In Deutschland zeigt die Windkraft zwischen 2020 und 2025 ein zentrales Problem der Energiewende. Die Leistung der Windräder an Land stieg um 25,2 Prozent, während die tatsächliche Einspeisung nur um 1,2 Prozent zunahm. In absoluten Zahlen bedeutet das: Die Leistung wuchs um 14 Gigawatt, doch die Stromerzeugung lag 2025 mit 106 Terawattstunden fast auf dem Niveau von 2020. Wissenschaftler sehen deshalb keinen klaren Zusammenhang mehr zwischen neuer Kapazität und zusätzlichem Windstrom. Als Ursachen gelten schwache Windjahre, Solar-Konkurrenz, Netzabschaltungen, schwache Standorte und Verschattungseffekte. Zugleich drängt die Politik auf weiteren Ausbau und stützt neue Anlagen über Subventionen. Für Steuerzahler, Stromkunden und Industrie entsteht jedoch ein wachsendes Kostenrisiko (welt: 01.06.26).
Ausbau nach Plan trotz sinkender Wirkung
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz setzt weiter auf feste Leistungsziele. Die Windkraft soll von 84 Gigawatt in diesem Jahr auf 160 Gigawatt im Jahr 2040 steigen. Die Solarleistung soll zugleich auf 400 Gigawatt wachsen. Deshalb bewertet die Politik vor allem neue installierte Nennleistung in Gigawatt. Der reale Stromertrag bleibt jedoch der entscheidende Maßstab.

Diese Logik greift zu kurz. Mehr Nennleistung bedeutet keinen verlässlichen Strom zur richtigen Zeit. Windräder liefern nur bei passendem Wetter, freien Netzen und Nachfrage. Deshalb kann zusätzliche Technik hohe Kosten auslösen, ohne Versorgungssicherheit entsprechend zu erhöhen. Genau diese Lücke zeigen die Daten seit 2020.
Solarstrom verschärft den Konflikt im Netz
Seit 2022 hat der Solarboom die Lage verändert. Photovoltaik speist besonders mittags große Mengen Strom ein. Zugleich fehlen ausreichend Speicher, flexible Verbraucher und leistungsfähige Leitungen. Deshalb konkurriert Solarstrom in bestimmten Stunden direkt mit Windstrom. RWI-Forscher Manuel Frondel nennt diesen Effekt „Kannibalisierung“.
Die Folge trifft das System wirtschaftlich und technisch. Wenn regionale Netze den Strom nicht aufnehmen oder weitertransportieren können, müssen Betreiber die Einspeisung aus Windparks zeitweise reduzieren. Betreiber verlieren dann Ertrag, während Förderansprüche und Systemkosten bestehen bleiben. Der Ausbau erzeugt deshalb nicht automatisch mehr nutzbare Energie. Er kann auch zusätzliche Eingriffe ins Netz erzwingen.
Schwachwind-Standorte senken den Ertrag
Ein weiterer Grund liegt in der Standortwahl. Viele windreiche Flächen nahe der Küste sind bereits belegt oder politisch schwer durchsetzbar. Deshalb entstehen neue Windräder häufiger im Binnenland. Dort weht der Wind schwächer und unregelmäßiger. Der Stromertrag je Anlage fällt entsprechend niedriger aus.
Bayern und Baden-Württemberg zeigen dieses Problem besonders deutlich. In Bayern stehen 76 Prozent der Windräder auf Schwachwind-Standorten. In Baden-Württemberg liegt der Anteil bei 51 Prozent. Trotzdem locken Fördermechanismen Investoren in solche Regionen. Das erhöht die Anlagenzahl, jedoch nicht den Nutzen im gleichen Maß.
Subventionen verdecken die Systemkosten
Die Förderung stützt neue Projekte weiter. Über EEG-Ausschreibungen erhalten Betreiber kalkulierbare Zahlungsansprüche. Für Windkraft an Land liegt der Höchstwert 2026 bei 7,25 Cent je Kilowattstunde. Seit 2023 zahlen Stromkunden diese Förderung nicht mehr direkt über die EEG-Umlage. Stattdessen fließt Geld aus dem Bundeshaushalt.
Die Kosten verschwinden dadurch nicht. Sie wechseln nur den Weg zum Bürger. Wenn neue Anlagen kaum zusätzlichen Strom bringen, steigt der Preis je verwertbarer Kilowattstunde. Der Ausbau bleibt politisch gewollt, obwohl sein Grenznutzen sinkt. Genau hier liegt der kritische Punkt der Energiewende.
Windklau zeigt die Grenzen großer Windparks
Auch Offshore-Windparks stoßen an Effizienzgrenzen. Windräder in der ersten Reihe entziehen dahinterstehenden Anlagen Energie. Dieser Effekt heißt „Windklau“. Er mindert die Stromproduktion erheblich. Deshalb streiten Betreiber auf See bereits über Schadenersatz.
An Land gilt der Effekt als weniger gut dokumentiert. Trotzdem kann dichte Bebauung auch dort Erträge senken. Größere Abstände würden helfen, benötigen jedoch mehr Fläche. Damit wächst der Konflikt zwischen Energiezielen, Naturraum und Kosten. Die Energiewende braucht deshalb weniger Symbolpolitik und mehr messbaren Strom zur richtigen Zeit.
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