Genossenschaftsbanken, vor allem Volksbanken, gelten als stabil, weil sie regional verankert sind und den Mittelstand finanzieren. Doch mehrere Fälle zeigen, dass Risikomanagement und Kontrolle nicht überall Schritt halten, während zugleich die Konjunktur das Kerngeschäft bremst. In Gesprächen mit Branchenkennern wird zudem klar: Der Sicherungsfonds muss häufiger stützen, und damit wächst die Sorge vor einer Kettenreaktion. Auch viele Kooperationsbanken spüren, dass Vertrauen schnell schwindet, wenn einzelne Institute aus der Rolle fallen (focus: 27.12.25).
Volksbanken und Sicherungsfonds: Wenn die „Präventionsbank“ häufiger retten muss
Der Sicherungsmechanismus des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken gilt als Schutzsystem, und doch wird er zunehmend zum Krisenmanager. Bei der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg („Brawo“) steht eine „Neustrukturierung“ im Raum, und das signalisiert eine heikle Lage trotz großer Bilanzsumme. Wenn ein großes Haus strauchelt, steigt außerdem das Ansteckungsrisiko für kleinere Institute.

Wie ernst das werden kann, zeigte die Volksbank Dortmund-Nordwest, die sich mit Immobilienengagements verkalkulierte. Die Verluste lagen bei rund 280 Millionen Euro und überstiegen das Eigenkapital, sodass der Verband eingreifen musste. Kritiker sahen darin ein Handeln jenseits klassischer Regionalbanklogik, und damit rückt die Qualität des Risikomanagements in den Mittelpunkt. Auch in Düsseldorf-Neuss brachte Betrug eine Bank in Bedrängnis, weil rund 100 Millionen Euro mangels wirksamer Prüfroutinen in die Türkei flossen.
Mittelstand und Konjunktur: Warum das Kreditgeschäft schwächer läuft
Die Konjunktur trifft den Mittelstand besonders hart, und genau dort sitzen die Genossenschaftsbanken traditionell am nächsten am Kunden. Viele Familienunternehmen verschieben Investitionen, deshalb sinkt die Kreditnachfrage spürbar. In einer Befragung aus dem Sektor planen nur 63 Prozent der mittelständischen Firmen in den nächsten sechs Monaten überhaupt Investitionen.
Für zahlreiche Häuser heißt das: Das Kreditgeschäft „stagniert auf etwas niedrigerem Niveau als 2024“. Damit fehlt Wachstum aus dem Kerngeschäft, während Ertragserwartungen bestehen bleiben. In dieser Lücke entstehen Anreize, weil einzelne Entscheider nach Renditequellen suchen, die nicht zum klassischen Profil passen. Der Mittelstand erwartet Verlässlichkeit, doch ohne diszipliniertes Risikomanagement kippt dieses Versprechen schnell.
Risikomanagement in der Praxis: Bordell-Immobilien, Fußball-Finanzierungen und harte Einschnitte
Der Fall der VR-Bank Bad Salzungen wirkt wie ein Lehrstück über Kontrollversagen. Medienberichten zufolge investierte das Institut in Immobilien in Oberhausen, darunter Bordellhäuser, die 2021 und 2022 gekauft und vermietet wurden. Parallel baute die Bank Fußball-Finanzierungen auf und engagierte dafür einen exklusiv angeheuerten „Fußballexperten“, der Kredite und Beteiligungen im Umfeld von Profiklubs begleitete.
Schon seit 2018 gab es Ermittlungen gegen die Führung wegen Verdachts auf Untreue und unangemessene Geschäftspolitik, und im Dezember 2023 griff die Aufsicht ein. Der Vorstand wurde entmachtet, der Aufsichtsrat trat geschlossen zurück, und zwei Sonderbeauftragte übernahmen die Kontrolle. Danach meldete die Bank für 2022 und 2023 nachträglich Verluste von etwa 280 Millionen Euro, halbierte Personal und reduzierte die Bilanzsumme deutlich, während die Sicherungseinrichtung stützen musste. Gerade für Volksbanken ist dieser Kontrast gefährlich, weil das Markenbild auf Solidität beruht.
Sicherungsfonds, Verflechtungen und Reformdruck: Was jetzt geändert werden muss
Auch in Bayern zeigt sich, wie teuer Fehlentwicklungen werden können. Genossenschaftsbanken mussten rund 100 Millionen Euro beitragen, um den Beinahe-Kollaps der Agrargenossenschaft BayWa abzufedern, nachdem sich das Unternehmen mit weltweiten Projekten verhoben hatte. Solche Fälle belasten den Sicherungsfonds, und zugleich steigt der politische und öffentliche Erwartungsdruck.
Kritiker warnen außerdem vor einem Mechanismus, der Fehlanreize setzt. Wenn der Sicherungsfonds sehr früh stabilisiert, entsteht der Eindruck einer stillen Haftungszusage, und riskante Strategien werden nicht hart genug sanktioniert. Branchenexperten verlangen daher klarere Eingriffsrechte, frühere Reaktionen auf Warnsignale und weniger personelle Verflechtungen. In diesem Umfeld fällt auch auf, wie eng Mandate und Partnerschaften teils verbunden sind, was die Kontrolle erschwert und die Glaubwürdigkeit kostet.
Ob weitere Institute kippen, hängt von Konjunktur und Zinsumfeld ab, doch die Serie der Schieflagen kann ohne Reformen weitergehen. Volksbanken müssen deshalb ihre Kultur der Nähe mit messbar härterer Kontrolle verbinden, damit Stabilität wieder überzeugt. Gerade Kooperationsbanken brauchen saubere Standards, weil Vertrauen im Verbund nur so tragfähig bleibt.
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