US-Regierung treibt Neubau von Kohlekraftwerken voran

Die US-Regierung treibt den Neubau von Kohlekraftwerken voran und plant in Alaska erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder eine komplett neue Anlage. Das Terra Energy Center soll für rund eine Milliarde Dollar ein Kraftwerk mit 1,25 Gigawatt Leistung errichten. Der Kohleanteil am US-Strommix beträgt inzwischen nur noch bei etwa 16 Prozent. Als Auslöser nennt Washington den steigenden Strombedarf von Rechenzentren für künstliche Intelligenz, zugleich verknüpft die Regierung den Kurs mit dem Technologie-Wettlauf gegen China. Der entscheidende Risikofaktor bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit, denn der Markt setzt längst stärker auf günstigeres Erdgas und andere Alternativen. Experten, Finanzanalysten und Umweltverbände warnen deshalb vor hohen Kosten, unsicheren Renditen und einem energiepolitischen Rückschritt (telepolis: 17.03.26).


US-Regierung stemmt sich gegen den Markttrend

Das Vorhaben in Alaska markiert einen Bruch mit der Entwicklung der vergangenen Jahre. Noch vor wenigen Jahren deckte Kohle mehr als die Hälfte des Strombedarfs in den USA, inzwischen ist ihr Anteil jedoch stark gefallen. Viele Versorger wechselten zu billigeren und flexibleren Energiequellen, während neue Kohlekraftwerke kaum noch eine Rolle spielten.

US-Regierung plant neues Kohlekraftwerk in Alaska - Milliardenprojekt soll KI-Strombedarf decken und markiert Trumps harten Energiekurs
US-Regierung plant neues Kohlekraftwerk in Alaska – Milliardenprojekt soll KI-Strombedarf decken und markiert Trumps harten Energiekurs

Trotzdem greift die US-Regierung nun gezielt ein. Energieminister Chris Wright erklärte, dass derzeit Anlagen mit 17 Gigawatt Leistung weiter am Netz bleiben, die ohne politische Eingriffe wohl abgeschaltet worden wären. Zudem stellt der Bund bis zu 525 Millionen Dollar für Modernisierung und Neubau bereit. Damit stemmt sich Washington bewusst gegen den Markt, obwohl gerade dieser Markt Kohle seit Jahren zurückdrängt.

Alaska-Projekt mit ausländischem Kapital

In Alaska nimmt dieser Kurs bereits konkrete Form an. Das Terra Energy Center plant dort eine Anlage mit 1,25 Gigawatt Leistung und setzt dabei auch auf internationale Partner. Die südkoreanische Beteiligungsgesellschaft Koreit will die Hälfte des Eigenkapitals tragen, außerdem unterzeichnete das Konsortium für die Kraftwerkskessel eine Absichtserklärung mit Hyundai Heavy Industries Power Systems.

Die Dimension des Projekts ist erheblich. Zum Vergleich: Die letzte ähnliche Anlage in den USA war Sandy Creek in Texas, die 2013 mit 932 Megawatt ans Netz ging. Gerade deshalb schauen Analysten genau hin. Dennis Wamsted vom Institute for Energy Economics and Financial Analysis warnt, dass neue Kohlekraftwerke am Kapitalmarkt auf große Skepsis stoßen. Entscheidend sei die Frage, ob Investoren ihr Geld jemals wieder einspielen können.


KI-Boom dient der US-Regierung als Begründung

Die Regierung rechtfertigt den Kohlekurs vor allem mit dem Stromhunger der KI-Branche. Rechenzentren benötigen rund um die Uhr große Energiemengen, und genau darauf stützt die US-Regierung ihre neue Linie. Innenminister Doug Burgum formulierte das Ziel einer lückenlosen Stromversorgung und verknüpfte die Energiefrage direkt mit der Konkurrenz zu China.

Auch aus der Kohleindustrie kommt Zustimmung. Randall Atkins, Chef von Ramaco Resources und Mitglied des wiederbelebten National Coal Council, macht deutlich, worum es aus Sicht der Branche geht: „Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie man die Rechenzentren zuverlässig mit Energie versorgen könne.“ Damit rückt Kohle erneut als angeblich sichere Grundlastquelle ins Zentrum der Debatte, obwohl andere Technologien inzwischen vielfach günstiger sind.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen