Wiesbaden – Rund 3,8 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2025 in Haushalten mit unbezahlten Rechnungen von Versorgungsunternehmen. Damit betrafen Energieschulden 4,6 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt am 14. September 2026 mitteilte. Grundlage sind Selbstauskünfte aus der europäischen Erhebung EU-SILC. Gegenüber 2024 sank der Anteil zwar von 5,0 auf 4,6 Prozent. Mieter waren jedoch erheblich häufiger betroffen als Menschen mit Wohneigentum. Zugleich bleiben die Kosten rund ums Wohnen hoch, obwohl Strom und Gas zuletzt etwas günstiger wurden.

Bild: Shutterstock
Energieschulden treffen Mieter deutlich häufiger
Unter Menschen in Mieterhaushalten lag der Anteil mit Zahlungsrückständen bei 5,8 Prozent. In Eigentümerhaushalten waren es dagegen 3,3 Prozent. Mieter waren damit fast doppelt so häufig betroffen. Allerdings erfasst die Statistik Personen in betroffenen Haushalten und nicht die Zahl einzelner säumiger Kunden. Die Angaben beruhen außerdem auf der Selbsteinschätzung der Haushalte.
Zusätzlich verteuerten sich viele laufende Wohnkosten weiter. Die Wohnungsnebenkosten lagen im August 2026 um 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Die allgemeine Inflationsrate erreichte dagegen 2,9 Prozent. Zu den Nebenkosten gehören unter anderem Wasser, Müllabfuhr, Gebäudereinigung und weitere Dienstleistungen rund um die Wohnung. Deshalb können höhere Nebenkosten die finanzielle Lage belasteter Haushalte zusätzlich verschärfen.
Strom und Gas günstiger – Haushaltsenergie bleibt auf hohem Niveau
Bei der Haushaltsenergie zeigte sich zuletzt ein anderes Bild. Strom kostete im August 2026 durchschnittlich 5,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Erdgas einschließlich Betriebskosten verbilligte sich um 2,9 Prozent. Fernwärme sank außerdem um 1,0 Prozent. Leichtes Heizöl verteuerte sich dagegen um 49,6 Prozent. Insgesamt lag Haushaltsenergie deshalb nur 0,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Die aktuellen Energieschulden zeigen jedoch, dass geringere Preise allein bestehende Zahlungsprobleme nicht beseitigen. Viele Haushalte tragen noch die Folgen des starken Energiepreisanstiegs seit 2022. Außerdem können sich Rückstände über mehrere Abrechnungsperioden aufbauen. Im äußersten Fall darf ein Versorger die Lieferung unter gesetzlichen Voraussetzungen unterbrechen. Die Bundesnetzagentur registrierte 2024 rund 239.000 Stromsperren bei Haushaltskunden. Hinzu kamen 34.393 Gassperren.
Der Rückgang von 5,0 auf 4,6 Prozent zeigt zwar eine leichte Verbesserung. Dennoch lebten weiterhin Millionen Menschen in Haushalten mit Energieschulden. Besonders die deutlich höhere Quote unter Mietern bleibt deshalb relevant. Gleichzeitig steigen mehrere Wohnnebenkosten weiter schneller als die allgemeine Teuerung. Sinkende Strom- und Gaspreise reichen somit nicht bei jedem Haushalt aus, um Zahlungsrückstände kurzfristig abzubauen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Statistisches Bundesamt (14.09.26) – Tagesspiegel (14.09.26)
Lesen Sie auch:
- Strompreise in Deutschland: Mehr als doppelt so teuer wie im G20-Durchschnitt
- Steigende Strompreise ab 2027: Bund kürzt Zuschuss für Netzentgelt um eine Milliarde Euro
- Energiewende-Kosten: Bund zahlt 17,2 Milliarden für Strompreisdämpfung
- Dynamische Strompreise: Haushalte tragen das Risiko des Strommarkts
