Schweden baut Atomkurs aus – Regierung prüft Staatsbeteiligung und neue Hilfe für Reaktoren

Die schwedische Regierung hat am 11. März 2026 in Stockholm ihren Atomkurs weiter verschärft und eine neue Untersuchung beschlossen, die den Staat beim Bau neuer Reaktoren deutlich stärker in die Pflicht nehmen soll. Anlass ist der politische Plan, den Ausbau der Kernkraft schneller und systematischer voranzutreiben, obwohl neue Anlagen bisher noch nicht am Netz sind. Im Zentrum stehen deshalb nicht nur neue mögliche Standorte und zusätzliche Kapazitäten, sondern auch staatliche Hilfe beim Aufbau von Lieferketten, Fachwissen und Erfahrungsaustausch sowie die Prüfung, ob staatliche Beteiligungen an Kernkraftfirmen über ein eigenes Holdingmodell organisiert werden sollen. Das ist für Schweden energiepolitisch brisant, weil die sechs laufenden Reaktoren in Forsmark, Ringhals und Oskarshamn bereits rund 30 Prozent des Stroms liefern und damit ein tragender Teil der Versorgung bleiben. Zugleich wächst der Druck, Investitionen, Planung und Koordination besser abzusichern, da der Neubau großer Reaktoren lange Vorläufe, hohe Summen und verlässliche Rahmenbedingungen verlangt (regeringen: 11.03.26).


Atomkurs soll den Staat vom Beobachter zum Akteur machen

Die Regierung verzichtet vorerst auf ein einzelnes neues Kernkraftgesetz. Stattdessen hat das Klima- und Wirtschaftsministerium eine Untersuchung eingesetzt, die konkrete Vorschläge vorlegen soll, wie der Staat den Ausbau neuer Kernkraft wirksam unterstützen kann. Dabei geht es nicht nur um allgemeine Förderung, sondern ausdrücklich auch um Organisation, Steuerung und praktische Hürden beim Hochlauf neuer Projekte.

Schweden verschärft den Atomkurs und prüft staatliche Beteiligungen, neue Hilfen und stärkere Steuerung beim Reaktorbau
Schweden verschärft den Atomkurs und prüft staatliche Beteiligungen, neue Hilfen und stärkere Steuerung beim Reaktorbau

Neu ist vor allem die Breite des staatlichen Anspruchs. Stockholm will nicht mehr nur günstige Regeln schaffen, sondern zugleich prüfen lassen, wie Lieferketten aufgebaut, Fachkompetenz gesichert und Erfahrungswissen im Land gebündelt werden können. Zusätzlich soll untersucht werden, ob staatliche Anteile an Kernkraftunternehmen in einem staatlichen Beteiligungsunternehmen zusammengefasst werden sollten. Energieministerin Ebba Busch formulierte den politischen Anspruch so: „Wir müssen wieder den Mut haben, groß zu bauen.“

Sechs Reaktoren laufen, doch der Ausbau bleibt umkämpft

Derzeit betreibt Schweden sechs Reaktoren an den Standorten Forsmark, Ringhals und Oskarshamn. Sie decken rund 30 Prozent des Strombedarfs, weshalb die Kernkraft für die Versorgung des Landes weiter eine Schlüsselrolle spielt. Neue Reaktoren speisen jedoch noch keinen Strom ein, während Regierung und Energiekonzerne zusätzliche Kapazitäten vorantreiben, unter anderem in Ringhals.

Gerade deshalb sieht Stockholm offenbar die Gefahr, dass ohne stärkere staatliche Begleitung Tempo, Finanzierung und industrielle Vorbereitung nicht ausreichen. Der Atomkurs der Regierung zielt deshalb nicht nur auf neue Reaktoren, sondern auch auf bessere Voraussetzungen für deren Umsetzung. Das macht deutlich, dass Schweden die Kernkraft nicht mehr nur sichern, sondern gezielt ausbauen will.


Mehrheit im Land stützt den Kurs der Regierung

Politisch kann sich Ministerpräsident Ulf Kristerssons Minderheitsregierung auf ein atomfreundliches Lager stützen, denn auch die Schwedendemokraten tragen den Kurs mit. In der Opposition bleibt das Bild gemischt, während die Sozialdemokraten eine breitere Einigung verlangen. Die Zentrumspartei will nur unter engen Bedingungen mitgehen, jedoch weisen Vänsterpartiet und Miljöpartiet neue Atomkraftwerke weiter zurück.

Zugleich spricht die Stimmung im Land eher für den Regierungskurs. Laut einer Anfang Februar 2026 veröffentlichten Novus-Umfrage befürworten 56 Prozent notfalls neue Kernkraftwerke. Weitere 29 Prozent wollen die bestehenden Reaktoren weiter nutzen, jedoch keine neuen bauen. Nur fünf Prozent sprechen sich für einen Ausstieg aus. Damit erhält der Atomkurs der Regierung auch Rückhalt in weiten Teilen der Bevölkerung.

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