In Bakum im Landkreis Vechta zeigt sich Ende Juni, wie der Netzausbau stockt, obwohl vor Ort viel erneuerbarer Strom entsteht. Die Gemeinde in Niedersachsen betreibt eigene Photovoltaikanlagen, Speicher und Ladepunkte, jedoch fehlt zusätzliche Leistung im 110-Kilovolt-Netz. Deshalb geraten neue Ladesäulen, geplante Gewerbeanschlüsse, Windkraftprojekte und mögliche Firmenansiedlungen ins Warten.
110-Kilovolt-Netz bremst Bakum
Bakum hat fünf kommunale Gebäude technisch verbunden und nutzt dafür eigenen Solarstrom. Außerdem speichert die Gemeinde Überschüsse, statt sie sofort ins Netz zu drücken. Wenn die Börsenpreise stark negativ sind, kann der Strom deshalb direkt an einer kommunalen Ladesäule landen.

Bild: Shutterstock
Der Bedarf steigt jedoch schneller als die Leitungskapazität. Seit Pfingsten floss über zwei Ladepunkte bereits mehr Strom als im gesamten Vorjahr. Trotzdem kann die Gemeinde keine zweite Ladesäule anschließen, weil der Netzbetreiber dafür keine zusätzliche Leistung zusagen kann.
Netzausbau stockt trotz vorhandener Leitungen
Der Engpass liegt nicht an fehlender Erzeugung. In der Region entstehen Wind- und Solarstrom, außerdem planen Unternehmen neue Projekte. Das Problem liegt vielmehr auf der Hochspannungsebene, weil das 110-Kilovolt-Netz den zusätzlichen Strom nicht verlässlich aufnehmen oder verteilen kann.
Technisch wirkt die Lösung zunächst überschaubar. An bestehenden Masten könnte ein weiteres Leiterseil die Kapazität erhöhen. Doch selbst solche Eingriffe lösen aufwendige Verfahren aus, deshalb spricht Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck von drei bis vier Jahren Verzögerung.
Bürokratie macht Ertüchtigung zur Langstrecke
Die Verfahren behandeln eine Verstärkung bestehender Leitungen häufig fast wie einen Neubau. Netzbetreiber müssen deshalb Gutachten erstellen, Trassen bewerten und Umweltfragen klären. Averbeck bringt das Problem zugespitzt auf den Punkt: „Für die Leitung muss ich erst die Vogelwelt kartieren.“
Diese Vorgaben haben Folgen für Investitionen. Ein Recyclingunternehmen für Elektrokomponenten will sich in Bakum ansiedeln, außerdem interessieren sich weitere Betriebe für Flächen. Ohne belastbare Stromanschlüsse kann die Gemeinde jedoch nicht jede Ansiedlung zusagen.
Firmen brauchen Anschlüsse statt Wartelisten
Der Satz Netzausbau stockt beschreibt damit kein abstraktes Bundesproblem, sondern einen konkreten Standortnachteil. Gewerbe braucht Strom zu planbaren Bedingungen, während Kommunen Flächen, Straßen und Genehmigungen vorbereiten. Wenn der Anschluss fehlt, verliert selbst eine energiereiche Region wirtschaftliche Optionen.
Auch die Ladeinfrastruktur hängt an derselben Grenze. Bakum liegt verkehrsgünstig an der Autobahn, deshalb wären Schnelllader für Pkw und später auch für Lkw naheliegend. Doch ohne leistungsfähiges Netz bleibt ausgerechnet dort Infrastruktur liegen, wo Nachfrage entstehen könnte.
Akzeptanz allein löst das Netzproblem nicht
Bei der Windkraft zeigt sich ein ähnliches Muster. Früher scheiterten in Bakum mehrere Anlagen auch an Widerstand vor Ort. Heute wirkt die Lage anders, weil finanzielle Beteiligung für Bürger und Gemeinden die Akzeptanz erhöhen kann.
Trotzdem reicht Zustimmung nicht aus. Der Netzausbau stockt weiter, wenn Leitungen, Bebauungspläne und Gutachten nicht mit dem Tempo der Energiewende Schritt halten. Deshalb entscheidet sich Versorgungssicherheit nicht nur an der Zahl neuer Anlagen, sondern an der Fähigkeit, ihren Strom auch nutzbar zu machen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Ntv (28.06.26) – Rundblick (06.05.26) – Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen (26.03.26) – Energie Zukunft (05.05.26)
Lesen Sie auch:
- Solarüberschuss, Netzausbau und neue Gaskraftwerke entscheiden über Energiewende
- Bedarf an Transformatoren für Netzausbau kann in den nächsten Jahren nicht gedeckt werden
- Kosten für Netzausbau explodieren – Verbraucher vor enormen Belastungen
- Energiewende vor dem Kollaps: Ausbauziele nicht erreichbar, Netzausbau schleppend, Stromknappheit und steigende Preise
