Solarüberschuss, Netzausbau und neue Gaskraftwerke entscheiden über Energiewende

E.on-Chef Leonhard Birnbaum zieht in Essen eine kritische Halbzeitbilanz zur deutschen Energiewende, weil Solarüberschuss, negative Strompreise und lange Genehmigungszeiten beim Netzausbau die nächste Phase der Transformation erschweren. Der Dax-Konzern spielt dabei eine Schlüsselrolle: E.on hat in Deutschland sieben von zehn Windrädern, jede zweite Solaranlage und die Hälfte der Großbatterien ans Netz angeschlossen. Zugleich verschärfen geopolitische Risiken wie eine längere Blockade der Straße von Hormus die Lage, weil Deutschland trotz Energiewende weiter stark von importierter fossiler Energie abhängt.


Solarüberschuss wird zum Prüfstein für Netze und Verbraucher

E.on zählt zu den wichtigsten Akteuren der Energiewende. Birnbaum sieht deshalb nicht mehr den Ausbau allein als Kernproblem. Entscheidend sei nun, ob Netze, Speicher, Digitalisierung und flexible Verbraucher mithalten. Die erste Hälfte der Energiewende sei geschafft, jedoch beginne nun der schwerere Teil.

Solarüberschuss verschärft Netzprobleme: E.on-Chef Birnbaum fordert Netzausbau, Speicher und neue Gaskraftwerke
Solarüberschuss verschärft Netzprobleme: E.on-Chef Birnbaum fordert Netzausbau, Speicher und neue Gaskraftwerke

An sonnigen Wochenenden drückt sehr viel Strom aus Solaranlagen ins Netz. Deshalb fallen Börsenpreise zeitweise stark ins Negative. Steuerzahler und Stromkunden tragen dann Kosten, obwohl die Anlagen viel Energie liefern. Der Solarüberschuss zeigt damit eine neue Schieflage im Stromsystem.

Gaskraftwerke bleiben als Reserve im System

Birnbaum unterstützt die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für neue Gaskraftwerke. Deutschland brauche diese Reserve, weil Kohle aus Klimaschutzgründen verschwinden soll. Die Kernenergie hat die Politik zugleich beendet. Deshalb bleiben Gaskraftwerke als Absicherung gegen Dunkelflauten.

Batterien können diesen Bedarf senken, jedoch nicht vollständig ersetzen. Übliche Speicher überbrücken zwei bis vier Stunden. Winterliche Dunkelflauten dauern jedoch oft mehrere Tage. Genau dort reicht Solarstrom allein nicht aus, während Netze und Speicher weiter ausgebaut werden müssen.


Industrie kann Stromverbrauch nur begrenzt verschieben

Private Haushalte können E-Autos oder Wärmepumpen oft flexibel steuern. Deshalb lohnen sich dynamische Tarife für viele Kunden. In der Industrie sieht Birnbaum jedoch enge Grenzen. Ein Bäcker braucht seinen Strom morgens, während Stahlwerke Personal und Maschinen nicht beliebig stillsetzen können.

Für die zweite Phase der Energiewende fordert Birnbaum neue Regeln. Betreiber sollen stärker haften, wenn sie Windräder in Regionen bauen, in denen Strom weder gebraucht noch abtransportiert werden kann. Außerdem sollen Förderungen dort enden, wo Anlagen wirtschaftlich ohne Subventionen laufen. Der Solarüberschuss markiert damit den Übergang von reiner Ausbaupolitik zu Kostenkontrolle.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen