BioNTech schließt drei Werke in Deutschland – rund 1.800 Beschäftigte betroffen

BioNTech schließt drei Werke in Deutschland, nachdem die monatelange Suche nach Käufern ohne Abschluss geblieben ist. Betroffen sind Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen mit zusammen rund 1.800 Beschäftigten. BioNTech bestätigte die Entscheidung am 28. September 2026 und nennt ein schwieriges Markt- und Investitionsumfeld als wesentlichen Grund. Hinzu kommen geringe Auslastung, Überkapazitäten und der Umbau des Konzerns in Richtung Krebsmedizin. Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028.

BioNTech schließt drei Werke: Rund 1.800 Beschäftigte sind betroffen. Gescheiterte Verkäufe und Überkapazitäten treiben den Umbau
BioNTech schließt drei Werke: Rund 1.800 Beschäftigte sind betroffen. Gescheiterte Verkäufe und Überkapazitäten treiben den Umbau
Bild: Shutterstock

BioNTech schließt drei Werke nach gescheiterter Käufersuche

Bereits im Mai hatte BioNTech die Konsolidierung seines Produktionsnetzes angekündigt. Damals prüfte der Konzern jedoch noch vollständige oder teilweise Verkäufe der Standorte. Interne Fachleute und externe Berater sprachen dafür Pharmaunternehmen und Investoren an. BioNTech zufolge kam es trotz Prüfungen und Gesprächen zu keinem Abschluss. Nur für die Berliner Tochter JPT Peptide Technologies fand BioNTech einen Käufer.

Die Schließungen treffen drei Standorte mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. In Marburg arbeiten rund 540 Beschäftigte, während dort mRNA-Impfstoffe und Plasmid-DNA hergestellt wurden. In Idar-Oberstein sind rund 440 Stellen betroffen; dort entstehen unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen. Am früheren CureVac-Sitz in Tübingen arbeiten mehr als 700 Menschen.


Marburg verliert wichtige mRNA-Produktionskapazität

Besonders deutlich ist der Einschnitt in Marburg, denn BioNTech hatte das Werk 2020 von Novartis übernommen. Während der Pandemie entwickelte sich der Standort zu einer großen europäischen Produktionsstätte für mRNA-Impfstoffe. BioNTech schließt denoch drei Werke, weil Kapazitäten nach Unternehmensangaben künftig nicht ausreichend ausgelastet wären. Der Konzern erwartet durch die Konsolidierung keine Engpässe bei kommerziellen oder klinischen Lieferverpflichtungen.

Die wirtschaftliche Ausgangslage hat sich seit dem Pandemieboom erheblich verändert. BioNTech erzielte im ersten Halbjahr 2026 nur 223,7 Millionen Euro Umsatz und einen Nettoverlust von 1,35 Milliarden Euro. Außerdem senkte der Konzern im August seine Umsatzprognose für 2026 auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Als Gründe nannte BioNTech unter anderem die schwächere weltweite Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen.


Konzern verlagert Kapital in die Krebsmedizin

Parallel verlagert BioNTech Kapital und Forschung stärker in seine Onkologie-Pipeline. Nach vollständiger Umsetzung der Sparmaßnahmen erwartet das Unternehmen ab 2029 jährlich rund 500 Millionen Euro wiederkehrende Einsparungen. BioNTech schließt drei Werke damit als Teil eines größeren Konzernumbaus und nicht als isolierte Standortentscheidung. Gleichzeitig verfügte das Unternehmen Ende Juni über 16,6 Milliarden Euro an liquiden Mitteln und Wertpapieranlagen.

Für die Beschäftigten vereinbarte BioNTech mit dem Konzernbetriebsrat zusätzliche Abfindungskonditionen. Details zu deren Höhe veröffentlichte das Unternehmen jedoch zunächst nicht. In Marburg verschwinden damit rund 540 Arbeitsplätze an einem bedeutenden mRNA-Produktionsstandort. Idar-Oberstein verliert außerdem einen langjährigen Arbeitgeber, dessen Erfolg zeitweise hohe Gewerbesteuereinnahmen für Stadt und Kreis brachte.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (29.09.26) – Hessenschau (28.09.26) – SWR (28.09.26)

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