Taiwan bereitet die Rückkehr zur Kernkraft vor. Die Nuclear Safety Commission hat am 24. September den Wiederanlaufplan für das stillgelegte Kernkraftwerk Maanshan im Landkreis Pingtung gebilligt. Damit kann Betreiber Taipower die technischen Arbeiten für einen möglichen Neustart des Reaktors fortsetzen. Hintergrund sind die hohe Importabhängigkeit des Landes, steigender Strombedarf und wachsende Sorgen um die Versorgungssicherheit. Allerdings dürfen die beiden Reaktoren noch nicht ans Netz. Taipower muss zunächst Alterung, Erdbebensicherheit und weitere sicherheitsrelevante Systeme prüfen. Ein Neustart gilt deshalb frühestens 2028 als möglich.

Bild: Shutterstock
Kernkraft bekommt in Taiwans Energiepolitik wieder eine Perspektive
Maanshan war Taiwans letztes kommerziell betriebenes Kernkraftwerk. Die Betriebserlaubnis von Block 1 endete im Juli 2024, während Block 2 im Mai 2025 vom Netz ging. Damit erzeugte Taiwan zunächst keinen Atomstrom mehr. Die Anlage befindet sich jedoch weiterhin in einem Zustand, der einen technisch geprüften Wiederanlauf der Reaktoren grundsätzlich ermöglicht.
Der energiepolitische Kurs hat sich inzwischen deutlich verändert. Das Wirtschaftsministerium erklärte im Mai, steigender Strombedarf durch Industrie und künstliche Intelligenz erfordere eine breitere Prüfung aller verfügbaren Optionen. Deshalb betrachtet die Regierung inzwischen auch Kernkraft wieder als mögliche Quelle für Versorgungssicherheit und Netzstabilität. Einen automatischen Neustart gibt es dennoch nicht. Sicherheit, Rechtslage und Genehmigungsverfahren bleiben Voraussetzung.
Energieimporte machen Taiwan besonders verwundbar
Taiwans Stromversorgung hängt stark von importierten Brennstoffen ab. Im Jahr 2025 stammten 47,7 Prozent der Stromerzeugung aus Erdgas und weitere 35,3 Prozent aus Kohle. Kernenergie lieferte dagegen nur noch 1,1 Prozent. Deshalb spielen Lieferwege für LNG und Kohle für die Insel eine zentrale Rolle.
Diese Abhängigkeit hat zusätzlich eine geopolitische Dimension. Taiwan bezieht große Mengen seiner Energieträger über den Seeweg. Das Wirtschaftsministerium versucht deshalb, LNG-Lieferländer breiter zu streuen und langfristige Verträge auszubauen. Gleichzeitig hat die Regierung bei internationalen Krisen bereits zusätzliche Kohlekraftwerke für die Versorgungssicherheit herangezogen. Ein wieder verfügbares Kernkraftwerk würde deshalb die Struktur des Stromsystems erweitern, beseitigt die Importabhängigkeit jedoch nicht vollständig.
Sicherheitsprüfungen entscheiden über den Neustart
Die Entscheidung vom 24. September ist noch keine Betriebsgenehmigung. Taipower muss den genehmigten Wiederanlaufplan umsetzen und anschließend einen Ergebnisbericht vorlegen. Außerdem verlangt die Atomaufsicht Bewertungen zur Alterung der Anlage, zum Strahlenschutz und zur Erdbebensicherheit. Erst danach folgen weitere Prüfungen vor einer möglichen neuen Betriebserlaubnis.
Damit markiert die Entscheidung dennoch einen deutlichen Wandel. Taiwan hatte seine kommerzielle Kernstromproduktion erst 2025 vollständig beendet. Nun schafft die Regierung wieder einen konkreten Weg für die Kernkraft. Ob Maanshan tatsächlich 2028 Strom liefert, hängt jedoch vom Zustand der beiden Blöcke und den Ergebnissen der Sicherheitsprüfung ab. Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin erklärte bereits im März, dass der Zeitplan vor allem davon abhänge, wie viele Komponenten ausgetauscht werden müssen.
Verfasser: Blackoiut News
Verwendete Quellen: Nuclear Safty Commission Taiwan (24.09.26) – Central News Agency (24.09.26) – Bloomberg (25.09.26)
Lesen Sie auch:
- Taiwan will abgeschaltetes Kernkraftwerke Maanshan wieder in Betrieb nehmen
- Versorgungssicherheit vor Abschaltplan: Spanien verschiebt Atomausstieg in Almaraz bis 2030
- Belgien rückt vom Atomausstieg ab und stoppt den Rückbau seiner Atomkraftwerke
- IEA-Chef Birol nennt den deutschen Atomausstieg „historischen Fehler“
