Netzanschluss als Engpass: Wind- und Solarprojekte warten teils Jahre

In Deutschland verschärfen sich im September 2026 die Konflikte um den Netzanschluss für neue Energieprojekte. Tausende Betreiber von Windparks, Solaranlagen und Batteriespeichern warten teils Monate oder Jahre auf Zusagen. Zugleich kämpfen Industrieunternehmen, Rechenzentren und private Haushalte mit knappen Kapazitäten, langen Bearbeitungszeiten und fehlerhaften Prozessen. Eine AFRY-Auswertung beziffert allein wartende Windkraftvorhaben auf rund 43 Gigawatt. Deshalb wachsen Kosten, Rechtsstreitigkeiten und Unsicherheit über geplante Investitionen.

Beim Netzanschluss häufen sich Wartezeiten und Streit. Wind-, Solar- und Speicherprojekte verlieren dadurch Jahre und Planungssicherheit
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Netzanschluss bremst Projekte mit 43 Gigawatt Windleistung

Allein die 43 Gigawatt wartender Windprojekte entsprechen fast zwei Dritteln der derzeit installierten Onshore-Windleistung von rund 68 Gigawatt. Allerdings führt nicht jede Anschlussanfrage später tatsächlich zu einem gebauten Windpark. Trotzdem zeigt die Größenordnung, wie stark Netzkapazitäten inzwischen über Tempo und Wirtschaftlichkeit neuer Projekte entscheiden.

Gleichzeitig deutet eine neue Fraunhofer-IEE-Studie darauf hin, dass sich bestehende Netze teilweise besser nutzen ließen. Batteriespeicher an 1.313 ländlichen Umspannwerken könnten technisch zusätzliche Photovoltaikleistung von rund 150 Gigawatt erschließen. Allerdings setzt das intelligente Steuerung und geeignete Anschlussregeln voraus. Deshalb liegt das Problem nicht ausschließlich im Bau neuer Leitungen.


Gerichtsverfahren zeigen die Folgen fehlender Transparenz

Wie teuer ein entfernter Netzanschluss werden kann, zeigt ein aktueller Gerichtsfall. Ein Netzbetreiber wies einem Windpark einen rund 80 Kilometer entfernten Netzpunkt zu. Laut der Anwältin hätte die Leitung fast einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet und mehr als acht Jahre Bauzeit benötigt. Obwohl der Betreiber zwei Instanzen gewann, erhielt er danach weiterhin keinen Anschluss. Deshalb beantragte er schließlich ein Zwangsgeld.

Auch Hellweg Wind streitet mit dem Netzbetreiber Avacon über den nächstgelegenen Anschlusspunkt. Avacon verweist auf ausgelastete Leitungen und mögliche zusätzliche Investitionen bei weit entfernten Projekten. Hellweg Wind kritisiert dagegen fehlende nachvollziehbare Netzdaten. Allerdings gewann Avacon das Verfahren in erster Instanz. Solche Konflikte zeigen, wie entscheidend transparente Kapazitätsdaten für Investitionsentscheidungen geworden sind.

Netzanschluss soll nach neuen Kriterien vergeben werden

Die Bundesregierung will den Netzanschluss deshalb mit dem neuen Netzanschlusspaket grundlegend neu ordnen. Der Gesetzentwurf liegt inzwischen im parlamentarischen Verfahren, ist jedoch noch kein geltendes Recht. Künftig soll nicht mehr allein die Reihenfolge der Anträge entscheiden. Stattdessen sollen Projektreife, Netzdienlichkeit und weitere Kriterien stärker über knappe Kapazitäten entscheiden. Außerdem sollen Netzbetreiber mehr Transparenz, Digitalisierung und verbindlichere Abläufe schaffen.

Für Wind- und Solarprojekte bringt das Paket jedoch auch neue Einschränkungen. In kapazitätslimitierten Netzgebieten könnten Netzbetreiber die Einspeisung stärker begrenzen und Abregelungen teilweise ohne Entschädigung vorsehen. Gleichzeitig sollen flexible Anschlussvereinbarungen vorhandene Netze besser auslasten. Auch private Kunden erleben Probleme mit Netzprozessen. Rabot Energy, Tibber, Octopus Energy und Ostrom beklagen bei Westnetz seit Monaten offene Fälle bei Registrierung und Datenübermittlung von Smart Metern. Deshalb betrifft der Engpass inzwischen nicht nur Großprojekte, sondern auch die Digitalisierung des Strommarkts.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Netzbetreiber verzögern neue Solar- und Windprojekte um Jahre – Analyse: Redipatch-Vorbehalt würde sich auf wenige Netz-Hotspots konzentrieren – Diese Änderungen bringen EEG-Novelle und Netzanschlusspaket

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