Märkte getroffen.
Für energieintensive Chemiewerke haben hohe Gaspreise deshalb eine doppelte Wirkung. Sie verteuern sowohl die Energieversorgung als auch den eingesetzten Rohstoff. Ineos verweist gleichzeitig auf deutlich niedrigere Produktionskosten in den USA und auf kohlebasierte Produktion in China. Nach Berechnungen des Unternehmens verursachen entsprechende Ersatzprodukte dort zugleich höhere CO₂-Emissionen. Diese Emissionsangaben stammen allerdings von Ineos selbst.
Britische Hilfen kommen für Hull nicht sofort
Die britische Regierung hatte im Mai bereits einen Hilfsfonds von 350 Millionen Pfund für strategisch wichtige Chemieunternehmen angekündigt. Das Programm befindet sich jedoch noch in der Umsetzung. Die britische Wettbewerbsbehörde nahm die geplante Beihilferegelung am 10. September zur Prüfung an. Unternehmen könnten später bis zu 50 Prozent bestimmter förderfähiger Projektkosten erhalten. Das Programm soll bis Ende März 2030 laufen.
Für Hull löst diese Förderung das aktuelle Problem deshalb nicht unmittelbar. Ineos hat die drei Anlagen zunächst auf unbestimmte Zeit stillgelegt und nicht endgültig geschlossen. Trotzdem verliert Europa vorerst wichtige eigene Produktionskapazitäten für chemische Grundstoffe. Sollte die Produktion länger ruhen, steigt entsprechend die Abhängigkeit von Importen aus anderen Weltregionen. Für die Beschäftigten gibt es bislang zwar keine angekündigten Kündigungen, doch eine schnelle Wiederaufnahme der Produktion hat Ineos ebenfalls nicht zugesagt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Thousands of jobs at risk as Sir Jim Ratcliffe HALTS production at 3 of UK’s biggest chemical plants over gas costs – INEOS Idles Europe’s last world-scale Acetyls plant as Energy prices hit 12 times US level – Ineos to mothball three chemical plants as high energy costs hit production
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