Der Sensorspezialist Sick AG aus Waldkirch will in Südbaden rund 500 Stellen abbauen. Betroffen sind die Standorte Waldkirch, Reute, Freiburg und Donaueschingen, an denen derzeit etwa 5000 Menschen arbeiten. Der Einschnitt wurde vor kurzem bekanntgegeben, nachdem das Unternehmen bereits seit November vor weiteren Kürzungen gewarnt hatte und im Januar die Schließung des Standorts Karlsruhe sowie den Abbau von rund 100 Stellen in Hamburg angekündigt hatte. Auslöser sind nach Unternehmensangaben verschärfte Wettbewerbsbedingungen, sinkende Erträge und ein zu schwaches Profitabilitätsniveau. Damit erfasst der Stellenabbau ausgerechnet die Stammregion des Konzerns. Gleichzeitig bekennt sich Sick zum Hauptstandort Südbaden (badische-zeitung: 15.04.26).
Schlechte Kennzahlen treiben den Sparkurs
Der Konzern begründet den Schritt vor allem mit seiner wirtschaftlichen Lage. Zwar verwies Konzernchef Mats Gökstorp auf eine Umsatzsteigerung von sechs Prozent im vergangenen Jahr, jedoch zeigen die veröffentlichten Zahlen ein deutlich schwächeres Gesamtbild. 2024 lag der Umsatz bei 2,1 Milliarden Euro und damit 8,9 Prozent unter dem Vorjahr.

Bild: ©Sick AG
Noch härter fiel der Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Das Ebit sank um 51,4 Prozent auf 91,9 Millionen Euro, während die operative Marge nur noch 4,37 Prozent erreichte. Zum Vergleich lag die operative Marge beim Messtechnikhersteller Endress+Hauser 2025 trotz eines erheblichen Gewinnrückgangs bei rund 11,9 Prozent. Gökstorp sieht deshalb akuten Handlungsbedarf, um die Kosten zu senken und die Ertragskraft zu verbessern.
Kritik aus Belegschaft und Gewerkschaft wächst
In Teilen der Belegschaft hatte sich der Widerstand gegen den Stellenabbau schon vor der offiziellen Ankündigung aufgebaut. Mehrere Beschäftigte warnten im Umfeld einer IG-Metall-Versammlung im Winter, dass Einsparungen bei hochqualifizierten Fachkräften die Perspektiven des Unternehmens schwächen könnten. Ein Mitarbeiter sagte damals, Maßnahmen zur kurzfristigen Effizienzsteigerung passten nicht zur Firma, „das ist nicht nachhaltig“. Außerdem wurde intern eine fehlende Präsenz der Eigentümerfamilie nach dem Tod von Gisela Sick im Jahr 2024 kritisiert.
Auch die IG Metall reagierte scharf. Der Freiburger IG-Metall-Chef Norbert Göbelsmann erklärte, der Umfang des Abbaus liege deutlich über dem, was zuvor in Gesprächen genannt worden sei. „Solch eine Informationspolitik ist nicht zielführend.“ Zugleich sagte er, die Belegschaftsseite erkenne die wirtschaftlichen Probleme zwar an, halte aber einen massiven Personalabbau nicht für ein tragfähiges Zukunftskonzept. Statt Kürzungen brauche Sick aus seiner Sicht neue Ideen und vor allem eine verlässliche Beschäftigungssicherung.
Sick verspricht faire Lösungen und hält an Südbaden fest
Der Vorstand informierte die Beschäftigten bei Veranstaltungen an den südbadischen Standorten über die Pläne. Gökstorp sagte dabei: „Uns ist bewusst, dass diese Perspektive für viele Mitarbeitende mit Unsicherheit verbunden ist. Deshalb ist es uns wichtig, deutlich und transparent über die Hintergründe und den aktuellen Stand der Dinge zu informieren – auch wenn die Gespräche mit dem Betriebsrat zu Südbaden noch laufen“. Nach Angaben des Unternehmens standen bei den Terminen auch Vertreter des Betriebsrats für Fragen bereit, während in Hamburg bereits eine sozialverträgliche Einigung erzielt worden sei.
Trotz des tiefen Einschnitts betont die Konzernspitze ihr Bekenntnis zur Region. Südbaden solle Hauptstandort mit der Zentrale in Waldkirch bleiben, zudem verweist Sick auf frühere Investitionen in Waldkirch und Donaueschingen sowie auf den weiter geplanten Ausbau der Produktion in Reute. Auch alle zentralen Funktionen sollen dort erhalten bleiben. Dennoch bleibt die Tragweite des Schritts erheblich, denn wenn die Pläne umgesetzt werden, fällt in der Stammregion jede zehnte Stelle weg.
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