Deutschland meldet steigende Exporte und Wirtschaftswachstum, doch zugleich nehmen die Firmenpleiten weiter zu. Die Warenausfuhren lagen im Juni 2026 um 6,6 Prozent über dem Vorjahreswert und erreichten einen Monatsrekord. Auch das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal um 0,9 Prozent zum Vorjahr. Dennoch registrierte das IWH im Juli 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das waren sieben Prozent mehr als im Juli 2025. Gegenüber einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl sogar 75 Prozent höher. Außerdem waren bei den größten Insolvenzunternehmen 26 Prozent mehr Beschäftigte betroffen als ein Jahr zuvor. Die Frühindikatoren des IWH erreichten gleichzeitig einen neuen Höchststand.
Firmenpleiten steigen trotz deutlich höherer Exporte
Die jüngsten Außenhandelszahlen vermitteln zunächst ein positives Bild. Deutschland exportierte im Juni Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro. Das waren 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zudem erreichten die kalender- und saisonbereinigten Ausfuhren damit einen neuen Monatsrekord. Im ersten Halbjahr lagen die Exporte außerdem 3,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.

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Allerdings entwickelten sich die Einfuhren noch schneller. Sie stiegen im Juni um 8,4 Prozent zum Vorjahr und um 4,4 Prozent gegenüber Mai. Deshalb schrumpfte der Handelsüberschuss binnen eines Monats von 19,3 auf 15,4 Milliarden Euro. Zugleich brachen die Exporte in die USA gegenüber Mai um 14,2 Prozent ein. Im ersten Halbjahr gingen die Ausfuhren in die USA außerdem um 5,8 Prozent zurück. Nach China sanken sie sogar um 12,3 Prozent.
Wirtschaftswachstum erreicht viele Unternehmen bislang nicht
Auch das Bruttoinlandsprodukt signalisiert rechnerisch eine wirtschaftliche Erholung. Gegenüber dem Vorjahresquartal wuchs die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,9 Prozent. Zum ersten Quartal betrug der Zuwachs jedoch lediglich 0,2 Prozent. Die Exporte stützten die Entwicklung, während sich der private Konsum nur verhalten entwickelte. Gleichzeitig gingen die Investitionen zurück.
Die Industrie liefert ebenfalls kein durchgehend positives Bild. Die gesamte Produktion stieg im Juni zwar um 0,2 Prozent gegenüber Mai. Die eigentliche Industrieproduktion stagnierte jedoch im Monatsvergleich und sank um 0,8 Prozent zum Vorjahr. Außerdem verringerte sich die Produktion energieintensiver Branchen gegenüber Mai um 1,8 Prozent. Der Auftragseingang legte zwar um 3,1 Prozent zu. Ohne Großaufträge gingen die Bestellungen allerdings um 0,5 Prozent zurück.
Firmenpleiten liegen langfristig 75 Prozent höher
Die Firmenpleiten zeigen damit eine deutlich andere Entwicklung als Export- und Wachstumszahlen. Das IWH registrierte im Juli sieben Prozent mehr Insolvenzfälle als zwölf Monate zuvor. Gegenüber dem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 beträgt der Abstand sogar 75 Prozent. Diese Einordnung zeigt, dass die hohen Fallzahlen nicht allein auf einen schwachen Vorjahreswert zurückgehen. Besonders viele Insolvenzen verzeichnete das Institut bei unternehmensnahen sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.
Auch die Folgen für Beschäftigte verschärfen sich. Bei den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Juli mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Das waren 26 Prozent mehr als im Juli 2025 und 47 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Allein auf die Industrie entfielen knapp 6.000 betroffene Stellen. Zusätzlich erreichten die IWH-Frühindikatoren für künftige Firmenpleiten einen neuen Höchststand. Deshalb erwartet das Institut auch in den kommenden Monaten sehr hohe Insolvenzzahlen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (06.08.26) – Statistisches Bundesamt /07.08.26) – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (06.08.26)
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