Volkswagen beendet noch in diesem Monat im Werk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee die Produktion des Elektro-SUV ID.4 und reagiert damit auf den schwachen US-Markt für E-Autos. Auslöser ist nach Angaben des Konzerns ein schwieriges Umfeld, das sich nach dem Wegfall eines Steuerbonus von 7.500 Dollar für Elektrofahrzeuge zusätzlich verschärft hat. Zugleich brach der Absatz des ID.4 im vierten Quartal 2024 im Jahresvergleich um 62 Prozent ein. Volkswagen verlagert die Fertigung deshalb auf die in den USA stärker nachgefragten Benziner-Modelle Atlas und Atlas Cross Sport. Für den Konzern ist der Schritt auch deshalb brisant, weil Volkswagen zugleich in einer tiefen Krise steckt, der Gewinn 2025 um 44 Prozent sank und bis 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen sollen (wsj: 09.04.26).
Absatzkrise zwingt VW zum Kurswechsel
Die Entscheidung trifft eines der wichtigsten Elektro-Modelle der Marke. Der ID.4 galt für Volkswagen als zentrales Fahrzeug im nordamerikanischen Markt. Dennoch verlor das Modell zuletzt massiv an Boden. Der starke Einbruch bei den Verkäufen erhöhte deshalb den Druck, die Produktion in Chattanooga neu auszurichten.

Hinzu kam ein politischer Einschnitt mit direkten Folgen für die Nachfrage. Die US-Regierung strich im Herbst den Steuerbonus von 7.500 Dollar für den Kauf von Elektrofahrzeugen. Dadurch verschlechterten sich die Verkaufschancen vieler Stromer deutlich. Gerade im preissensiblen Massenmarkt wirkt ein solcher Wegfall schnell. Volkswagen reagiert deshalb nicht mit einem Ausbau, sondern mit einem Rückzug aus der lokalen ID.4-Fertigung.
Chattanooga setzt wieder auf Atlas und Atlas Cross Sport
Statt des Elektro-SUV sollen in Tennessee künftig wieder die absatzstarken Verbrenner in den Vordergrund rücken. Volkswagen will das Werk auf den Atlas und den Atlas Cross Sport umstellen. Beide Modelle verkaufen sich in den USA besser und passen damit stärker zur aktuellen Marktlage. Der Konzern setzt also auf Fahrzeuge, die kurzfristig mehr Ertrag versprechen.
Zugleich zieht Volkswagen die Tür für den ID.4 in Nordamerika nicht vollständig zu. Geplant ist weiterhin eine künftige Version des Modells für den dortigen Markt. Einen Termin für die Einführung nannte der Hersteller jedoch nicht. Das zeigt, wie unklar die Perspektive derzeit bleibt. Der aktuelle Lagerbestand des ID.4 soll außerdem bis ins Jahr 2027 reichen.
Elektrostrategie bleibt unsicher, während der Konzern sparen muss
Der Rückzug aus der US-Produktion des ID.4 bedeutet nicht das Ende aller Elektropläne von Volkswagen in den Vereinigten Staaten. Der Elektro-Van ID. Buzz soll weiterhin angeboten werden. Außerdem plant das Unternehmen ab Sommer die Fertigung einer überarbeiteten Version des Atlas. Diese Variante soll 2027 in den Verkauf gehen. Volkswagen stärkt damit vor allem sein klassisches SUV-Geschäft.
Der Strategiewechsel in den USA fällt jedoch in eine Phase großer Konzernprobleme. Volkswagen kämpft mit schwachen Ergebnissen und harten Einschnitten. Im Jahr 2025 sackte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent ab. Deshalb treibt der Konzern seinen Sparkurs weiter voran. Bis 2030 sollen rund 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Die Entscheidung in Chattanooga steht somit nicht isoliert, sondern passt in ein Bild aus sinkender E-Auto-Nachfrage, höherem Kostendruck und einer Rückkehr zu Modellen, die derzeit verlässlicher Umsatz bringen.
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