Riad – Saudi Aramco streicht im Oktober offenbar die vertraglichen Öllieferungen nach Europa. Mindestens zwei europäische Raffineriekunden erhielten bereits eine Nullzuteilung für den kommenden Monat. Nach Bloomberg soll die Entscheidung jedoch sämtliche europäischen Vertragskunden betreffen. Auslöser ist der schwere Drohnenangriff auf die saudische East-West-Pipeline zum Roten Meer. Damit fällt ausgerechnet jene Route aus, die Saudi-Arabien unabhängiger von der Straße von Hormus machen sollte. Europas Raffinerien müssen deshalb kurzfristig teureren Ersatz beschaffen. Das dürfte die ohnehin hohen Beschaffungskosten weiter erhöhen und zusätzlichen Aufwärtsdruck auf Benzin-, Diesel- und andere Kraftstoffpreise ausüben. Saudi Aramco hat die vollständige Aussetzung bisher nicht öffentlich bestätigt.

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Öllieferungen nach Europa fallen nach Angriff auf wichtige Pipeline aus
Die rund 1.200 Kilometer lange East-West-Pipeline verbindet die Förderregionen am Persischen Golf mit Yanbu am Roten Meer. Über diese Leitung liefen zuletzt täglich etwa 2,6 bis vier Millionen Barrel Rohöl. Deshalb hatte sie sich zu einer zentralen Ausweichroute für den zunehmend unsicheren Persischen Golf entwickelt. Ihr Ausfall trifft nun genau jene Lieferstruktur, auf die europäische Raffinerien zuletzt verstärkt angewiesen waren.
Saudi-Arabien versucht inzwischen, mehr Rohöl wieder durch die Straße von Hormus zu transportieren. Außerdem nutzt Aramco aufwendige Umladungen vor Oman. Doch diese Logistik kostet erheblich mehr Geld. Reuters beziffert allein die Transportkosten auf einzelnen Umleitungsrouten inzwischen auf mehr als 30 Dollar je Barrel. Die zusätzliche Logistik verteuert deshalb Öl, selbst wenn genügend Rohöl vorhanden bleibt.
Europas Raffinerien müssen verlorene Vertragsmengen ersetzen
Besonders deutlich zeigt sich das Problem beim polnischen Energiekonzern Orlen. Rund 40 Prozent seines Rohöls kamen zuletzt von Saudi Aramco. Nach den Lieferausfällen kaufte das Unternehmen deshalb kurzfristig zusätzliche Ladungen aus anderen Förderregionen. Insgesamt sicherte Orlen 16 zusätzliche Tankerladungen, um seine Raffinerien weiter versorgen zu können.
Genau darin liegt die Schwachstelle der europäischen Versorgung. Langfristige Lieferverträge sollen Preise und Mengen kalkulierbarer machen. Fallen diese Mengen plötzlich weg, müssen Unternehmen jedoch auf den Spotmarkt ausweichen. Dort konkurrieren sie mit Käufern aus anderen Regionen um dieselben verfügbaren Barrel. Der Ausfall der saudischen Öllieferungen nach Europa verlagert das Risiko damit direkt auf Raffinerien und Verbraucher.
Tankermangel macht Ersatzöl zusätzlich teuer
Hinzu kommt inzwischen ein weltweiter Mangel an verfügbaren Großtankern. Laut Bloomberg verteuert dieser Engpass vor allem Öltransporte über lange Distanzen. Manche Lieferungen rechnen sich dadurch kaum noch. Europas Möglichkeit, saudisches Öl einfach durch weit entfernte Lieferanten zu ersetzen, wird deshalb ebenfalls teurer.
Dabei trifft die Störung auf einen ohnehin angespannten europäischen Kraftstoffmarkt. Reuters erwartet für Europa im vierten Quartal ein Defizit bei Flugturbinenkraftstoff von rund 510.000 Barrel täglich. Außerdem befinden sich die entsprechenden Lagerbestände im Raum Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen auf dem niedrigsten Niveau seit sieben Jahren. Zusätzliche Störungen bei Rohöl und Raffinerieprodukten treffen Europa deshalb zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Ölpreis fällt – das strukturelle Problem bleibt
Kurzfristig hat sich die Lage am Rohölmarkt dennoch etwas beruhigt. Saudi-Arabiens Exporte stiegen im September wieder auf mehr als vier Millionen Barrel täglich. Im August waren es lediglich rund 2,4 Millionen Barrel. Deshalb fiel Brent am 21. September zeitweise wieder in Richtung 102 Dollar je Barrel.
Der niedrigere Marktpreis beseitigt Europas Problem jedoch nicht. Die vertraglichen Öllieferungen nach Europa sollen nach bisherigem Stand im Oktober ausfallen. Gleichzeitig werden Ersatztransporte länger, komplizierter und teurer. Europas Energieversorgung hängt dadurch erneut davon ab, dass kurzfristig genügend Öl auf dem Weltmarkt verfügbar bleibt und alternative Transportwege funktionieren.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen:
https://www.reuters.com/world/middle-east/vessels-trickle-through-strait-hormuz-mideast-tension-persists-2026-09-21/
https://apnews.com/article/saudi-pipeline-oil-iran-war-efa431e2fa771e34880c8453c62ffb92
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