Überspannung zerstört Elektrogeräte – drei schwere Schadensfälle binnen vier Monaten

Drei schwere Netzstörungen mit Überspannungsschäden innerhalb von vier Monaten: Im Juli traf es zahlreiche Haushalte in Aspach-Rietenau, im August entstand in Apfelstetten ein geschätzter Schaden von mindestens 600.000 Euro. Im Oktober verursachte eine weitere Störung in Schleswig-Holstein erhebliche Sachschäden und einen großflächigen Stromausfall. Bis zu 40.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Besonders häufig wurden Schäden an Heizungsanlagen, Elektrogeräten und elektronischen Steuerungen gemeldet. In Aspach streiten Geschädigte inzwischen mit dem Netzbetreiber Syna über Entschädigungen. Viele befürchten, auf erheblichen Reparaturkosten sitzenzubleiben. Die Vorfälle lenken den Blick auf eine bislang wenig beachtete Seite der Versorgungssicherheit: Schäden durch fehlerhafte Netzspannung.

Drei schwere Überspannungsvorfälle seit Juli verursachen hohe Schäden an Elektrogeräten. Betroffene könnten auf hohen Kosten sitzenbleiben
Bild: KI-generiert

Überspannung im Juli – Geschädigte in Aspach drohen hohe Eigenkosten

Mitte Juli beschädigte eine technische Störung während Arbeiten am Stromnetz zahlreiche Geräte im Aspacher Ortsteil Rietenau. Anwohner berichteten von einem Knall und plötzlich hell aufleuchtenden Lampen. Anschließend funktionierten Heizungssteuerungen, Küchengeräte und weitere elektrische Einrichtungen nicht mehr. Nach Schätzungen von Einwohnern waren mehrere Dutzend Haushalte betroffen. In einem Gebäude verschmorte beispielsweise eine Steuerplatine der Heizung. Auch eine kommunale Wärmepumpe in einer Unterkunft im Brunnengässle wurde beschädigt.

Drei Monate später beschäftigt die Betroffenen vor allem die Schadensregulierung. Viele halten die angebotenen Entschädigungen für deutlich zu niedrig. Teilweise geht es um Reparaturkosten von mehreren Tausend Euro. Syna verweist bei der Abwicklung auf seinen Haftpflichtversicherer. Mehrere Anwohner erwägen deshalb rechtliche Schritte. Auch die Gemeindeverwaltung bat um Prüfung einer Kulanzregelung. Ob sämtliche berechtigten Forderungen erfüllt werden, ist bislang offen. Damit besteht das Risiko, dass Geschädigte einen Teil ihrer Ausgaben selbst tragen müssen.


August: 360 Volt aus der Steckdose verursachen mindestens 600.000 Euro Schaden

Am 21. August ereignete sich im Münsinger Ortsteil Apfelstetten ein vergleichbarer Vorfall. Ein technischer Defekt in einer Umspannstation von Netze BW führte zu einer massiven Spannungsüberhöhung. Statt der üblichen 230 Volt maßen Anwohner zeitweise rund 360 Volt an ihren Steckdosen. Mindestens 50 der insgesamt 209 Haushalte meldeten Schäden. Betroffen waren Heizungssteuerungen, Photovoltaikanlagen, Wallboxen sowie Kühl- und Gefriergeräte. Anfang September bezifferten die Geschädigten den Gesamtschaden auf mindestens 600.000 Euro. Allein ein Eigentümer rechnete mit rund 40.000 Euro.

Die wirtschaftlichen Folgen gingen damit weit über beschädigte Haushaltsgeräte hinaus. Denn moderne Heizungen und elektrische Anlagen enthalten kostspielige elektronische Baugruppen. Bei einem Defekt können deshalb Reparaturen im fünfstelligen Bereich entstehen. Netze BW bezeichnete derartige Störungen als sehr selten und verwies auf bestehende Schutztechnik. Allerdings müssen die Betroffenen ihre Schäden einzeln nachweisen. Der Netzbetreiber kündigte eine individuelle Prüfung der gemeldeten Forderungen an. Die geschätzten 600.000 Euro entsprechen daher nicht automatisch der späteren Entschädigungssumme.

