Belgien vollzieht grundlegende Kehrtwende bei der Atomkraft

Brüssel, Juli 2026: Die belgische Regierung fördert acht Forschungsprojekte zur Atomkraft mit insgesamt fast 11 Millionen Euro. Der Ministerrat folgte einem Vorschlag von Energieminister Mathieu Bihet, nachdem das Regierungsabkommen nukleare Anwendungen priorisiert hatte. Aus 41 Anträgen wählte die Generaldirektion Energie acht Vorhaben für Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und industrielle Nutzung aus. Allerdings schafft die Förderung noch keine neue Kraftwerksleistung, während Belgien nur Doel 4 und Tihange 3 weiterbetreibt. Zudem benötigen neue Reaktoren Betreiber, Milliardeninvestitionen, Genehmigungen und belastbare Baupläne.


Atomkraft erhält wieder einen zentralen Platz

Belgien hat den seit 2003 geltenden Ausstiegskurs bereits im Mai 2025 gesetzlich beendet. Dadurch ist der Bau neuer Kernkraftwerke wieder zulässig, während Laufzeitentscheidungen neu getroffen werden können. Die Atomkraft soll deshalb wieder einen zentralen Platz im Energiemix erhalten. Zugleich verlängerte der Staat den Betrieb von Doel 4 und Tihange 3 bis 2035.

Belgien stärkt Atomkraft mit fast 11 Millionen Euro für acht Forschungsprojekte zu SMR, Fusion, Industrie und möglichen neuen Kraftwerken
Belgien stärkt Atomkraft mit fast 11 Millionen Euro für acht Forschungsprojekte zu SMR, Fusion, Industrie und möglichen neuen Kraftwerken
Bild: Shutterstock

Die politische Wende trifft jedoch auf einen stark verkleinerten Reaktorpark. Fünf der sieben Leistungsreaktoren wurden zwischen 2022 und 2025 endgültig abgeschaltet. Deshalb sichern nur noch zwei Blöcke rund zwei Gigawatt planbare Erzeugung. Außerdem soll die Forschung verlorenes Fachwissen sichern und neue industrielle Anwendungen vorbereiten.

Acht Forschungsprojekte decken Technik, Industrie und Recht ab

Den höchsten Zuschuss erhält NuPowerBE mit 3.972.175 Euro. Das Projekt bewertet moderne Reaktortechnik für Industriecluster, Stromnetz und Dekarbonisierung. ICRH-W7X Upgrade bekommt außerdem 2.067.116,68 Euro für Arbeiten an der Fusionsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald. FLEX-SMR erhält 1.221.681 Euro und entwickelt flexible Strom- sowie Dampflösungen für die Chemieindustrie.

PRORANE bekommt 857.398 Euro für robotergestützte Reparaturen und die Fertigung kritischer Komponenten. SMART-C-HUB erhält 828.255 Euro und verbindet kleine Reaktoren mit Wärmespeichern sowie industrieller Prozesswärme. CORE-GRID untersucht außerdem für 559.777,20 Euro die flexible Netzintegration kleiner modularer Reaktoren. Das Projekt FUSION erhält 846.631,99 Euro, behandelt jedoch keine Kernfusion. Es kombiniert SMR-Modelle mit CO₂-Abscheidung, während NUCLEAR für 440.357,79 Euro den Rechtsrahmen neuer Projekte untersucht.


Förderung zielt auf SMR und industrielle Energieversorgung

Mindestens 7,43 Millionen Euro entfallen auf Vorhaben mit direktem Bezug zu kleinen modularen Reaktoren. Damit fließen rund 69 Prozent der gesamten Förderung in SMR-Studien und deren industrielle Einbindung. Die Atomkraft soll dabei nicht nur Strom liefern, sondern auch Prozessdampf und planbare Wärme bereitstellen. Allerdings prüfen die Projekte zunächst technische, wirtschaftliche und regulatorische Voraussetzungen.

Der Energietransitionsfonds wird aus jährlichen Abgaben für frühere Laufzeitverlängerungen von Doel 1 und Doel 2 gespeist. Damit finanziert Belgien neue Nuklearforschung aus Einnahmen bestehender Kernkraftwerke. Allerdings war dies der zehnte und letzte Förderaufruf des bisherigen Programms. In zehn Jahren unterstützte der Fonds rund 140 Energieprojekte mit fast 200 Millionen Euro. Für eine elfte Runde steht derzeit kein Budget bereit, während die acht Fördererlasse noch die Unterschrift des Königs benötigen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Nuklearforum Schweiz (23.07.26)The Brussels Times (14.07.26)NewsBelgium (13.07.26)Mathieu Bihet (10.07.26)

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