In den USA hat der Boom bei KI und Rechenzentren im ersten Halbjahr 2026 einen massiven Ausbau der Gaskraftwerke ausgelöst. Inzwischen befinden sich 189 Gigawatt Leistung in Planung, Bauvorbereitung oder bereits im Bau, die direkt Rechenzentren versorgen sollen. Anfang des Jahres lag dieser Wert noch annähernd halb so hoch. Insgesamt wuchs die amerikanische Pipeline gasbasierter Kraftwerke auf 378 Gigawatt. Texas entwickelt sich dabei zum Schwerpunkt des Ausbaus. Zugleich bremsen lange Lieferzeiten für Turbinen, unsichere Anschlussanträge und steigende Infrastrukturkosten viele Projekte.
Gaskraftwerke für KI-Rechenzentren treiben US-Ausbau
Texas allein kommt inzwischen auf 122 Gigawatt gasbasierte Kraftwerksleistung in unterschiedlichen Projektphasen. Das sind 51 Prozent mehr als noch sechs Monate zuvor. Rund 77 Gigawatt davon sollen direkt Rechenzentren versorgen. Während Texas damit fast ein Drittel der amerikanischen Projektpipeline stellt, wachsen auch in anderen Bundesstaaten die Planungen deutlich.

Symbolbild: KI-generiert
Allerdings lässt sich aus den Planungen noch kein tatsächlicher Kraftwerksbau ableiten. Mehr als drei Viertel der weltweiten Projektpipeline befinden sich noch in frühen Phasen. Bei zahlreichen Vorhaben fehlen Hersteller für Turbinen oder Motoren. Deshalb bleibt offen, welcher Anteil der angekündigten Leistung tatsächlich ans Netz geht. Allein im ersten Halbjahr verschoben Projektentwickler weltweit rund 45 Gigawatt auf spätere Termine.
Texas reagiert auf hunderte Gigawatt Anschlussanfragen
Besonders deutlich zeigt sich das Problem bei den Netzanschlüssen. ERCOT lagen zuletzt mehr als 474 Gigawatt beantragte neue Last in Texas vor. Rund 90 Prozent davon entfallen nach Angaben aus Texas auf Rechenzentren. Das liegt weit über dem bisherigen Spitzenverbrauch des Bundesstaates. Deshalb ordnete Gouverneur Greg Abbott eine umfassende Prüfung der Projekte an, bevor diese im Anschlussverfahren weiterkommen.
Auch landesweit summieren sich die Anschlussbegehren von Rechenzentren inzwischen auf mehr als 700 Gigawatt. Viele Entwickler melden dasselbe Projekt jedoch bei mehreren Versorgern oder Netzbetreibern an. Andere Vorhaben verfügen noch nicht über gesicherte Finanzierung oder konkrete Baupläne. Reuters berichtet deshalb von sogenannter „Ghost Demand“, die Bedarfsprognosen erheblich verzerren kann. Gleichzeitig müssen Netzbetreiber vermeiden, Milliardeninvestitionen auf Basis von Projekten einzuplanen, die später nicht gebaut werden.
Turbinenmangel verändert den Bau neuer Gaskraftwerke
Trotz dieser Unsicherheiten nimmt der tatsächliche Kraftwerksbau bereits stark zu. In den USA befinden sich inzwischen 52 Gigawatt gasbasierte Leistung im Bau. Das sind 76 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Davon entfallen 16,9 Gigawatt direkt auf Rechenzentrumsprojekte. Außerdem bauen die USA derzeit mehr als doppelt so viel gasbasierte Leistung wie China mit rund 24 Gigawatt.
Der Ausbau der Gaskraftwerke stößt jedoch zunehmend an industrielle Grenzen. Große Gasturbinen haben inzwischen Lieferzeiten von mehreren Jahren. Deshalb greifen Entwickler verstärkt auf Gasmotoren und kleinere aeroderivative Turbinen zurück. Die dafür geplante Motorleistung stieg innerhalb von sechs Monaten von 31 auf 67 Gigawatt. Bei Rechenzentrumsprojekten verdreifachte sie sich auf 45 Gigawatt. Solche Systeme lassen sich schneller installieren, arbeiten jedoch häufig weniger effizient als moderne Gas-und-Dampf-Kraftwerke.
Der Strombedarf dürfte den Ausbau dennoch weiter antreiben. S&P Global erwartet für amerikanische Rechenzentren bis 2030 eine Leistungsaufnahme von bis zu 183 Gigawatt. Zugleich verzeichnet die EIA bereits deutlich steigenden Stromverbrauch durch neue Rechenzentren. Wegen der texanischen Projektprüfung reduzierte die Behörde ihre Prognose für das Lastwachstum dort 2027 jedoch von 14 auf 6 Prozent. Damit zeigt sich: Der KI-Boom treibt den Kraftwerksbedarf massiv nach oben, während das tatsächliche Ausmaß noch von realen Bauprojekten, Netzanschlüssen und Lieferketten abhängt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (01.09.26) – Global Energy Monitor August 26
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