In Deutschland bereitet die Bundesnetzagentur eine Reform der Stromnetzentgelte vor, die ab 2029 viele Solar-Haushalte mit größeren Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern finanziell treffen könnte. Hintergrund sind hohe Fixkosten für Ausbau, Betrieb und Stabilisierung der Stromnetze, die bisher vor allem über den Strombezug verteilt werden. Haushalte mit Solaranlage senken ihren Netzbezug durch Eigenverbrauch, nutzen das Netz jedoch weiter für Reststrom und Einspeisung. Kleine Balkonkraftwerke sollen jedoch ausgenommen bleiben. Für betroffene Hausbesitzer könnten höhere feste Netzgebühren die Wirtschaftlichkeit privater Solarinvestitionen verschlechtern (focus: 28.05.26).
Warum Solar-Haushalte stärker an Netzkosten beteiligt werden sollen
Die Reform läuft unter dem Namen AgNes. Sie soll die Verteilung der Netzkosten neu ordnen. Haushalte mit Photovoltaikanlage speisen überschüssigen Solarstrom ins Netz ein. Dennoch greifen sie in Zeiten geringer Erzeugung auf das öffentliche Netz zurück.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur entstehen für die Stromnetze jährlich Kosten von rund 37 Milliarden Euro. Deshalb prüft die Behörde, wie fixe Netzkosten breiter verteilt werden können. Netzentgelte bilden außerdem einen erheblichen Bestandteil des Strompreises. Für Solar-Haushalte könnte daraus ein höherer Grundpreis entstehen.
Höhere Grundpreise verschieben die Solarkalkulation
Die möglichen Zusatzkosten sollen nach bisherigen Einschätzungen häufig unter 100 Euro pro Jahr liegen. Dennoch kann auch ein begrenzter Aufschlag die Amortisation verändern. Viele Hausbesitzer kalkulieren Anlagen, Speicher und Eigenverbrauch über lange Zeiträume. Deshalb zählt jede wiederkehrende Belastung in der Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Christof Wittwer vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme sieht die Reform kritisch. Er warnt: „Die Ausbauziele, und damit die rechtzeitige Transformation des Energiesystems, sind in Gefahr.“ Außerdem rechnet er mit weniger privaten Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern. Damit könnte der dezentrale Ausbau langsamer vorankommen.
Fachleute sehen Reformbedarf im veränderten Stromsystem
Andere Experten halten eine Neuordnung jedoch für sachlich begründet. Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung verweist auf Regeln, die aus einer anderen Stromwelt stammen. Früher dominierten große Kraftwerke und planbare Stromflüsse. Heute erzeugen Millionen kleiner Anlagen Strom direkt vor Ort.
Zugleich steigt der Strombedarf durch Elektroautos und Wärmepumpen. Dadurch entstehen neue Belastungen in den Verteilnetzen. Auch dynamische Netzentgelte gehören zu den diskutierten Modellen. Verbraucher könnten dann weniger zahlen, wenn sie Strom zu netzdienlichen Zeiten nutzen.
Entscheidung über neue Netzentgelte fällt Ende 2026
Christian Rehtanz von der TU Dortmund mahnt jedoch zur Vorsicht bei dynamischen Tarifen. Er sagt: „Dynamische Netzentgelte sind eine sehr komplexe Angelegenheit.“ Damit verweist er auf technische Anforderungen und mögliche Verteilungswirkungen. Wer seinen Verbrauch kaum verschieben kann, hätte nur begrenzte Vorteile.
Die Bundesnetzagentur will im Sommer 2026 einen konkreten Entwurf vorlegen. Die endgültige Fassung soll Ende 2026 feststehen. Kurzfristig ändert sich deshalb für Stromkunden noch nichts. Für Solar-Haushalte mit größeren Anlagen bleibt jedoch offen, wie stark feste Netzgebühren ab 2029 steigen.
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