VW-Krise reißt Autozulieferer mit – Insolvenzen, Werksschließungen und Jobverluste drohen

Die VW-Krise verschärft die Lage der deutschen Autoindustrie und trifft vor allem die Zulieferer mit voller Wucht. Der massive Gewinneinbruch bei Volkswagen wirkt in einem ohnehin labilen Umfeld als Beschleuniger, weil hohe Standortkosten, der stockende Umstieg auf Elektroautos, neue US-Zölle unter Präsident Donald Trump und der wachsende Konkurrenzdruck aus China die Betriebe zusätzlich belasten. Seit 2018 hat die Branche rund 120.000 Arbeitsplätze verloren, mehr als 50.000 davon innerhalb eines Jahres. Besonders gefährdet sind mittelständische Unternehmen mit Schwerpunkt auf Europa und auf Bauteilen für Verbrennungsmotoren. Die Folgen reichen deshalb von Restrukturierungen und Werksschließungen bis zu Insolvenzen, Lieferausfällen und weiteren Jobverlusten in Regionen wie Sachsen und Süddeutschland (berliner-zeitung: 13.03.26).


VW-Krise trifft Zulieferer härter als die Hersteller

Die Autobauer selbst stehen unter Druck, doch die Hauptlast tragen die Zulieferer. Sie kämpfen mit sinkenden Abrufzahlen, hohen Umbaukosten und einer scharfen Preispolitik der Hersteller. Große Konzerne wie Bosch und ZF Friedrichshafen haben bereits Sparprogramme und Stellenabbau eingeleitet. Auch Volkswagen zieht die Linie hart. Der Konzern will bis 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland streichen.

VW-Krise belastet Zulieferer massiv. Insolvenzen, Werksschließungen und Jobabbau treffen vor allem Sachsen und Süddeutschland
VW-Krise belastet Zulieferer massiv. Insolvenzen, Werksschließungen und Jobabbau treffen vor allem Sachsen und Süddeutschland

Ein weiterer Einschnitt folgte Ende 2025 in Dresden. Damals stellte VW die Autoproduktion in der Gläsernen Manufaktur ein. Ein solcher Schritt hatte in der 88-jährigen Unternehmensgeschichte des Konzerns an diesem Standort zuvor nicht stattgefunden. Das Signal reicht weit über Sachsen hinaus, weil es die Tiefe der industriellen Krise sichtbar macht. Die VW-Krise bleibt damit nicht auf die Bilanz eines einzelnen Herstellers begrenzt.

Studien und Experten rechnen mit weiteren Insolvenzen

Eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman warnt vor einem möglichen „Domino-Effekt“. Gemeint ist ein Szenario, in dem nicht nur einzelne Betriebe ausfallen, sondern ganze Lieferketten instabil werden. Gerade spezialisierte Zulieferer lassen sich kurzfristig kaum ersetzen. Fällt ein Glied aus, geraten deshalb auch nachgelagerte Produktionen ins Stocken. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die gesamte Branche.

Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, Stefan Reindl, erwartet in den kommenden Monaten weitere Einschnitte. Er sagt: „In den kommenden Monaten werden wir wahrscheinlich weitere Restrukturierungen, Standortschließungen und auch Insolvenzen sehen“. Auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management hält die Entwicklung für bedrohlich. Einige deutsche Zulieferer würden die Krise „nicht überleben“. Seine Warnung zielt vor allem auf Firmen, deren Geschäft noch stark an klassischen Antrieben hängt. Dort fehlen oft Kapital, Zeit und Planungssicherheit für den Umbau.

Importdruck aus China verschärft die VW-Krise

Neben den hausgemachten Problemen wächst der Druck aus China. Bestimmte Fahrzeugteile aus der Volksrepublik drängen mit hoher Dynamik auf den deutschen Markt. Dazu zählen Getriebe, Elektronik- und Schmiedeteile. In einzelnen Segmenten stiegen die Importmengen binnen eines Jahres um mehr als 180 Prozent. Das verschiebt die Wettbewerbsverhältnisse spürbar. Deutsche Zulieferer verlieren dadurch zusätzlichen Preis- und Margenspielraum.

Wulf Schlachter, Gründer des Ladeinfrastruktur-Unternehmens DXBe Management, beschreibt die Lage als „angespannt bis kritisch, vor allem für mittelständische und kleinere Zulieferer, die sich auf das Geschäft der Hersteller in Europa fokussiert haben“. Besonders gefährdet seien Betriebe mit starker Ausrichtung auf den Verbrennungsmotor. Er warnt: „Mehr Insolvenzen, Standortschließungen und Stellenabbau sind leider wahrscheinlicher denn je“. Eine plötzliche Welle erwartet er nicht. Er rechnet vielmehr mit einem anhaltenden Strukturabbau, der sich Monat für Monat tiefer in die Branche frisst.


Ganze Industrieregionen geraten unter Druck

Wenn Zulieferer ausfallen, bleiben die Folgen nicht auf einzelne Werke begrenzt. Fehlende Teile können Produktionen bei VW und anderen Herstellern verlangsamen oder stoppen. Neue Lieferanten müssen oft erst aufwendig qualifiziert werden. Das kostet Zeit und Geld. Zugleich wächst die Abhängigkeit von wenigen globalen Großzulieferern. Damit steigt die Verwundbarkeit der gesamten Industrie.

Besonders bedroht sind Regionen mit dichter Zulieferstruktur. Schlachter spricht von „spürbaren Arbeitsplatzverluste in typischen Zuliefer-Regionen wie Süddeutschland oder Sachsen“. Die Ursachen sieht er auch bei den Herstellern. Diese hätten über Jahre massiven Preisdruck aufgebaut und Risiken an ihre Lieferanten weitergereicht. Hinzu kommen schnelle Plattformwechsel vom Verbrenner zum Elektroauto sowie der Wegfall ganzer Baugruppen. „Für viele Zulieferer bricht das Kerngeschäft schneller weg, als sie investieren können“, sagt Schlachter. Auch die Politik trägt nach seiner Einschätzung Verantwortung, weil sie den Umbau verlangt, für viele Mittelständler aber keine tragfähigen Rahmenbedingungen geschaffen hat.

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