Haribo streicht 300-Millionen-Werk in Neuss – bis zu 100 neue Jobs entfallen

Neuss – Haribo hat Ende September 2026 den geplanten Neubau seines Maoam-Werks in Neuss-Holzheim endgültig aufgegeben. Rund 300 Millionen Euro sollten in die neue Fabrik fließen, die Produktion war ab 2028 vorgesehen. Als Gründe nennt der Konzern globale Krisen, Engpässe bei Baumaterialien und stark gestiegene Preise. Deshalb fehlten aus Unternehmenssicht verlässliche Zeit- und Kostenrahmen für das Großprojekt. Der für 2025 geplante Baustart war bereits ausgeblieben. Bis zu 100 neue Arbeitsplätze entstehen nun nicht; die rund 350 bestehenden Stellen in Neuss sollen jedoch erhalten bleiben. Stattdessen will der Konzern das vorhandene Werk weiterentwickeln.

Haribo stoppt den Neubau in Neuss. Baukosten und fehlende Kalkulierbarkeit treffen ein 300-Millionen-Projekt und bis zu 100 Jobs
Haribo stoppt den Neubau in Neuss. Baukosten und fehlende Kalkulierbarkeit treffen ein 300-Millionen-Projekt und bis zu 100 Jobs
Bild: Shutterstock

Haribo beendet ein Projekt nach fast zehn Jahren Planung

Die Standortsuche reicht bis 2017 zurück, als Holzheim als mögliche Lösung für den engen Altstandort in den Fokus rückte. 2020 vereinbarten Stadt und Unternehmen eine Reservierungsgebühr für rund 15 Hektar Fläche. Im Mai 2024 stellte der Konzern schließlich seine 300-Millionen-Euro-Pläne öffentlich vor. Außerdem führte die Stadt noch im Juli 2026 eine Bürgerinformation zum laufenden Bebauungsplan durch.

Das neue Werk sollte das bisherige Maoam-Werk nach einer Übergangsphase ersetzen. Dabei plante Haribo ungefähr die doppelte Produktionskapazität sowie neben Kaubonbons auch Fruchtgummi. Rund 350 Beschäftigte sollten an den neuen Standort wechseln, außerdem waren bis zu 100 zusätzliche Stellen vorgesehen. Nach damaligen Plänen sollte das alte Werk um 2030 schließen.


Steigende Baukosten verschärfen die Kalkulation

Der Konzern begründet die Absage ausdrücklich mit veränderten weltwirtschaftlichen Bedingungen. Eine Sprecherin sagte: „Seit Planungsbeginn haben sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verändert“. Zugleich bestätigen amtliche Daten den Kostentrend: Gewerbliche Betriebsgebäude waren im Mai 2026 fünf Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Allerdings nennt Haribo keine aktualisierte Investitionssumme für das gestoppte Werk.

Für Neuss fällt damit eine der größten angekündigten Industrieinvestitionen weg. Die rund 150.000 Quadratmeter Gewerbefläche können nun neu vergeben werden; laut Bürgermeister Reiner Breuer entsteht der Stadt durch die Absage kein finanzieller Schaden. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark sich der bestehende Standort ausbauen lässt. Denn Haribo hatte 2024 selbst erklärt, dort gebe es keine Flächen für eine nachhaltige Erweiterung.


Absatzrekord trotz Investitionsstopp

Die Absage folgt nicht auf einen Einbruch der Nachfrage. Haribo meldete für 2025 einen weltweiten Absatzanstieg von 4,5 Prozent und damit einen Rekord. Ein Viertel des Wachstums entfiel nach Unternehmensangaben auf neue Produkte. Der Konzern selbst führt die Absage jedoch nicht auf schwache Verkäufe zurück, sondern auf Kosten und Planbarkeit.

Die Produktion von Maoam bleibt damit in Neuss, allerdings ohne den geplanten Kapazitätssprung des Neubaus. Das bestehende Werk soll modernisiert und weiterentwickelt werden. Konkrete Investitionssummen, Bauabschnitte oder zusätzliche Kapazitäten hat der Konzern dafür bislang nicht genannt. Für Neuss nennt Haribo deshalb vorerst den Erhalt der bestehenden rund 350 Arbeitsplätze als konkrete Perspektive.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: WDR (29.09.26) – Handelsblatt (29.09.26) – Rheinische Post (30.09.26)

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