RWE beendet das Offshore-Windkraft-Projekt in Frankreich vollständig. Der Schritt folgt nur kurz nach dem verlustreichen Rückzug von EnBW aus britischen Offshore-Projekten, der eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro auslöste. Damit rückt erneut in den Fokus, wie schnell sich Offshore-Kalkulationen drehen können, wenn Rendite, Förderung und Politik nicht stabil bleiben (faz: 04.02.26).
Ausstieg – Frankreich fällt aus dem Offshore-Prokekt
RWE bestätigt den kompletten Rückzug aus französischen Offshore-Aktivitäten. Das Unternehmen verweist darauf, dass die Vorhaben „allesamt noch in einem frühen Stadium“ lagen. Deshalb stoppt RWE das Projekt früh, bevor Lieferketten, Bauverträge und Finanzierung in eine Phase mit hohen Folgekosten rutschen.

Der Konzern reagiert damit auf ein Umfeld, das sich aus Sicht vieler Entwickler verschlechtert hat. Denn in Frankreich änderte sich die energiepolitische Linie zuletzt mehrfach. Deshalb steigt das Risiko, dass Genehmigungen, Vergütung und Zeitpläne nicht mehr zur ursprünglichen Wirtschaftlichkeitsrechnung passen.
Stellen fallen weg – „weniger als 50 Mitarbeitern“ betroffen
Mit dem Ausstieg endet die Arbeit der zuständigen Offshore-Einheit in Frankreich. RWE teilte mit: „Der Prozess wurde in sozial verantwortlicher Weise und in enger Abstimmung mit den jeweiligen Mitbestimmungsgremien durchgeführt“. Dennoch bleiben die Konsequenzen klar, weil die Stellen im Zuge des Rückzugs entfallen.
RWE beziffert das Team in Frankreich auf „weniger als 50 Mitarbeitern“. Damit betrifft der Schritt zwar keine große Belegschaft, aber er trifft spezialisierte Funktionen. Gleichzeitig sendet das Unternehmen ein Signal an Partner, dass neue Offshore-Entwicklungen in Frankreich kurzfristig keine Rolle mehr spielen.
Centre Manche 2 als Wendepunkt und politische Unsicherheit als Kostentreiber
Der Kurswechsel zeichnete sich bereits beim Projekt „Centre Manche 2“ ab. RWE hatte im September zusammen mit Totalenergies den Zuschlag für das bislang größte französische Offshore-Windkraft-Projekt vor der normannischen Küste erhalten, ihn jedoch abgelehnt. Damals erklärte der Konzern zwar, es gebe für die Offshore-Aktivitäten in Frankreich „noch keine endgültige Entscheidung“, aber inzwischen steht der Ausstieg fest.
RWE steht mit der Neubewertung nicht allein. Mehrere Akteure im französischen Markt zweifeln an der Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen oder ziehen sich zurück. Währenddessen trifft politische Instabilität Offshore-Projekte besonders stark, weil lange Entwicklungszeiten stabile Regeln brauchen. Dadurch steigt der finanzielle Druck, weil Verzögerungen und geänderte Fördermodelle Renditen direkt treffen.
EnBW in Großbritannien: 1,2 Milliarden Euro Abschreibung als Warnsignal
Wie teuer ein Rückzug aus Offshore-Projekten werden kann, zeigt EnBW in Großbritannien. EnBW stieg aus den britischen Offshore-Windparks Mona und Morgan aus und verbuchte dafür eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro. Der Auslöser lag laut Bericht in der fehlenden staatlichen Förderung, weil ohne gesicherte Erlöse kein wirtschaftlicher Betrieb darstellbar war.
Das Beispiel unterstreicht die Mechanik hinter solchen Milliardenrisiken. Denn Vorleistungen entstehen lange vor dem ersten erzeugten Kilowatt. Außerdem hängen Offshore-Projekte stark an Förder- und Auktionsdesigns, die planbare Preise liefern sollen. Sobald diese Absicherung fehlt, werden selbst technisch solide Vorhaben schnell zu bilanziellen Belastungen.
RWE setzt weiter auf Offshore, aber verlagert den Schwerpunkt
RWE betont, dass Offshore-Wind für den Konzern weiterhin zentral bleibt. Eine Sprecherin sagte: „Unser Ziel, unser Offshore-Windportfolio weiter auszubauen, bleibt unverändert“ – nur nicht in Frankreich. Stattdessen verweist RWE auf Großbritannien, wo sich das Unternehmen in einer Auktion mehrere Projekte sichern konnte.
Gleichzeitig läuft im Konzern seit dem Vorjahr eine striktere Investitionssteuerung. RWE will sein Investitionsprogramm reduzieren und bis 2030 rund zehn Milliarden Euro weniger einsetzen als ursprünglich geplant. Deshalb müssen neue Projekte höhere Renditen liefern, damit sie den internen Hürdentest bestehen. Frankreich fällt aus dieser Priorisierung heraus, während andere Märkte profitieren.
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