Evonik-Chef Christian Kullmann hat in einem Interview die Energiewende-Kosten auf rund eine Billion Euro beziffert und ihren bisherigen Nutzen bestritten. Wegen fehlender Gaskraftwerke, schwacher Netze und teuren Wasserstoffs fordert er Kohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen mindestens bis 2033. Außerdem will er das deutsche Klimaziel von 2045 auf 2050 verschieben. Die Warnung trifft eine Chemiebranche mit hohen Standortkosten, während Evonik weitere 3.200 Stellen abbaut, davon 2.150 in Deutschland.
Energiewende-Kosten treffen auf ungelöste Versorgungslücke
Kullmann hält den NRW-Braunkohleausstieg 2030 für nicht machbar. „Wir haben nicht genug Gaskraftwerke. Wir haben eine Netzinfrastruktur wie in Albanien und es gibt keinen bezahlbaren Wasserstoff.“ Deshalb erwartet er einen Weiterbetrieb der Kohlekraftwerke bis mindestens 2033 und möglicherweise darüber hinaus.

Der Bundestag hat inzwischen den Bau neuer Reservekraftwerke ermöglicht. Noch 2026 will der Bund neun Gigawatt ausschreiben, weitere zwei Gigawatt sollen 2027 folgen. Die Anlagen sollen Dunkelflauten absichern, jedoch benötigt ihr Bau mehrere Jahre. Zugleich muss die Bundesregierung über eine Reserve für drei moderne Braunkohleblöcke bis Ende 2033 entscheiden.
Billionen-Summe bleibt ohne detaillierte Aufschlüsselung
Die genannten Energiewende-Kosten beruhen auf Kullmanns eigener Gesamtschätzung. Eine detaillierte Berechnung legte er jedoch nicht vor. Deshalb bleibt offen, welche Netze, Förderungen, Kraftwerke oder Folgekosten die Summe umfasst. Seine Aussage „Und was hat sie uns gebracht? Nichts.“ beschreibt daher seine politische Bewertung.
Kullmann verlangt außerdem Klimaneutralität erst 2050. Deutschland verursache nur 1,6 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen, argumentiert er. Zudem lehnt er schärfere Regeln im europäischen Emissionshandel ab. Die frühere Politik kritisiert er mit dem Satz: „Die Greta-Hörigkeit in Berlin und Brüssel war zu groß.“ Von der AfD grenzt er sich jedoch ab, weil deren antieuropäische Linie der deutschen Wirtschaft schade.
Evonik streicht weitere 3.200 Stellen
Evonik plant zwischen 2027 und 2029 den Abbau von rund 3.200 Stellen. Davon entfallen 2.150 auf Deutschland, außerdem laufen bereits Kürzungen von 2.800 Stellen bis Ende 2026. Der Konzern nennt schwaches Wachstum, internationalen Wettbewerb und strukturelle Nachteile in Europa. Dennoch soll der Abbau sozialverträglich erfolgen.
Die aktuellen Geschäftszahlen zeigen jedoch ein gemischtes Bild. Evonik erwartet für das zweite Quartal ein bereinigtes EBITDA von 600 bis 650 Millionen Euro. Lieferengpässe bei asiatischen Wettbewerbern und Kostensenkungen stützen das Ergebnis, doch dieser Vorteil dürfte nachlassen. Kullmann verbindet die Energiewende-Kosten deshalb mit der Sorge um Investitionen, Produktion und Arbeitsplätze in Deutschland. Die bisherigen Reformen der schwarz-roten Bundesregierung reichen ihm nach eigener Aussage nicht.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (22.07.26) – Nius (20.07.26) – Welt (17.07.26) – Deutscher Bundestag (08.07.26) – Evonik (26.06.26)
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