Atomkraft in Italien: Senat ebnet Weg für neue Reaktoren ab 2033

Italien stellt knapp 40 Jahre nach dem Ende seiner eigenen Kernstromproduktion die Weichen für einen Neustart. Der Senat in Rom billigte am 23. September 2026 das Gesetz zur Atomkraft in Italien mit 81 zu 51 Stimmen und sieben Enthaltungen. Die Regierung von Giorgia Meloni erhält damit den Auftrag, binnen zwölf Monaten die nötigen Ausführungsregeln zu schaffen. Allerdings genehmigt das Gesetz noch keinen Reaktor. Hohe Investitionen, ungeklärte Standorte und die Entsorgung radioaktiver Abfälle bleiben wesentliche Hürden.

Die Atomkraft kehrt in Italien auf die politische Agenda zurück. Regierung setzt auf neue Reaktoren, um Importe zu senken
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Italien setzt auf kleinere und neue Reaktorkonzepte

Nach der Katastrophe von Tschernobyl stimmten die Italiener 1987 gegen zentrale Grundlagen des damaligen Atomprogramms. Danach gingen die verbliebenen Reaktoren schrittweise vom Netz. Dennoch scheiterte 2011 auch ein politischer Versuch zur Rückkehr nach einem weiteren Referendum. Italien produziert deshalb seit Jahrzehnten keinen eigenen Atomstrom mehr.

Die Regierung setzt diesmal vor allem auf kleinere und fortgeschrittene Reaktorkonzepte. Dazu zählen Small Modular Reactors und Advanced Modular Reactors. Dabei legt das Gesetz noch keine einzelne Technologie für künftige Projekte verbindlich fest. Energieminister Gilberto Pichetto Fratin nennt 2033 bis 2034 als möglichen Startzeitraum erster Anlagen, nicht als gesetzliche Frist.


Atomkraft soll in Italien die Importabhängigkeit senken

Italien importiert große Mengen Energie und bezieht außerdem Strom aus Kernkraftwerken benachbarter Länder. Deshalb begründet die Regierung ihren Kurs mit Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und geringerer Abhängigkeit von Importen. Atomkraft könnte in Italien nach Regierungsplänen langfristig mindestens elf Prozent des Energiemixes erreichen. Der nationale Energie- und Klimaplan nennt sogar bis zu 22 Prozent.

Rom verbindet den Neustart zudem mit wirtschaftlichen Erwartungen. Bei mindestens elf Prozent Kernenergie kalkuliert die Regierung bis 2050 mit rund 17 Milliarden Euro niedrigeren Dekarbonisierungskosten. Jedoch handelt es sich um eine Modellrechnung und nicht um bereits erzielte Einsparungen. Zugleich fehlen kommerziell breit erprobte SMR-Projekte in Europa, während Italien noch kein dauerhaftes nationales Endlager besitzt.


Standorte, Aufsicht und Atommüll bleiben offen

Die eigentliche Arbeit beginnt deshalb erst nach dem Parlamentsbeschluss. Die Regierung muss Regeln für Genehmigungen, Sicherheit, Standorte, Brennstoff, Rückbau und radioaktive Abfälle ausarbeiten. Atomkraft bleibt in Italien damit vorerst ein gesetzlich vorbereiteter Neustart ohne genehmigtes Neubauprojekt. Außerdem sieht der Rahmen eine unabhängige Aufsichtsstruktur für die nukleare Sicherheit vor.

Politisch bleibt der Kurs umstritten. Während die Regierung Kernenergie als Ergänzung zu erneuerbaren Energien betrachtet, kritisieren Oppositionsparteien Kosten, Flächenbedarf und lange Realisierungszeiten. Umfragen vom Juni 2026 zeigen dennoch eine knappe Mehrheit für eine Rückkehr moderner Kerntechnik. Die Zustimmung sinkt jedoch deutlich, wenn ein Kraftwerk in der Nähe des eigenen Wohnorts entstehen soll.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Corriere della Sera (25.09.26) – Nuclear Newswire (25.09.26) – Rainews (24.09.26) – Reuters (23.09.26)

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