Hitzeflaute trifft Stromnetz: Windkraft liefert bei Spitzenlast fast nichts

Deutschland und Teile Nordwesteuropas erlebten Ende Juni 2026 eine Hitzeflaute mit extrem niedriger Windstromausbeute. Gleichzeitig stieg der Strombedarf durch Kühlung, Lüftung und Gewerbe. Am 24. Juni fiel die deutsche Onshore-Windleistung zeitweise auf 97,1 Megawatt. Ende 2025 standen jedoch rund 68,1 Gigawatt Onshore-Leistung bereit. Deshalb erreichte die Einspeisung ins Stromnetz zeitweise nur etwa 0,14 Prozent der installierten Leistung. Die Folge waren hohe Residuallasten, teure Abendstunden und neue Preisspitzen am Strommarkt.


Hitzeflaute drückt Windstrom auf Minimalwerte

Die Zahlen zeigen, wie wenig installierte Leistung in einer Hochdrucklage nützt. Am 24. Juni lieferten deutsche Onshore-Anlagen zeitweise weniger Strom als ein einzelnes mittelgroßes Kraftwerk. Außerdem kamen Anfang 2026 weitere Windräder hinzu. Der tatsächliche Anteil an der verfügbaren Gesamtleistung lag deshalb noch niedriger.

Hitzeflaute lässt Windstrom einbrechen: Einspeisung fällt zeitweise auf 0,14 Prozent der installierten Leistung, Preise steigen
Hitzeflaute lässt Windstrom einbrechen: Einspeisung fällt zeitweise auf 0,14 Prozent der installierten Leistung, Preise steigen

Auch Offshore-Wind half in der Hitzephase kaum. Am 23. Juni fiel die Offshore-Leistung zeitweise auf 20,6 Megawatt. Ende 2025 waren jedoch rund 9,7 Gigawatt Offshore-Leistung in Deutschland am Stromnetz. Damit lag die Ausbeute in diesem Moment bei rund 0,2 Prozent. Die Hitzeflaute war deshalb kein technischer Schaden, sondern ein wetterbedingter Leistungseinbruch.

Solar hilft tagsüber, jedoch nicht in der Spitze

Besonders teuer wurden die Abendstunden. Tagsüber lieferte Solarstrom viel Energie, jedoch fiel diese Leistung mit sinkender Sonne schnell weg. Gleichzeitig blieb der Kühlbedarf hoch. Am 24. Juni stieg die Residuallast in Deutschland zeitweise auf rund 59,6 Gigawatt. Diesen Bedarf mussten deshalb Kraftwerke, Speicher, Importe und flexible Verbraucher decken.

Die Strombörse reagierte sofort. In Deutschland erreichten die kurzfristigen Preise in der Hitzewoche zeitweise 747,10 Euro je Megawattstunde. Auch Belgien, die Niederlande und Dänemark meldeten extreme Viertelstundenpreise. Während Haushalte mit Standardtarifen solche Ausschläge nicht sofort zahlen, treffen sie Versorger und Industrie direkt. Außerdem erhöhen sie die Beschaffungskosten für spätere Lieferzeiträume.

Hochdruck bringt Hitze und Flaute zusammen

Der Auslöser lag in der Wetterlage. Ein stabiles Hoch brachte heiße Luft, viel Sonne und wenig Wind nach Mitteleuropa. Deshalb entstand eine Lage, die sich klar von einer Dunkelflaute unterscheidet. Solarstrom half tagsüber, doch Windstrom fehlte fast vollständig. Nach Sonnenuntergang blieb daher eine große Lücke im System.

Auch Großbritannien meldete ähnliche Folgen. Dort sank der Windanteil während der Hitze zeitweise auf 13 bis 15 Prozent der Stromerzeugung. Im Juni des Vorjahres lag der Durchschnitt jedoch bei rund 30 Prozent. Der Netzbetreiber musste deshalb zusätzliche Strommengen absichern. Die Hitzeflaute traf dort außerdem auf reduzierte Leistung einzelner Gaskraftwerke bei hohen Temperaturen.


Installierte Leistung ersetzt keine gesicherte Leistung

Der Begriff Totalausfall beschreibt die Marktwirkung, jedoch nicht den technischen Zustand der Anlagen. Es gibt keine belastbaren Hinweise auf flächendeckende Defekte an Windrädern. Für das Stromsystem zählt aber die tatsächlich verfügbare Leistung. Wenn der Wind fehlt, helfen selbst Zehntausende Megawatt installierter Leistung nur auf dem Papier.

Die Hitzewelle zeigt deshalb ein Grundproblem wetterabhängiger Stromerzeugung. Ein Stromsystem mit viel Wind und Solar braucht steuerbare Leistung für genau solche Stunden. Dazu gehören Speicher, flexible Nachfrage, Reservekraftwerke, Netze und Importe. Ohne diese Bausteine steigen die Preise stark, während die Sicherheitsmarge kleiner wird. Windkraft bleibt wichtig, jedoch ersetzt sie bei Hochdruckhitze keine gesicherte Leistung.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Energy Charts (Stand: 29.06.26)Reuters (26.06.26)Presseportal (25.06.26)Tagesschau (26.06.26)PV-Magazine (26.06.26)Top Agrar (27.06.26)

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