Weltweit haben Reeder im ersten Halbjahr 2026 bereits 261 neue Öltanker bestellt, mehr als im gesamten Vorjahr. Insgesamt stehen über 600 Schiffe in den Auftragsbüchern, während es Ende 2023 nur 80 waren. Störungen an der Straße von Hormus und hohe Charterraten treiben den Bestellboom. Viele neue Tanker kommen jedoch erst in einigen Jahren auf den Markt.
Öltanker-Boom lässt Gebrauchtpreise über den Wert neuer Tanker steigen
Die Kämpfe am Persischen Golf haben den Verkehr durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt. Zuletzt passierten nur wenige Frachtschiffe die Meerenge, während große Rohöl- und Flüssiggastanker ausblieben. Vor der Eskalation kostete ein Supertanker weniger als 50.000 Dollar Charter pro Tag. Danach stieg die Spitzenrate zeitweise auf 424.000 Dollar.

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Sofort verfügbare Schiffe erzielen deshalb ungewöhnlich hohe Preise. Ein rund fünf Jahre alter Supertanker kostet derzeit etwa 172 Millionen Dollar. Ein vergleichbarer Neubau liegt dagegen bei rund 132 Millionen Dollar. Käufer akzeptieren den Aufschlag, weil Werften neue Schiffe oft erst nach mehreren Jahren liefern.
Supertanker prägen den historischen Bestellboom
Fast zwei Drittel der neuen Aufträge entfallen auf Very Large Crude Carriers, kurz VLCC. Sie bilden die größte Klasse der Rohöltanker. Allein im ersten Halbjahr orderten Reeder 261 Schiffe, während es 2025 insgesamt 185 waren. Die bestellte Ladekapazität übertrifft damit den früheren Rekord aus dem Jahr 2008 um rund 50 Prozent.
Der Boom dient zugleich der Erneuerung einer alternden Flotte. Deshalb investieren Reeder trotz hoher Baupreise. Griechische Unternehmen führen die Bestellungen an, gefolgt von Reedereien aus China und Singapur. China baut zudem den Großteil der neuen Öltanker und stärkt damit seine führende Stellung im Weltschiffbau.
Späte Auslieferungen erhöhen das wirtschaftliche Risiko
Die Bestellungen reagieren auf heutige Engpässe, doch viele neu Tanker erreichen den Markt erst ab 2028. Entspannt sich die Lage an der Meerenge, sinkt möglicherweise der Bedarf an zusätzlicher Transportkapazität. Zugleich könnte eine schwächere Ölnachfrage die Auslastung neuer Öltanker dämpfen. Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 eine deutlich schwächere Nachfrageentwicklung.
Die Organisation erdölexportierender Länder rechnet dagegen weiterhin mit einem steigenden weltweiten Ölverbrauch. Deshalb bleibt die langfristige Auslastung der neuen Öltanker schwer kalkulierbar. Bleiben ältere Schiffe länger im Dienst, könnten zusätzliche Kapazitäten später die Charterraten und Schiffswerte senken. Der Bestellboom erneuert die Flotte, erhöht jedoch zugleich das Markt- und Finanzierungsrisiko.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (17.07.26) – ntv (14.07.26) – Handelsblatt (14.07.26) – Reuters (13.07.26) – IEA (10.07.26)
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