Blackout-Gefahr in den USA: Regierung ordnet Notmaßnahmen im Stromnetz an

Die US-Regierung hat am 12. Oktober 2026 wegen drohender Versorgungsengpässe Notmaßnahmen für das Stromnetz im Osten der USA angeordnet. Energieminister Chris Wright reagierte damit auf ungewöhnlich hohen Stromverbrauch, zahlreiche Kraftwerksstillstände und Einschränkungen im Übertragungsnetz. Die Blackout-Gefahr betraf insbesondere die Regionen um Washington, Baltimore und Teile Virginias. Der Netzbetreiber PJM erhielt deshalb Sonderbefugnisse zum Betrieb zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten und zur Aktivierung von Notstromanlagen. Die Anordnung gilt vom 13. bis 16. Oktober und soll ungeplante Stromabschaltungen verhindern. Am 14. Oktober meldete PJM allerdings bereits eine Entspannung für die folgenden Tage.

Blackout-Gefahr in den USA: Die Regierung erlaubt Notbetrieb von Kraftwerken und Dieselgeneratoren, um Stromausfälle zu verhindern
Blackout-Gefahr in den USA: Die Regierung erlaubt Notbetrieb von Kraftwerken und Dieselgeneratoren, um Stromausfälle zu verhindern
Bild: Shutterstock

Blackout-Gefahr durch fehlende Kraftwerkskapazitäten und hohe Stromnachfrage

Besonders kritisch war die Lage am 14. Oktober. Nach den ursprünglichen Berechnungen des Netzbetreibers hätte die verfügbare Reserve auf lediglich 900 Megawatt sinken können. Gleichzeitig rechnete PJM mit Kraftwerksausfällen von insgesamt 61.591 Megawatt. Allerdings handelte es sich überwiegend um geplante Wartungsstillstände und nicht um unvorhergesehene technische Defekte. Die Stromnachfrage erreichte wegen ungewöhnlich hoher Herbsttemperaturen ein Niveau, das sonst eher für den Sommer typisch ist.

PJM versorgt ganz oder teilweise 13 US-Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington mit Strom. Der Netzbetreiber erwartete für den 14. Oktober eine Spitzenlast von rund 113.300 Megawatt. Besonders angespannt war die Situation in den Versorgungsgebieten von Baltimore Gas and Electric, Pepco und Dominion Energy. Außerdem erschwerten Engpässe auf wichtigen Hochspannungsleitungen den Stromtransport zwischen einzelnen Regionen. Damit konnte verfügbare Erzeugungsleistung nicht überall uneingeschränkt genutzt werden.


US-Regierung erlaubt Kraftwerksbetrieb außerhalb regulärer Grenzen

Die Notverfügung mit der Nummer 202-26-50 stützt sich auf Abschnitt 202(c) des Federal Power Act. Diese Vorschrift erlaubt dem Energieminister außergewöhnliche Eingriffe zur Sicherung der Stromversorgung. Deshalb darf PJM bestimmte Kraftwerke bei Bedarf auch über normalerweise geltende Betriebsgrenzen hinaus einsetzen. Dazu gehören zeitlich begrenzte Ausnahmen von umweltrechtlichen Betriebsvorgaben. Der Netzbetreiber hatte die Sondergenehmigung bereits am 11. Oktober beantragt.

Außerdem darf PJM große Stromverbraucher zur Nutzung eigener Notstromanlagen verpflichten. Diese Möglichkeit betrifft insbesondere Rechenzentren, Industrieunternehmen und andere Großverbraucher. Als Reserve kommen unter anderem Dieselgeneratoren, Batteriespeicher und weitere dezentrale Anlagen infrage. Allerdings ist ihr Einsatz erst als letztes Mittel unmittelbar vor oder während der höchsten Stromnotfallstufe EEA 3 vorgesehen. Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber müssen die Maßnahmen bei Bedarf unterstützen. Nach Angaben des Energieministeriums existieren landesweit mehr als 35 Gigawatt bislang ungenutzter Notstromkapazitäten.


Netzbetreiber aktiviert Lastmanagement und holt Kraftwerke zurück

Die Blackout-Gefahr veranlasste PJM bereits am 13. und 14. Oktober zu zusätzlichen Eingriffen. Der Netzbetreiber verlängerte seine Warnungen vor knappen Erzeugungsreserven und aktivierte Programme zur Verbrauchsreduzierung. Teilnehmende Großkunden mussten deshalb ihre Stromabnahme zeitweise senken. Gleichzeitig rief PJM geplante Wartungsstillstände zurück und schränkte bestimmte Stromlieferungen an benachbarte Netzregionen ein. Besonders die Nachmittags- und Abendstunden erforderten zusätzliche Reserven, weil die Solarstromproduktion mit Sonnenuntergang zurückging.

Am 14. Oktober änderte sich allerdings die Einschätzung des Netzbetreibers. PJM erklärte, dass die zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten am 15. und 16. Oktober voraussichtlich nicht mehr benötigt würden. Die Notverfügung bleibt dennoch bis zum vorgesehenen Ablauf bestehen. Der Vorgang verdeutlicht zugleich die wachsenden Schwierigkeiten bei der Abstimmung von Wartungsarbeiten und Stromnachfrage. Hinzu kommt der steigende Verbrauch durch neue Rechenzentren und andere Großverbraucher. Nach einem aktuellen Reuters-Bericht plant PJM deshalb Netzinvestitionen von rund 12,2 Milliarden Dollar. Der Ausbau soll insbesondere die Versorgungssicherheit verbessern und bestehende Netzengpässe reduzieren.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: US Department of Energy (12.10.26) – PJM (14.10.26) – Reuters (13.10.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen