Deutschland, August 2026: Netzanschlüsse werden zum Engpass für Industrie, Rechenzentren und Batteriespeicher. Das Problem ist dabei nicht grundsätzlich fehlender Strom, sondern die begrenzte Transport- und Anschlussleistung der Netze. Ende Juni lagen allein bei den vier Übertragungsnetzbetreibern Anfragen über mehr als 200 Gigawatt vor. Rund 93 Prozent davon entfielen auf Batteriespeicher und Rechenzentren. Auch in Verteilnetzen übersteigen die beantragten Leistungen die vorhandenen Kapazitäten teilweise um ein Vielfaches. Deshalb können Unternehmen an vielen Standorten nicht kurzfristig die elektrische Leistung beziehen, die neue Anlagen benötigen. Beim Ofenhersteller Leda in Leer verzögert dies beispielsweise die Elektrifizierung der Produktion bis voraussichtlich 2027.
Netzanschlüsse scheitern an begrenzter Netzkapazität
Die entscheidende Größe ist die verfügbare Leistung am jeweiligen Anschlusspunkt. Ein Kabel allein löst das Problem deshalb nicht. Auch Umspannwerke, Leitungen und vorgelagerte Netzebenen müssen die zusätzliche Last aufnehmen können. Genau dort entstehen zunehmend Engpässe. Die Bundesnetzagentur unterscheidet ausdrücklich zwischen dem physischen Anschluss und der tatsächlich verfügbaren Anschlusskapazität.

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Eine NDR-Abfrage unter 852 Verteilnetzbetreibern zeigt die Größenordnung. 78 Unternehmen lieferten konkrete Leistungsdaten. Bei ihnen erreichten die beantragten Anschlüsse im Mittel 324 Prozent der jeweiligen Netzleistung. In Hamburg stehen 2.750 Megawatt Anfragen einer Jahreshöchstlast von 1.800 Megawatt gegenüber. Im Raum Hannover treffen mehr als 1.000 Megawatt auf lediglich 500 Megawatt Jahreshöchstlast. Besonders extrem fällt das Verhältnis bei WEMAG Netz aus. Dort liegen Anfragen über 32.000 Megawatt vor, während die Jahreshöchstlast 417 Megawatt beträgt.
Batteriespeicher verschärfen den Kampf um Anschlussleistung
Große Batteriespeicher verursachen derzeit einen erheblichen Teil der Anfragen. Sie benötigen Netzanschlüsse sowohl zum Laden als auch zum Einspeisen. Dadurch beanspruchen sie Kapazität auf beiden Seiten des Netzes. Ende 2025 erfasste der BDEW bei den Übertragungsnetzbetreibern und 17 Verteilnetzbetreibern Speicheranfragen über insgesamt 729 Gigawatt. Zusagen lagen dagegen nur über 78 Gigawatt vor. Allerdings dürfte mindestens die Hälfte der Projekte wegen Mehrfachanträgen oder Spekulation niemals entstehen.
Die enorme Zahl der Anträge bedeutet deshalb nicht, dass Deutschland plötzlich Hunderte Gigawatt zusätzliche Kraftwerksleistung bereitstellen müsste. Vielmehr reservieren Projektentwickler teilweise Kapazitäten an mehreren Standorten gleichzeitig. Das blockiert Bearbeitungsressourcen und erschwert den Netzbetreibern die Planung. Gleichzeitig steigt der reale Bedarf durch Rechenzentren, industrielle Elektrifizierung, Elektrolyseure und Batteriespeicher. Der Ausbau von Leitungen und Umspannwerken kann mit diesem Tempo jedoch vielerorts nicht Schritt halten.
Industrie muss auf elektrische Leistung warten
Für Industriebetriebe hat der Engpass unmittelbare Folgen. Leda in Leer will einen mit Koks betriebenen Schmelzofen durch einen elektrischen Induktionsofen ersetzen. Dafür benötigt das Werk jedoch deutlich mehr Anschlussleistung. EWE Netz kann diese nach aktuellem Stand voraussichtlich erst ab 2027 bereitstellen. Geschäftsführer Fynn-Willem Lohe verweist zudem auf dutzende weitere Gießereien mit ähnlichen Problemen. Netzanschlüsse werden damit zunehmend zu einer Voraussetzung dafür, ob Investitionen in die Elektrifizierung überhaupt zeitnah umgesetzt werden können.
Die Politik versucht inzwischen, knappe Netzkapazitäten anders zu verteilen. Seit April 2026 nutzen die vier Übertragungsnetzbetreiber ein Reifegradverfahren. Dabei entscheidet nicht mehr allein, welcher Antrag zuerst eingegangen ist. Fortgeschrittene und realistisch umsetzbare Projekte sollen bessere Chancen erhalten. 50Hertz weist jedoch bereits darauf hin, dass neue Projektstarts aufgrund bestehender Reservierungen voraussichtlich erst ab 2029 möglich sind. Das Bundeskabinett beschloss außerdem am 29. Juli ein Netzanschlusspaket. Es soll Anschlussverfahren beschleunigen und den Anlagenzubau stärker an den verfügbaren Netzen ausrichten. Neue Vergaberegeln können die vorhandene Leistung effizienter verteilen, zusätzliche Netzkapazität schaffen sie jedoch nicht.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: NDR (25.08.26) – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (12.08.26) – 50Hertz (Stand: 25.08.26) – Bundesregierung (29.07.26)
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