Solarfeld Erlasee wird zurückgebaut – selbst nach 20 Jahren ist der Weiterbetrieb nicht wirtschaftlich

Ein Kommentar unseres Autors Klaus Bastian:

Im bayerischen Arnstein läuft 2026 der Rückbau großer Teile des Solarfelds Erlasee, das einst als weltgrößter Photovoltaikpark galt. Betroffen sind sogenannte Mover, also motorisch zweiachsig nachgeführte Solareinheiten, deren Module dem Sonnenstand folgen. Auslöser ist bei mehreren Anlagen das Ende ihrer rund 20-jährigen EEG-Vergütungszeiträume. Gleichzeitig erhöhen Alter, Wartung und die aufwendige Mechanik die laufenden Kosten. Einzelne Eigentümer erklären deshalb, dass sich der Weiterbetrieb nach Förderende für sie nicht mehr rechnet. Allerdings verschwinden nicht alle Anlagen gleichzeitig, denn mindestens einzelne Mover laufen noch bis Ende 2026. Luftbilder vom Mai dokumentieren dennoch einen bereits weit fortgeschrittenen Rückbau.

Das Solarfeld Erlasee wird nach rund 20 Jahren zurückgebaut. Ohne die alte EEG-Vergütung ist der Weiterbetrieb nicht mehr attraktiv
Das Solarfeld Erlasee wird nach rund 20 Jahren zurückgebaut. Ohne die alte EEG-Vergütung ist der Weiterbetrieb nicht mehr attraktiv
Bild: Rainer Lippert, Public domain, via Wikimedia Commons

Solarfeld Erlasee bekam mehr als 40 Cent je Kilowattstunde

Die wirtschaftliche Ausgangslage war beim Bau außergewöhnlich. Freiflächenanlagen aus dem Jahr 2005 erhielten nach dem damaligen EEG 43,42 Cent je Kilowattstunde. Für 2006 sank der Satz auf 40,60 Cent. Außerdem galt die Vergütung grundsätzlich für 20 Jahre zuzüglich des Inbetriebnahmejahres. Damit konnten Investoren ihre Erlöse langfristig kalkulieren, während Börsenpreise für die Einnahmen kaum entscheidend waren.

Das Solarfeld Erlasee erreichte rund 11,4 Megawatt Leistung und umfasste 1.464 Mover. Die Anlage erzeugte nach veröffentlichten Angaben etwa 14 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Dennoch lässt sich daraus keine belastbare Gesamtsumme der tatsächlich geflossenen EEG-Zahlungen ableiten. Dafür fehlen vollständige Abrechnungen sämtlicher Eigentümer und Anlagenteile. Eine pauschale Summe angeblicher „Subventionen“ wäre deshalb nicht seriös belegbar.


Nach 20 Jahren fällt die hohe Erlösabsicherung weg

Der Abstand zwischen alter Vergütung und späteren Marktwerten war erheblich. Der tatsächliche Jahresmarktwert von Solarstrom lag 2015 bei 3,171 Cent und 2020 bei 2,879 Cent je Kilowattstunde. Selbst während der Energiekrise 2022 erreichte er mit 20,806 Cent nur etwa die Hälfte des alten Erlasee-Satzes. Deshalb war der wirtschaftliche Erfolg des Parks nicht mit einer Wettbewerbsfähigkeit zu normalen Marktpreisen gleichzusetzen. Das EEG sicherte Erlöse ab, die der Strommarkt in diesen Vergleichsjahren nicht annähernd erreichte.

Gerade nach 20 Jahren fällt dieser Unterschied besonders auf. Ein Betreiber berichtete bereits 2025, Bayernwerk habe für den Weiterbetrieb maximal zehn Cent je Kilowattstunde genannt. Zusammen mit Pacht und Service rechne sich das für seine Anlagen nicht mehr. Im März 2026 berichtete ein weiterer Eigentümer zudem von technischen Defekten an der Nachführung seines Movers. Gleichzeitig beschrieb er den Rückbau nach einem Besuch vor Ort bereits als weit fortgeschritten. Diese Betreiberangaben gelten nicht automatisch für den gesamten Park, dokumentieren jedoch konkrete Gründe für den Ausstieg einzelner Eigentümer. Photovoltaikforum


Rückbau läuft – einzelne Mover produzieren noch

Der aktuelle Stand widerlegt allerdings die verkürzte Darstellung, der komplette Park sei nach exakt 20 Jahren auf einen Schlag verschwunden. Professionelle Luftaufnahmen vom 3. Mai 2026 zeigen großflächige Demontagearbeiten und bezeichnen Erlasee ausdrücklich als „im Rückbau“. Gleichzeitig führte das Marktstammdatenregister einzelne Mover im Mai weiterhin als aktiv. Außerdem erklärte ein Betreiber im März, eine seiner Einheiten laufe noch bis zum 31. Dezember 2026. Der Rückbau folgt deshalb unterschiedlichen Inbetriebnahme- und Vertragszeiträumen.

Damit bleibt jedoch der wirtschaftliche Kern des Falls bestehen. Nach zwei Jahrzehnten stehen Fläche, Netzanschluss und wesentliche Infrastruktur bereits zur Verfügung. Trotzdem entscheiden sich Eigentümer nach Ende der hohen Vergütung gegen den Weiterbetrieb. Gleichzeitig lag der amtliche Marktwert von Solarstrom im August 2026 bei nur 6,359 Cent je Kilowattstunde und damit 50 Prozent unter dem allgemeinen Spotmarktpreis. Zudem entstanden 21 Prozent der Solarstromeinspeisung dieses Monats während negativer Preise. Das Solarfeld Erlasee zeigt deshalb besonders deutlich den Unterschied zwischen Rentabilität unter langfristig garantierten Vergütungen und Wirtschaftlichkeit unter heutigen Marktbedingungen.

Neue Solarprojekte erhalten weiterhin abgesicherte Erlöse

Auch heute kommt der Ausbau großer Freiflächenanlagen nicht ohne einen staatlich organisierten Fördermechanismus aus. Bei der Ausschreibung vom Juli 2026 lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 4,79 Cent je Kilowattstunde. Die Bundesnetzagentur vergab Zuschläge für rund 2,135 Gigawatt neuer Leistung. Allerdings sind heutige Anlagen wesentlich günstiger und leistungsfähiger als die Technik aus Erlasee. Ein direkter Vergleich der notwendigen Förderhöhe sagt deshalb nichts über identische Erzeugungskosten aus.

Für Erlasee selbst gibt es derzeit keinen belastbaren Nachweis für einen beschlossenen neuen Solarpark mit neuer EEG-Förderung. Deshalb wäre die Behauptung „alte Anlage weg, neue Subvention folgt“ bislang Spekulation. Der dokumentierte Befund ist bereits deutlich genug. Teile des einst weltgrößten Solarparks werden nach rund 20 Jahren zurückgebaut, während einzelne Einheiten bis Ende 2026 weiterlaufen. Für mehrere Eigentümer reicht die wirtschaftliche Perspektive nach Ende der ursprünglichen EEG-Konditionen offenbar nicht für den Weiterbetrieb. Gerade nach zwei Jahrzehnten, in denen die ursprüngliche Investition längst einen großen Teil ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer hinter sich hat, ist dieser Rückbau der bemerkenswerteste Befund des Projekts.

Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Quellen: Sciencefiles (25.09.26) – Bundesnetzagentur (18.08.26) – Fly-Foto (03.05.26)

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