Im norwegischen Brevik hat das CCS-Projekt von Heidelberg Materials seit dem Start im Juni 2025 seine zentrale Klimavorgabe klar verfehlt. Die Anlage sollte jährlich rund 400.000 Tonnen CO2 aus dem Zementwerk abscheiden und damit etwa die Hälfte der früheren Emissionen vermeiden. Tatsächlich sank der Ausstoß nach aktuellen Angaben jedoch nur um rund 15 Prozent. Technische Ausfälle, geringere Abscheidemengen und mutmaßlich undichte Abgasleitungen begrenzten den Betrieb. Zugleich liegt das Werk nahe an Wohnhäusern, weshalb Sicherheit bei Tanks, Leitungen und CO2-Transporten hohe Bedeutung hat.
CCS-Projekt sollte Zementindustrie klimafreundlicher machen
Heidelberg Materials eröffnete die Anlage in Brevik im Juni 2025 mit politischer Prominenz. Norwegens Kronprinz Haakon und Energieminister Terje Aasland nahmen an der Zeremonie teil. Außerdem präsentierte der Konzern den Standort als weltweit erstes großindustrielles Vorhaben dieser Art in einem Zementwerk.

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Die Technik setzt an einem zentralen Problem der Branche an. Zement verursacht nicht nur Energieemissionen, sondern auch chemische CO₂-Emissionen beim Brennen von Kalkstein. Deshalb reichen Strom aus erneuerbaren Quellen und Effizienzprogramme allein nicht aus.
Ausfälle mindern die Wirkung im laufenden Betrieb
Vor dem Umbau stieß das Werk nach Konzernangaben rund 800.000 Tonnen CO₂ pro Jahr aus. Die neue Anlage sollte davon etwa 400.000 Tonnen abscheiden. Tatsächlich erreichte das Werk im ersten Betriebsjahr jedoch nur einen deutlich kleineren Effekt.
Auch die Leistung pro Stunde blieb unter der Zielmarke. Geplant waren rund 50 Tonnen CO₂ je Stunde. Nach den vorliegenden Angaben lag die Anlage jedoch nur bei etwa 35 bis 38 Tonnen. Deshalb entstand eine große Lücke zwischen technischem Ziel und realer Bilanz.
Lecks und Stillstände belasten das Vorhaben
Der Abscheideturm lief nicht stabil durch. Im September und Dezember 2025 kam es zu Stillständen. Außerdem fiel die Anlage zwischen Februar und April 2026 rund zwei Monate aus.
Fachleute nennen mögliche Konstruktionsmängel und undichte Abgasleitungen als Ursachen. Zugleich verweist Heidelberg Materials auf die Hochlaufphase einer neuen Industrieanlage. Das CCS-Projekt zeigt damit früh, wie anspruchsvoll der Dauerbetrieb bleibt.
Sicherheit zählt neben der Klimabilanz
CO2 brennt nicht, kann jedoch in hoher Konzentration Sauerstoff verdrängen. Im September 2025 verlor ein Mitarbeiter das Bewusstsein, nachdem er den Kopf in einen vermeintlich leeren CO2-Tank gesteckt hatte. Heidelberg Materials stufte den Vorgang als Beinaheunfall ein.
Der Standort verstärkt die Relevanz solcher Ereignisse. Das Zementwerk grenzt an Wohnbebauung. Außerdem bewegen Leitungen, Tanks und Spezialschiffe große Mengen verflüssigtes CO₂ durch eine industrielle Transportkette.
Northern Lights macht Brevik für Europa wichtig
Das abgeschiedene CO2 gelangt per Schiff nach Øygarden an Norwegens Westküste. Von dort führt eine Pipeline zur Lagerung unter dem Meeresboden der Nordsee. Die Infrastruktur gehört zum norwegischen Longship-Programm.
Northern Lights startete 2025 mit der ersten Einlagerung aus Brevik. Die erste Ausbaustufe kann jährlich bis zu 1,5 Millionen Tonnen CO2 aufnehmen. Außerdem planen Equinor, Shell und TotalEnergies eine Erweiterung auf rund fünf Millionen Tonnen pro Jahr.
Europas CCS-Pläne hängen an belastbaren Ergebnissen
Viele europäische Zementwerke prüfen ähnliche Anlagen. Auch Deutschland gehört zu den möglichen Standorten. Deshalb schauen Industrie, Politik und Fördergeber genau auf die realen Betriebsdaten aus Norwegen.
Das CCS-Projekt liefert bisher ein gemischtes Signal. Die Technik kann CO2 aus Zementabgasen abscheiden und unter der Nordsee speichern. Jedoch entscheiden Verfügbarkeit, Kosten und Sicherheit darüber, ob daraus ein tragfähiges Modell für die Industrie entsteht.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: AD HOC NEWS (10.06.26) – ntv (10.06.26) – IEAGHG (13.05.26) – Börse Express (10.06.26)
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