Der russische LNG-Tanker „Arctic Metagaz“ ist nach einer Explosion und einem schweren Brand am Morgen des 3. März vor der libyschen Küste offenbar nicht, wie mehrfach berichtet, gesunken, sondern treibt weiter durchs Mittelmeer. Zunächst meldete die libysche Küstenwache den Untergang des 277 Meter langen Schiffs, jedoch sprechen mehrere spätere Hinweise dagegen. Das erhöht das Risiko auf einer stark befahrenen Route, weil der manövrierunfähige Tanker womöglich noch große Mengen Flüssiggas an Bord hat. Dadurch drohen Kollisionen, weitere Brände oder ein unkontrollierter Gasaustritt. Besonders betroffen sind andere Schiffe in der Region, während Malta bereits Notfallpläne vorbereitet (spiegel: 12.03.26).
Explosion auf dem Tanker bleibt bis heute ungeklärt
Bis heute ist unklar, was an Bord genau geschehen ist. Fest steht jedoch, dass der Tanker innerhalb kurzer Zeit von zwei schweren Detonationen erschüttert wurde. Infrarot-Aufnahmen des europäischen Wettersatelliten „Meteosat-12“ stützen diese Darstellung, während viele operative Details weiter fehlen.

Die erste Meldung über den Untergang erwies sich offenbar als voreilig. Später tauchten mehrere Hinweise auf, die auf ein weiter schwimmendes Wrack deuten. Dazu zählt auch ein Bild, das den Tanker ausgebrannt und mit deutlicher Schlagseite zeigen soll. Aus deutschen Marinekreisen kamen zwar Zweifel an der Echtheit auf, jedoch fanden Bildprüfer keine klaren Belege für eine KI-Fälschung.
Malta warnt Schiffe und beobachtet die Drift
Neue Berichte aus der Schifffahrtsbranche verschärften die Lage zusätzlich. Demnach nahmen Beobachter zunächst an, das Schiff sei gesunken, weil ein maltesisches Flugzeug nur ein schwer beschädigtes Objekt erfasst hatte. Später kamen Behörden in Malta und Italien jedoch zu einer anderen Einschätzung. Sie gehen inzwischen davon aus, dass die „Arctic Metagaz“ weiter schwimmt und in Richtung Lampedusa driftet. Auch deshalb gewann jede neue Sichtung an Bedeutung.
Maltesische Medien berichten ebenfalls über einen weiter treibenden Tanker. Die Regierung bereitet deshalb Maßnahmen für den Fall vor, dass das Schiff nationale Gewässer erreicht. Zugleich zeigen ausgewertete Flugdaten tägliche Überwachungsflüge in das betroffene Seegebiet. Das gilt als starkes Indiz, weil solche Patrouillen kaum nötig wären, wenn das Schiff bereits gesunken wäre. Die Explosion auf dem Tanker wirkt damit weit über den Unglücksort hinaus.
Der bislang wichtigste Hinweis kommt direkt aus Malta. Das dortige Transportministerium veröffentlichte eine Warnung an alle Schiffe in der Region und nannte eine konkrete Position des driftenden LNG-Tankers. Besatzungen sollen deshalb mindestens fünf Seemeilen Abstand halten. Diese Warnung zeigt, wie ernst die Lage ist. Die „Arctic Metagaz“ konnte bis zu 140.000 Kubikmeter Gas transportieren, was dem Jahresverbrauch von fast 60.000 deutschen Haushalten entspricht. Ein führerloser Tanker dieser Größe ist deshalb nach der Explosion ein massives Sicherheitsrisiko für das gesamte Seegebiet.
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