In Palm Beach Gardens im US-Bundesstaat Florida hat das Startup Ampera Anfang Juli 2026 ein vollmaßstäbliches Thorium-Reaktormodul aus dem 3D-Drucker vorgestellt. Das Unternehmen positioniert die Technik in einem Markt, in dem KI-Rechenzentren, Industrie, Verteidigung und Schifffahrt verlässliche Dauerleistung benötigen. Das Modul besteht aus Reaktorkern und Druckbehälter aus Siliziumkarbid, erzeugt jedoch bislang keinen Strom. Entscheidend bleiben deshalb Zulassung, Brennstoffversorgung, Sicherheitsnachweise und ein belastbarer Dauerbetrieb.
3D-Drucker formt Kern und Druckbehälter aus Siliziumkarbid
Ampera beschreibt das System als subkritischen, feststoffbasierten Thorium-Mikroreaktor. Subkritisch bedeutet jedoch, dass der Brennstoff keine selbsttragende Kettenreaktion aufrechterhält. Ein externer Neutronentreiber soll deshalb den Prozess anstoßen und während des Betriebs stabilisieren. Damit unterscheidet sich das Konzept deutlich von klassischen Leichtwasserreaktoren.

Bild: @Ampera
Der 3D-Drucker ermöglicht eine komplexe Gyroid-Struktur im Reaktorkern. Diese Geometrie vergrößert die Oberfläche und soll deshalb die Wärmeübertragung verbessern. Herkömmliche Fertigung kann solche Formen nur schwer herstellen. Außerdem setzt Ampera auf Siliziumkarbid, weil das Keramikmaterial hohe Temperaturen und starke Strahlenbelastung aushalten kann.
Thorium bleibt technisch anspruchsvoll
Thorium gilt seit Jahrzehnten als möglicher Kernbrennstoff, jedoch ist es kein direkt spaltbares Material wie Uran-235. Es muss zunächst durch Neutronen in Uran-233 umgewandelt werden. Erst dieses Uran-233 liefert dann den eigentlichen spaltbaren Stoff. Deshalb hängen Leistungsfähigkeit und Sicherheit stark von Neutronenquelle, Brennstoffdesign und Prozesskontrolle ab.
Ampera plant nach eigenen Angaben TRISO-Partikel mit Thorium-Anteil. TRISO-Brennstoff nutzt mehrere Schutzschichten, die Spaltprodukte im Inneren halten sollen. Das erhöht jedoch nicht automatisch die Genehmigungsfähigkeit eines neuen Reaktorkonzepts. Behörden müssen außerdem prüfen, wie sich Brennstoff, Druckbehälter, Wärmeabfuhr und Abschaltsysteme im Störfall verhalten.
Ein Modul ist noch kein Kraftwerk
Ampera nennt eine mögliche Laufzeit von bis zu 30 Jahren ohne Brennstoffwechsel. Diese Angabe ist jedoch ein Entwicklungsziel und kein Nachweis aus dem Kraftwerksbetrieb. Bislang steht ein gedrucktes Reaktormodul im Vordergrund, nicht ein genehmigter Reaktor mit Stromproduktion. Deshalb bleibt die Präsentation technologisch bemerkenswert, aber energiewirtschaftlich noch nicht belastbar.
Der 3D-Drucker löst zudem nur einen Teil der industriellen Aufgabe. Ein Reaktor braucht eine gesicherte Brennstoffkette, qualifizierte Bauteile, belastbare Prüfverfahren und eine Genehmigung durch die Atomaufsicht. Außerdem muss Ampera zeigen, dass sich die Module seriennah herstellen lassen. Erst dann kann aus dem Prototyp ein marktfähiges Energiesystem werden.
KI-Strombedarf macht neue Reaktorkonzepte attraktiv
Der Strombedarf großer Rechenzentren steigt stark, deshalb suchen Betreiber nach planbarer Leistung abseits überlasteter Netzanschlüsse. Ampera zielt mit seinem System auf 15 bis 30 Megawatt elektrische Leistung. Diese Größenordnung passt zu Standorten, die rund um die Uhr Strom brauchen. Für KI-Anwendungen zählt jedoch nicht nur Leistung, sondern auch Verfügbarkeit, Preis und regulatorische Sicherheit.
Der Markteintritt soll nach Unternehmensangaben in Stufen erfolgen. Erste Stromsysteme sollen vor Ende 2027 bereitstehen, jedoch zunächst ohne nukleares Modul. Der Atomteil soll frühestens um 2030 folgen, sofern Zulassung und Technikplan halten. Damit bleibt Amperas Thorium-Reaktor vorerst ein ambitioniertes Versprechen für einen Strommarkt, der neue Dauerlastquellen sucht.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: World Nuclear News (07.07.26) – Energynews (06.07.26) – The Register (03.07.26) – PR Newswire (02.07.26)
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