CO2-Zertifikate spülen 2025 zwar 21,4 Milliarden Euro in die Staatskasse, doch das Geld entsteht aus höheren Kosten in der Wirtschaft. Unternehmen finanzieren diese Summe über Energie, Prozesse und Preise. Verbraucher tragen sie über Heizen, Tanken und Warenkörbe mit. Damit sinkt Spielraum für Investitionen und Konsum weiter. Was als Erfolg verkauft wird ist in Wahrheit ein weiterer Grund für die Abwanderung deutscher Unternehmern (welt: 07.01.26).
CO2-Zertifikate wirken wie eine Zusatzabgabe entlang der Lieferketten
CO2-Zertifikate verteuern jede Tonne Emission, weil Betriebe für Verschmutzungsrechte zahlen müssen. Diese Kosten bleiben selten im Werkstor, sondern wandern in Angebote, Rechnungen und Endpreise. Dadurch steigen Produktionskosten und Margen schrumpfen schneller. Außerdem trifft es Firmen, die kaum kurzfristig ausweichen können, etwa bei Prozesswärme oder Grundstoffen.

Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) nennt als Ziel, dass die Bepreisung von Treibhausgasen weniger fossile Brennstoffe attraktiv macht. Das Lenkungssignal kann funktionieren, denn Planung und Investitionen reagieren auf Preise. Dennoch bleibt die Reihenfolge problematisch: Erst wird Kapital entzogen und erst danach sollen Betriebe teure Umrüstungen finanzieren. Das erhöht das Risiko, dass Modernisierung langsamer läuft als politisch geplant.
Rekord 2025 heißt nicht „Gewinn“, sondern höhere Belastung
2025 kamen aus europäischem und nationalem Emissionshandel zusammen mehr als 21,4 Milliarden Euro und das ist ein neuer Höchstwert. 2024 lagen die Einnahmen bei 18,5 Milliarden Euro, sodass der Sprung deutlich ausfällt. Fiskalisch wirkt das wie ein Erfolg, denn der Staat erhält mehr Geld. Ökonomisch zeigt es vor allem, dass CO2-Zertifikate mehr Kaufkraft und Liquidität aus Unternehmen und Haushalten abziehen.
Für exportorientierte Branchen zählt jeder Kostenpunkt, und genau dort wirken CO2-Zertifikate besonders stark. Betriebe geben die Mehrkosten weiter, sofern der Markt es zulässt. Andernfalls kürzen sie Budgets, und Investitionen rutschen nach hinten. So kann ein Instrument, das den Umbau beschleunigen soll, kurzfristig genau diesen Umbau erschweren.
Klima- und Transformationsfonds: Zweckbindung ersetzt keine Wirksamkeit
Die Einnahmen aus CO2-Zertifikaten fließen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), jedoch garantiert das noch keinen effizienten Mitteleinsatz. Förderprogramme können Wirkung entfalten, wenn sie Technologie skaliert und Netze ausbaut. Trotzdem entstehen Reibungsverluste durch Bürokratie, Fehlanreize oder teure Einzelmaßnahmen. Dann zahlen Betriebe und Verbraucher erst die Kosten und sie bekommen später nur begrenzt Entlastung zurück.
Hinzu kommt ein Verteilungsproblem, weil Zahler und Empfänger oft auseinanderfallen. Ein energieintensiver Betrieb trägt die Last, während Mittel an andere Sektoren gehen. Das kann Standortentscheidungen verzerren, während internationale Wettbewerber weniger stark belastet sind. Deshalb braucht der KTF klare Prioritäten und zwar messbar nach CO2-Minderung pro Euro. Doch genau dieser Nachweis bleibt aus.
100 Milliarden Euro seit 2008: CO2-Zertifikate werden zum Dauer-Einnahmestrom
Deutschland verkauft seit 2008 Emissionsberechtigungen und laut DEHSt überschritten die Gesamterlöse im Dezember die Marke von 100 Milliarden Euro. Damit sind CO2-Zertifikate längst kein Randinstrument mehr, sondern ein zentraler Finanzstrom. Zugleich wächst die Versuchung, diese Einnahmen politisch einzuplanen. Das kann die Debatte verschieben, weil der Fokus dann auf dem Geld liegt und weniger auf der realen Emissionssenkung.
Eine stabilere Lösung entsteht, wenn CO2-Zertifikate mit sichtbarer Rückführung kombiniert werden. Denkbar sind niedrigere Stromnebenkosten, Entlastungen bei Unternehmenssteuern oder gezielte Investitionsprämien, sodass der Entzug aus der Wirtschaft begrenzt bleibt. Daher entscheidet nicht die Rekordsumme über den Erfolg, sondern der Nachweis, dass die Mittel Produktivität stärken und Emissionen senken, ohne Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern.
Lesen Sie auch:
