Die Slowakei plant in Jaslovské Bohunice einen neuen Reaktorblock. Der amerikanische Konzern Westinghouse soll dafür die Technik liefern. Das Projekt soll die Atomkraft ausbauen und die Energiesicherheit in der Slowakei erhöhen (zeit: 17.01.16).
Abkommen in Washington – Slowakei bindet das Projekt an US-Technologie
Die USA und die Slowakei haben in Washington, D. C. ein Abkommen zum Ausbau der Atomkraft unterzeichnet. Beide Seiten nennen den geplanten Technologiewechsel als Ziel. Der neue Block entsteht am bestehenden Standort Jaslovské Bohunice und er soll auf US-Technologie basieren.

Der Reaktorblock soll vollständig in Staatsbesitz bleiben, jedoch übernimmt Westinghouse die Projektrolle als Industriepartner. Bratislava will damit russische Technik schrittweise ersetzen, weil langfristige Liefer- und Wartungsabhängigkeiten als Risiko gelten.
Energiesicherheit als Leitmotiv, und Zitate setzen den Ton
US-Energieminister Chris Wright sprach bei der Unterzeichnung von einer Stärkung der europäischen Energiesicherheit „für die kommenden Jahrzehnte“ und er verknüpfte das Vorhaben mit strategischer Stabilität. Der amtierende Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico, bezeichnete das Abkommen als gemeinsames Zukunftsprojekt, außerdem nannte er „Sicherheit, Nachhaltigkeit und technologische Ausgereiftheit“ als Maßstab.
Diese politische Rahmung erhöht die Erwartungen, denn das Projekt muss Kosten, Zeit und Genehmigungen präzise steuern. Gleichzeitig will Bratislava eine belastbare Strombasis schaffen, damit die Energiesicherheit nicht nur ein Begriff bleibt.
Westinghouse, Eigentümerstruktur und Verhandlungen seit dem Vorjahr
Die Regierung in Bratislava verhandelt seit dem vergangenen Jahr mit Westinghouse und dabei geht es um Auslegung, Zeitplan und Umsetzung. Der Reaktorhersteller gehört dem kanadischen Uranproduzenten Cameco sowie dem Vermögensverwalter Brookfield, weshalb das Vorhaben auch für internationale Kapitalgeber relevant ist.
Für die Slowakei zählt die Industrieseite ebenso, weil ein Neubau Aufträge, Zulieferketten und Know-how am Standort bündeln kann. Zugleich erhöht ein Projekt dieser Größenordnung den Steuerungsdruck, während jede Verzögerung die Finanzierung verteuert.
Atomkraft dominiert den Mix, während Slowakien in der EU vorn liegt
Die Atomkraft ist im Land bereits tragend, denn die Slowakei betreibt fünf Reaktoren an zwei Standorten. Nach Daten der Internationalen Energieagentur stammen rund 62 Prozent der Stromerzeugung aus Kernenergie, und damit liegt das Land in der EU hinter Frankreich auf Platz zwei.
Der geplante Block in Jaslovské Bohunice soll diese Position absichern, und er soll die Produktion langfristig stabilisieren. Am Ende wird sich das Vorhaben an einem Kriterium messen lassen: mehr Versorgungssicherheit zu vertretbaren Kosten.
Standort Jaslovské Bohunice als Prüfstein der Energiepolitik
Der Standort Jaslovské Bohunice steht im Zentrum, weil dort bereits Infrastruktur und Betriebserfahrung vorhanden sind. Deshalb wirkt die Entscheidung pragmatisch, dennoch bleibt die Umsetzung anspruchsvoll.
Die Slowakei setzt mit dem Bau ein Signal in Richtung EU, und sie verbindet Energiepolitik mit strategischer Technologieauswahl. Westinghouse muss dabei liefern, während der Staat Eigentum und Kontrolle behalten will, damit zusätzliche Atomkraft tatsächlich zur Energiesicherheit beiträgt.
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