In Deutschland zeigt eine Fraunhofer-Analyse vom Sommer 2026, dass Grüner Wasserstoff für Kraftwerke bis 2035 deutlich teurer werden kann als reine Erzeugungspreise vermuten lassen. Die Forscher rechnen zwar mit Produktionskosten von 3,8 bis 7,3 Euro je Kilogramm. Mit Netzanschluss, Transport und Speicherung steigen die Bezugskosten jedoch auf 8,77 bis 15,16 Euro je Kilogramm. Besonders betroffen sind Spitzenlastkraftwerke, denn sie laufen nur selten und müssen Infrastruktur trotzdem vorhalten. Dadurch verteuern sich Reservekraftwerke, Industrieplanung und die Absicherung des Stromsystems.
Warum Grüner Wasserstoff für Kraftwerke teuer wird
Die Studie verschiebt den Blick von der Elektrolyse auf die tatsächlichen Kosten am Einsatzort. Das ist entscheidend, denn Wasserstoff muss nicht nur erzeugt werden. Er muss außerdem gespeichert, transportiert und zur richtigen Stunde bereitstehen. Gerade bei Kraftwerken fällt dieser Punkt stark ins Gewicht.

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Kraftwerke sollen einspringen, wenn Wind und Sonne zu wenig liefern. Genau dann entsteht jedoch Bedarf in Stunden, in denen neue Erzeugung kaum verfügbar ist. Der Brennstoff muss deshalb aus Speichern kommen. Zusätzlich fallen Netzentgelte für Einspeicherung, Transport, Ausspeicherung und Bezug am Kraftwerksstandort an.
Geringe Laufzeiten treiben die Kosten
Das geplante Wasserstoff-Kernnetz soll Industriezentren, Kraftwerke, Speicher und Importkorridore verbinden. Die Bundesnetzagentur genehmigte dafür Leitungen mit 9.040 Kilometern Länge. Rund 60 Prozent basieren jedoch auf umgestellten Erdgasleitungen. Die erwarteten Investitionen liegen bei 18,9 Milliarden Euro.
Diese Infrastruktur braucht Nutzer mit hoher Auslastung. Bei Spitzenlastkraftwerken verteilt sich ein großer Fixkostenblock jedoch auf wenige Betriebsstunden. Fraunhofer nennt dafür ein Beispiel mit nur 500 Volllaststunden im Jahr. Grüner Wasserstoff wird dadurch nicht allein durch die Produktion teuer, sondern durch seine geringe Nutzung im Kraftwerksbetrieb.
Industrie hat bessere Voraussetzungen
Für Industriebetriebe sieht die Rechnung günstiger aus. Bei gleichmäßiger Abnahme nennt Fraunhofer Bezugskosten von 4,41 bis 8,43 Euro je Kilogramm. Der Infrastrukturanteil liegt jedoch selbst im ungünstigen Fall bei höchstens 16 Prozent. Der Grund liegt in der höheren Auslastung.
Stahlwerke, Chemieanlagen oder Raffinerien können Wasserstoff häufiger und planbarer einsetzen. Deshalb verteilen sich Transport- und Speicherkosten auf größere Mengen. Noch günstiger wird es, wenn Unternehmen flexibel produzieren. Außerdem entfallen Transportkosten, wenn Elektrolyse direkt am Standort wirtschaftlich möglich ist.
Der Hochlauf bleibt schwach
Die Kostenfrage trifft auf einen Markt mit langsamem Ausbau. Das EWI meldete Ende Mai 2026 nur 181 Megawatt Elektrolysekapazität im Betrieb. Weitere 1.271 Megawatt haben jedoch eine finale Investitionsentscheidung oder befinden sich bereits im Bau. Das reicht nicht für die politischen Ausbauziele.
Für die Stromversorgung entsteht damit ein teurer Zielkonflikt. Wasserstoffkraftwerke sollen Versorgungslücken schließen, aber ihre Brennstoffkosten passen kaum zu wenigen Erlösstunden am Strommarkt. Deshalb dürften Kapazitätszahlungen, lokale Elektrolyse oder andere speicherbare Energieträger wichtiger werden. Grüner Wasserstoff bleibt für Reservekraftwerke nur tragfähig, wenn Politik und Regulierung die hohen Vorhaltekosten offen finanzieren.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Fraunhofer (30.06.26) – Telepolis (01.07.26) – Reuters (06.07.26) – Hydrogeninside (07.07.26) – dena (25.06.26)
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