Ungarn senkt Steuern massiv, um die Wirtschaft 2026 zu stützen

In Ungarn setzt die Regierung 2026 auf Steuersenkungen und Zulagen für ein Lohnplus, weil sie damit die Kaufkraft in einer schwachen Konjunktur gezielt stabilisieren will. In Deutschland wirkt die Lage für viele Haushalte dagegen weniger entlastend, weil marginale Steuererleichterungen praktisch durch höhere Sozialversicherungsbeiträge sowie die gestiegene CO2-Abgabe überlagert werden und so unter dem Strich eher Kaufkraft verloren geht (ungarnheute: 02.01.26).


Steuersenkungen und Familienförderung 2026 in Ungarn

Oeconomus rechnet vor, dass Haushalte im Jahr 2026 über mehr als 2000 Milliarden Forint verfügen sollen, was rund 5 Milliarden Euro entspricht. Gleichzeitig will die Regierung Unternehmen entlasten, und zwar durch niedrigere Unternehmenssteuern sowie weniger Bürokratie. Dadurch verbleiben laut Analyse zusätzlich rund 90 Milliarden Forint bei den Firmen, also etwa 235 Millionen Euro.

Ungarn senkt im Jahr 2026 Steuern und zahlt Prämien – das stützt Einkommen und stärkt die Kaufkraft für Familien spürbar
Ungarn senkt im Jahr 2026 Steuern und zahlt Prämien – das stützt Einkommen und stärkt die Kaufkraft für Familien spürbar

Besonders sichtbar fällt die Entlastung bei Familien aus, denn ab Januar verdoppeln sich die Steuervergünstigungen. Eine Familie mit drei Kindern soll dadurch auf eine jährliche Beihilfe von 2,4 Millionen Forint kommen, also rund 6.300 Euro. Außerdem befreit der Staat Mütter unter 30 Jahren mit einem Kind sowie Mütter unter 40 Jahren mit zwei Kindern dauerhaft von der Einkommensteuer, und damit steigt das Nettoeinkommen langfristig.

Mindestlohn, Reallohn und Entlastung für Betriebe

Parallel startet eine Anhebung von Mindestlohn und garantiertem Mindestlohn, und das in klaren Stufen. Der Mindestlohn steigt um 11 Prozent auf 322.800 Forint (842 Euro), während der garantierte Mindestlohn um 7 Prozent auf 373.200 Forint (973 Euro) klettert. Oeconomus erwartet für 2026 deshalb einen durchschnittlichen Reallohnanstieg von etwa 5 Prozent, weil die nominalen Zuwächse spürbar ausfallen.

Für kleine und mittlere Unternehmen setzt die Regierung zusätzlich auf ein 11-Punkte-Programm zur Senkung der Unternehmenssteuern. Die jährlichen Einsparungen beziffert Oeconomus auf 80 bis 90 Milliarden Forint, also etwa 209 bis 235 Millionen Euro, und damit verbessert sich der finanzielle Spielraum für Investitionen oder Neueinstellungen. Zugleich wirkt der Bürokratieabbau als zweiter Hebel, weil er laufende Kosten senken soll.

Renten, Zulagen und Einmalzahlungen

Auch Rentner sollen 2026 mehr erhalten, denn die vollständige 13. Monatsrente und die erste Rate der 14. Monatsrente werden ausgezahlt. Zusätzlich läuft die allgemeine Rentenerhöhung weiter, und dadurch soll die Durchschnittsrente auf über 250.000 Forint steigen, was rund 652 Euro entspricht. Damit setzt die Regierung auf Stabilität im Konsum, weil Renten in vielen Haushalten direkt in den Alltag fließen.

Im öffentlichen Dienst startet zudem ein Wohnbeihilfeprogramm in Höhe von netto 1 Million Forint, also rund 2.600 Euro, und zwar für Beschäftigte dieses Sektors. Außerdem zahlt der Staat eine sechsmonatige Waffenprämie an Angehörige der Streitkräfte sowie der Ordnungskräfte, und damit adressiert das Paket auch sicherheitsrelevante Berufsgruppen.


Gehälter: Lehrer, Sozialbereich und Justiz

Bei Lehrern setzt die Regierung die Gehaltserhöhungen fort, und Oeconomus nennt als Zielwert für das kommende Jahr ein durchschnittliches Pädagogen-Gehalt von fast 940.000 Forint, also etwa 2.500 Euro. Damit rückt der Staat einen Bereich in den Fokus, der seit Jahren mit Personalbedarf kämpft. Durch höhere Einkommen sollen die Attraktivität steigen.

Hinzu kommt eine 15-prozentige Gehaltserhöhung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst sowie im Sozial- und Kulturbereich, und das ab Inkrafttreten im neuen Jahr. Auch die Justiz erhält weitere Stufen, denn zwischen 2025 und 2027 summieren sich die Steigerungen auf 48 Prozent für Richter, 89 Prozent für Gerichtsschreiber und 100 Prozent für Gerichtsbedienstete.

Warum Oeconomus Steuererhöhungen in der Krise ablehnt

Oeconomus bettet das Programm in einen europäischen Vergleich ein, denn mehrere Länder diskutieren Steuererhöhungen oder neue Abgaben. Als Treiber nennt die Stiftung die stark gestiegenen Staatsschulden der vergangenen Jahre. Zusätzlich belasten wirtschaftliche Folgen des Krieges in Europa sowie die Kriegsfinanzierung viele Haushalte.

Die Logik dahinter bleibt einfach. Sie folgt „Keynes zufolge“ einem klaren Muster: Höhere Steuern senken das verfügbare Einkommen, und dann geben Haushalte weniger aus. Unternehmen erzielen dadurch weniger Umsatz, investieren vorsichtiger und bauen im Zweifel Jobs ab, sodass die Rezession an Schärfe gewinnt. Deshalb empfehlen keynesianische Konzepte in schlechten Phasen mehr Ausgaben oder niedrigere Steuern, und sie akzeptieren kurzfristig ein begrenztes Defizit. Steuererhöhungen sollen erst nach dem Aufschwung kommen, weil dann die Wirtschaft stärkere Impulse verkraftet.

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