Windkraft-Ausbau in Bayern stockt – acht geplante Windräder ausgebremst

Im Landkreis Freising geraten im Oktober 2026 acht geplante Windkraftanlagen ins Stocken, weil die Förderung für neue Windräder deutlich gesunken ist. Betroffen sind jeweils vier Anlagen in Allershausen und Fahrenzhausen. Obwohl das Projekt in Fahrenzhausen bereits genehmigt ist, verzichten die Planer vorerst auf eine Teilnahme an den bundesweiten Ausschreibungen. Der durchschnittliche Zuschlagswert fiel innerhalb von zwei Jahren von 7,33 auf 4,79 Cent je Kilowattstunde. Damit verschlechtern sich die wirtschaftlichen Aussichten für Windkraftanlagen in Süddeutschland erheblich. Der Windkraft-Ausbau verzögert sich deshalb trotz jahrelanger Planungen und bereits angefallener Projektkosten.

Sinkende Förderung bremst den Windkraft-Ausbau in Bayern. Acht geplante Windräder liegen auf Eis – trotz bereits erteilter Genehmigungen
Sinkende Förderung bremst den Windkraft-Ausbau in Bayern. Acht geplante Windräder liegen auf Eis – trotz bereits erteilter Genehmigungen
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Sinkende Förderung macht Windkraftprojekte in Bayern unwirtschaftlich

Bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur im August 2026 konkurrierten Gebote über 5250 Megawatt um lediglich 2520 Megawatt ausgeschriebene Leistung. Die Behörde erteilte schließlich 237 Zuschläge für rund 2523 Megawatt. Der durchschnittliche Zuschlagswert sank dabei auf 4,79 Cent je Kilowattstunde. Noch im Mai 2026 lag er bei 5,06 Cent. Besonders erfolgreich waren Projekte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Für Windkraftanlagen in Bayern verschärft dieser Preisverfall die wirtschaftlichen Probleme. Denn süddeutsche Standorte erzielen häufig geringere Stromerträge als windreiche Regionen im Norden. Gleichzeitig verursachen Waldstandorte und schwierige Zufahrten zusätzliche Baukosten. Die bundesweiten Ausschreibungen berücksichtigen diese Unterschiede aus Sicht der betroffenen Projektentwickler nicht ausreichend. Deshalb können selbst weitgehend fertig geplante Windparks wirtschaftlich scheitern.


Windkraft-Ausbau in Allershausen vorerst gestoppt

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen in Allershausen. Dort wollte die Bürger-Energiegenossenschaft Freisinger Land vier Anlagen im Waldgebiet Schwarzhölzl errichten. Das Vorhaben befand sich bereits in einem fortgeschrittenen Planungsstadium. Allerdings erschwerten zahlreiche Grundstückseigentümer die Sicherung der notwendigen Zufahrten. Inzwischen ruht das Projekt auf unbestimmte Zeit, weil zusätzlich die wirtschaftliche Grundlage fehlt.

Anders stellt sich die Genehmigungslage in Fahrenzhausen dar. Das Ingenieurbüro Sing plant dort gemeinsam mit der Gemeinde vier Anlagen westlich von Jarzt und Appercha. Die Windräder sollen jeweils rund 262 Meter hoch werden und eine Leistung von etwa sieben Megawatt erreichen. Bei geschätzten Investitionskosten von neun bis zehn Millionen Euro je Anlage geht es um ein Projektvolumen von 36 bis 40 Millionen Euro. Obwohl die Genehmigungen vorliegen, verzichteten die Verantwortlichen auf die Ausschreibung im August. Projektleiterin Maria Burghardt rechnete angesichts der niedrigen Gebotspreise nicht mit einem wirtschaftlich tragfähigen Zuschlag.

Genehmigte Anlagen warten auf politische Entscheidungen

Die Projektentwickler setzen deshalb auf Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2027. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Leon Eckert fordern Sonderregelungen für süddeutsche Standorte. Eine mögliche Lösung wäre eine sogenannte Südquote. Sie könnte einen Teil der Ausschreibungsmenge für Anlagen in Süddeutschland reservieren. Allerdings würde eine solche Bevorzugung weniger ertragreicher Standorte möglicherweise höhere Förderkosten verursachen.

Die Planer begründen ihre Forderung mit den regionalen Unterschieden im Stromsystem. Während Netzbetreiber im Norden bei hoher Einspeisung Windkraftanlagen teilweise abregeln müssen, benötigt Süddeutschland zusätzliche gesicherte Erzeugungskapazitäten. Mehr Windkraft im Süden könnte bestimmte Netzengpässe verringern. Allerdings liefern auch zusätzliche Anlagen bei längeren windarmen Wetterlagen kaum Strom. Deshalb ersetzen Windräder weder regelbare Kraftwerke noch die notwendige Netzinfrastruktur.


Millioneninvestitionen bleiben vorerst ohne gesicherte Erträge

Nicht sämtliche Windkraftprojekte im Landkreis Freising liegen still. Für Anlagen in Hohenkammer und Jesenwang laufen bereits Bauvorbereitungen, weil die Betreiber frühzeitig Zuschläge erhalten hatten. Auch beim Windpark Ampertal mit Anlagen in Fahrenzhausen und Kranzberg treiben die Verantwortlichen Vorbereitungen voran. Dort haben Bürger nach Angaben des Projektentwicklers bereits rund 1,2 Millionen Euro als Nachrangdarlehen eingebracht. Ein wirtschaftlich tragfähiger EEG-Zuschlag bleibt jedoch Voraussetzung für die weitere Umsetzung. Eine Inbetriebnahme Ende 2027 gilt als möglich.

Der Fall Freising verdeutlicht damit einen grundlegenden Widerspruch beim Windkraft-Ausbau. Die Politik fordert zusätzliche Anlagen, während der Ausschreibungswettbewerb gerade windschwächere Standorte benachteiligt. Eine Südquote könnte Investitionen ermöglichen, würde jedoch den Wettbewerb um die günstigsten Standorte einschränken. Letztlich müssten die zusätzlichen Förderkosten finanziert werden. Ohne Änderungen drohen weitere Verzögerungen. Mit regionalen Sonderregelungen könnte dagegen der finanzielle Aufwand für den Windkraft-Ausbau steigen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Gemeinde Fahrenzhausen (12.10.26) – Süddeutsche Zeitung (07.10.26) – Merkur (20.09.26)

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