Private Vermieter vor dem Rückzug: Millionen Wohnungen drohen vom Markt zu verschwinden

In Deutschland droht eine weitere Zuspitzung am Wohnungsmarkt, weil hohe Baukosten, unklare Sanierungsvorgaben, Mietpreisregeln und politische Eingriffe private Vermieter zunehmend abschrecken. Eine PwC-Befragung in zwölf Großstädten zeigt, dass jeder zweite Wohnungs- oder Hauseigentümer einen Verkauf erwägt. Besonders schwer wiegt das, weil private Eigentümer rund 14,6 Millionen Wohnungen anbieten. Für Mieter kann deshalb das Angebot weiter schrumpfen, während der Neubau das politische Ziel von 400.000 Wohnungen klar verfehlt.


Warum private Vermieter für den Markt entscheidend sind

Private Eigentümer tragen den deutschen Mietmarkt, denn sie stellen mehr Wohnungen bereit als große Immobilienkonzerne. Viele besitzen jedoch nur einzelne Objekte. Deshalb treffen sie neue Vorgaben und Kostensteigerungen unmittelbarer.

Hohe Kosten und neue Regeln lassen private Vermieter zweifeln. Für Mieter könnte das Angebot in Großstädten weiter schrumpfen
Hohe Kosten und neue Regeln lassen private Vermieter zweifeln. Für Mieter könnte das Angebot in Großstädten weiter schrumpfen
Bild: Shutterstock

Die Stimmung hat sich außerdem deutlich verschlechtert. Haus & Grund kam in einer Befragung unter fast 24.000 Privatvermietern zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach erwägen fast zwei Drittel, sich ganz oder teilweise aus der Vermietung zurückzuziehen.

Sanierungskosten treffen auf Mietpreisbremsen

Der wichtigste Kostentreiber bleibt jedoch der Bau. Laut PwC klagen 84 Prozent der befragten Eigentümer über gestiegene Bau- und Renovierungskosten. Besonders häufig berichten Vermieter in Hannover, Berlin und Leipzig von starken Preissteigerungen.

Gleichzeitig begrenzen Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen und Modernisierungsumlage die Einnahmen. Dadurch können Eigentümer höhere Kosten nur begrenzt ausgleichen. PwC-Experte Harald Heim sieht deshalb „kaum eine Chance, steigende Kosten auszugleichen“.

Energiepolitik verunsichert Eigentümer zusätzlich

Auch die energetische Sanierung belastet viele private Vermieter. 76 Prozent kritisieren unklare Regeln bei Sanierungsplanungen. Das Gebäudeenergiegesetz hat diese Unsicherheit zusätzlich verschärft.

Für kleine Eigentümer entsteht deshalb ein doppeltes Problem. Sie sollen investieren, doch die Refinanzierung bleibt unsicher. Außerdem verändern sich Vorgaben schneller, als viele Sanierungsentscheidungen wirtschaftlich planbar sind.

Berlin zeigt den politischen Sonderfall

Besonders dramatisch wirkt die Lage in Berlin. Dort erwägen laut PwC zwei Drittel der Eigentümer den Rückzug aus der Vermietung. Die Debatte über Vergesellschaftung trifft zwar vor allem große Konzerne, verunsichert jedoch den gesamten Markt.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft warnt außerdem vor Folgen für Investoren. Eine Entschädigung unter Marktwert würde das Vertrauen stark beschädigen. Weniger Vertrauen bedeutet weniger Kapital für Neubau und Bestand.


Neubau kann den Rückzug nicht auffangen

Der Wohnungsbau liefert bislang keinen Ausgleich. Für 2026 erwarten Fachleute nur rund 211.000 fertiggestellte Wohnungen. Damit bliebe Deutschland erneut weit vom früheren Regierungsziel entfernt.

Viele Neubauprojekte richten sich außerdem an Eigennutzer. Eigentumswohnungen verlieren als Kapitalanlage an Attraktivität. Deshalb entstehen weniger neue Mietwohnungen genau dort, wo die Nachfrage hoch bleibt.

Für Mieter wird die Wohnungssuche härter

Mehr Regulierung kann Mieter kurzfristig vor stärkeren Erhöhungen schützen. Sie schafft jedoch keine neuen Wohnungen. Außerdem kann sie Eigentümer davon abhalten, weiter in Mietobjekte zu investieren.

Wenn private Vermieter verkaufen, verschwindet die Wohnung nicht vom Markt. Sie kann jedoch in Eigennutzung wechseln. Für Wohnungssuchende zählt am Ende nur, ob sie weiterhin zur Miete verfügbar bleibt.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (07.07.26)WirtschaftsWoche (06.07.26) – Haus & Grund (Stand:08.07.26)Investitionsbank Berlin (23.06.26)PwC (12.05.26)

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