Equinor streicht Ziel für Erneuerbare: Öl und Gas gewinnen wieder Vorrang

Der mehrheitlich im staatlichen Besitz befindende norwegische Energie- und Ölkonzern Equinor hat in New York eine neue Strategie vorgestellt. Der Konzern streicht dabei sein bisheriges Ziel von 10 bis 12 Gigawatt Erneuerbaren-Leistung bis 2030. Auslöser für den drastischen Strategiewechsel sind höhere Kosten, schwächere Renditen und ein schwierigeres Marktumfeld für Wind- und Solarprojekte. Zugleich stärkt der Konzern die Förderung von Öl und Gas. Für Europas Energiewende bedeutet der Schritt jedoch weniger Verbindlichkeit bei neuen grünen Kapazitäten.


Equinor ersetzt Gigawatt-Ziel durch breitere Stromstrategie

Das bisherige Ausbauziel für Erneuerbare fällt komplett aus der neuen Strategie des Energiekonzerns. Stattdessen nennt der Konzern ein Ziel für die gesamte Stromproduktion. Diese neue Kennzahl umfasst jedoch nicht nur Wind und Solar. Sie kann auch Gaskraft, Speicher und Stromhandel enthalten.

Strategiewechsel: Equinor rückt von festen Ausbauzielen für Wind und Solar ab -  Öl und Gas sollen wieder stärkeres Gewicht erhalten
Strategiewechsel: Equinor rückt von festen Ausbauzielen für Wind und Solar ab – Öl und Gas sollen wieder stärkeres Gewicht erhalten
Bild: Shutterstock

Bis 2030 will der Konzern mehr als 20 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Diese Kennzahl beschreibt jedoch die erwartete Strommenge, nicht den konkreten Ausbau neuer Wind- und Solaranlagen. Ein Kapazitätsziel von 10 bis 12 Gigawatt hätte gezeigt, welchen Umfang der Anlagenpark erreichen soll. Es hätte aber keine gesicherte Stromproduktion garantiert, weil Wind- und Solarstrom von Wetter, Standort und Netzbedingungen abhängen. Die neue Vorgabe verschiebt den Schwerpunkt deshalb von sichtbarem Anlagenzubau hin zu einer breiteren Stromstrategie.

Öl und Gas erhalten wieder mehr Kapital

Der Konzern verschiebt seine Prioritäten sichtbar. Nur rund zehn Prozent der Investitionen sollen ab 2028 in das Stromgeschäft fließen. Der deutlich größere Teil bleibt jedoch bei Öl und Gas. Damit gewinnt das klassische Fördergeschäft erneut mehr Gewicht.

Die tägliche Produktion soll bis 2030 auf 2,3 Millionen Barrel Öläquivalent steigen. Norwegen bleibt dabei der wichtigste Standort. Außerdem sollen internationale Projekte mehr liefern. Brasilien, Großbritannien und die USA spielen hierbei eine zentrale Rolle. Diese Projekte sichern Einnahmen, binden jedoch Kapital langfristig an fossile Energieträger.

Aktionäre profitieren, Klimaziele verlieren Schub

Der Strategiewechsel geht mit höheren Ausschüttungen einher. Equinor will 2026 eigene Aktien für bis zu 3 Milliarden Dollar zurückkaufen. Ab 2027 sind jährlich 2 bis 4 Milliarden Dollar geplant. Diese Beträge hängen jedoch stark von Öl- und Gaspreisen ab.

Auch die Dividende soll wachsen. Der Konzern peilt mehr als fünf Prozent Zuwachs je Aktie und Jahr an. Davon profitiert besonders der norwegische Staat, da er rund zwei Drittel hält. Für Anleger steigt damit die kurzfristige Attraktivität. Für neue Erneuerbaren-Projekte sinkt jedoch der finanzielle Schwerpunkt.


Europas Gasbedarf beeinflusst die Konzernstrategie

Der Kurs passt zur aktuellen Versorgungslage in Europa. Norwegisches Gas bleibt für viele Länder wichtig. Deshalb investieren der Konzern und seine Partner weiter in große Gasfelder. Das Troll-Feld soll ab 2028 zusätzliche Mengen liefern.

Die Entscheidung zeigt einen breiteren Trend in der Branche. Mehrere große Energiekonzerne prüfen grüne Projekte inzwischen strenger. Offshore-Wind leidet unter hohen Kosten, langen Genehmigungen und teuren Lieferketten. Deshalb gewinnen Projekte mit schnellerem Geldrückfluss an Bedeutung.

Für Verbraucher und Industrie hat der Kurs zwei Seiten. Mehr Gas kann die Versorgung stabilisieren. Weniger feste Erneuerbaren-Ziele erschweren jedoch den planbaren Umbau des Energiesystems. Genau darin liegt die zentrale Folge der neuen Strategie: Versorgungssicherheit bekommt Vorrang, während der Ausbau grüner Kapazitäten an Tempo verliert.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Euronext Markets (16.06.26)Reuters (16.06.26)E24 (16.06.26)Equinor (Stand: 22.06.26)

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