Oktober: Überspannung trifft bis zu 40.000 Haushalte in Schleswig-Holstein

Am 18. Oktober folgte eine weitere schwere Netzstörung im Westen Schleswig-Holsteins. Ein Kurzschluss im 110.000-Volt-Netz von SH Netz verursachte eine Überspannung. Daraufhin schalteten sich mehrere Umspannwerke ab. Zeitweise verloren bis zu 40.000 Haushalte ihre Stromversorgung. In Friedrichstadt geriet ein Überspannungsableiter in Brand. Anschließend meldeten Bewohner beschädigte Heizungen, Stromzähler, Geschirrspüler und elektrische Hausanlagen. Nach ersten Schätzungen könnten allein in Albersdorf 100 bis 150 Haushalte Sachschäden erlitten haben.

Besonders gravierend waren die Folgen in Bunsoh im Kreis Dithmarschen. Dort geriet ein Stromkasten in einem Reetdachhaus in Brand. Das Gebäude wurde zerstört, während der Schaden auf etwa 500.000 Euro geschätzt wurde. Die genaue technische Ursache des Brandes und mögliche Ersatzansprüche bedürfen einer gesonderten Bewertung. Auch in weiteren Gemeinden meldeten Bewohner erhebliche Schäden an elektrischen Einrichtungen. SH Netz richtete deshalb ein Verfahren zur Schadensmeldung ein. Über mögliche Entschädigungen soll nach individueller Prüfung entschieden werden.


Bundesnetzagentur erfasst keine vollständige Jahresstatistik der Überspannungsschäden

Die drei Vorfälle innerhalb von Juli, August und Oktober legen die Frage nahe, ob derartige Netzstörungen häufiger werden. Eine belastbare Antwort liefern die veröffentlichten Statistiken jedoch nicht. Die Bundesnetzagentur erfasst jährlich Stromunterbrechungen von mehr als drei Minuten. Für 2024 meldeten die Netzbetreiber insgesamt 164.645 Versorgungsunterbrechungen. Kurzzeitige Spannungsüberhöhungen mit Geräteschäden erscheinen darin jedoch nicht als eigenständige bundesweite Schadensstatistik. Die Behörde hat zwar Untersuchungen zur Spannungsqualität veröffentlicht. Eine aktuelle jährliche Gesamtzahl vergleichbarer Schadensereignisse lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Einen weiteren Anhaltspunkt liefert die Versicherungswirtschaft. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft registrierten Hausrat- und Wohngebäudeversicherer 2025 rund 180.000 Blitz- und Überspannungsschäden. Die Entschädigungen summierten sich auf 310 Millionen Euro. Durchschnittlich kostete jeder Schaden rund 1.760 Euro. Allerdings umfasst diese Statistik vor allem Schäden im Zusammenhang mit Blitzereignissen und daraus resultierenden Überspannungen. Sie erlaubt deshalb keine Aussage über die jährliche Zahl technisch verursachter Netzstörungen wie in Aspach oder Apfelstetten.

Schadenszahlen sinken – doch einzelne Reparaturen werden immer teurer

Die Versicherungsstatistik widerspricht zunächst der Vermutung einer allgemeinen Zunahme. Denn 2024 lag die Zahl der registrierten Blitz- und Überspannungsschäden noch bei rund 220.000. Im Jahr 2025 waren es etwa 40.000 weniger. Gleichzeitig stieg jedoch der durchschnittliche Schaden um rund elf Prozent auf einen neuen Höchstwert. Der Versicherungsverband führt diese Entwicklung unter anderem auf die zunehmende technische Ausstattung von Gebäuden zurück. Besonders aufwendige Heizungssteuerungen und elektronische Anlagen können die Reparaturkosten erheblich erhöhen.

Damit rückt neben der Häufigkeit vor allem das finanzielle Ausmaß einzelner Ereignisse in den Mittelpunkt. Denn selbst eine kurze Spannungsstörung kann zahlreiche teure Komponenten gleichzeitig beschädigen. Zwar bestätigte der Bundesgerichtshof bereits 2014 eine mögliche verschuldensunabhängige Haftung von Netzbetreibern nach dem Produkthaftungsgesetz. Allerdings müssen Geschädigte die Voraussetzungen ihrer Ansprüche nachweisen. Bei Sachschäden sieht dieses Gesetz außerdem einen Selbstbehalt von 500 Euro vor. Andere Anspruchsgrundlagen können weitergehenden Ersatz ermöglichen. Für die Betroffenen in Aspach bleibt deshalb entscheidend, ob sie ihre tatsächlichen Schäden vollständig ersetzt bekommen. Die drei Vorfälle belegen noch keinen steigenden Trend, zeigen aber erhebliche wirtschaftliche Folgen einzelner Netzstörungen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Backnanger Kreizeitung (23.10.26) – NDR (21.10.26) – SWR (01.09.26) – Gesamtverband der Versicherer (30.07.26)

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