Starcar-Aus in Hamburg: Autovermietung stoppt Betrieb – bis zu 1.000 Jobs betroffen

Bei Starcar gehen die Lichter aus, doch die Dimension überrascht viele: Die Hamburger Autovermietung stellt den Betrieb nach der Insolvenz ein, und in der Unternehmensgruppe sind mehr als 1.000 Jobs betroffen. Ende 2025 rutschte das Unternehmen in die Insolvenz und bis zuletzt fand sich kein Investor für eine Gesamtübernahme (abendblatt: 05.01.26).


Betrieb endet nach Insolvenzverfahren

Starcar meldete im Oktober Insolvenz an, weil die Lage trotz laufendem Geschäft eskalierte. In der Gruppe arbeiteten mehr als 1.000 Beschäftigte. Bis Ende 2025 deckte das Insolvenzgeld Löhne und Gehälter. Anfang Januar 2026 stoppte Starcar den Betrieb schließlich vollständig.

Der Autovermieter Starcar stellt nach Insolvenz den Geschäftsbetrieb ein - rund 1.000 Mitarbeiter bangen um ihren Job
Der Autovermieter Starcar stellt nach Insolvenz den Geschäftsbetrieb ein – rund 1.000 Mitarbeiter bangen um ihren Job

Die Investorensuche blieb erfolglos, denn kein Käufer übernahm das Unternehmen im Paket. Insolvenzverwalter Christoph Morgen (Brinkmann & Partner) klang anfangs zuversichtlich und lobte die operative Aufstellung. „Das Vermietungsgeschäft ist gut organisiert. Wir haben hier im Grunde ein stabil aufgestelltes Unternehmen“, sagte Morgen Ende Oktober. „Die Marke ist positiv behaftet, hat eine große Bekanntheit.“ Er formulierte außerdem ein klares Ziel: „Unser Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, Arbeitsplätze so weit wie möglich zu sichern und gemeinsam mit der Geschäftsführung eine tragfähige Lösung für die Zukunft von Starcar zu entwickeln.“

Warum die Übernahme scheiterte

Viele Beobachter staunten, obwohl Starcar noch kurz zuvor Wachstum signalisierte. Vorstandschef Jens E. Hilgerloh hatte im August 2025 ein deutliches Umsatzplus gemeldet und weitere Pläne skizziert. Die Umsätze stiegen von 341,73 Millionen Euro (2023) auf 510,65 Millionen Euro (2024). Genau diese Dynamik wirkte nach außen wie ein Stabilitätssignal.

Das Wachstum kostete jedoch viel Kapital, zudem wuchsen die Verbindlichkeiten stark. Im Jahresabschluss der Starcar Europa Service Group AG aus 2023 stehen laut Bericht insgesamt knapp 286 Millionen Euro Schulden. Bereits 2022 nahm die Gruppe einen Konsortialkredit über 240 Millionen Euro mit drei Jahren Laufzeit auf. Eine Verlängerung der Laufzeit beantragte das Unternehmen demnach 2024, bekam aber keine Zusage.


Kreditlast, Restwerte, Dominoeffekt

Hinzu kam ein Flottenproblem, während der Gebrauchtwagenmarkt nicht jeden Plan mitmachte. Medienberichte sprechen von Fehlkalkulationen beim Restwert der Fahrzeuge. Starcar konnte demnach einen Teil der Autos nicht wie erwartet verkaufen und die Fahrzeuge blieben länger in der Finanzierung. Das belastete die Kostenstruktur unmittelbar.

Die Schieflage erfasste danach weitere Teile der Gruppe, hingegen liefen nicht alle Geschäfte gleich. Mit der Insolvenz des Mutterunternehmens rutschten mehrere Tochtergesellschaften ebenfalls in die Pleite, und zum 1. Januar startete bei mehreren Firmen das reguläre Verfahren nach der vorläufigen Phase. Starcar blickt zugleich auf fast 40 Jahre Geschichte zurück: Seit der Gründung 1987 wuchs die Marke stark, baute bundesweit mehr als 100 Stationen sowie über 500 Partner-Mietstationen auf und spielte lange in der Spitzengruppe der Autovermieter. Zum Abschied schreibt das Unternehmen: „Wir werden euch vermissen.“ Außerdem heißt es auf der Website: „Wir bedanken uns herzlich für eure Treue, euer Vertrauen und die vielen gemeinsam zurückgelegten Kilometer in den vergangenen Jahren.“ Für einzelne Lizenznehmer geht es jedoch weiter, weil sie wirtschaftlich und rechtlich eigenständig arbeiten und mit einem neuen Partner fortfahren wollen.

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