Papierstrohhalme laut Studie umweltschädlicher als Plastikstrohhalme

Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung aus Südkorea stellt die Umweltvorteile von Papierstrohhalmen grundsätzlich infrage. Seit Juli 2021 gilt in der EU ein EU-Verbot für das Inverkehrbringen herkömmlicher Einweg-Plastikstrohhalme. Stattdessen verwenden Gastronomie und Lebensmittelhersteller vielfach Alternativen aus Papier. Doch die Untersuchung im Auftrag des südkoreanischen Umweltministeriums zeigt, dass diese teilweise höhere Umweltbelastungen verursachen. Herkömmliche Plastikstrohhalme schneiden in zehn von 16 untersuchten Umweltkategorien besser ab als ihre Alternativen. Besonders beim Ressourcenverbrauch und bei verschiedenen Schadstoffwirkungen weisen Papierprodukte Nachteile auf. Damit gerät die Umweltbilanz der europäischen Einwegplastikpolitik in die Kritik.

Papierstrohhalme belasten laut neuer Studie die Umwelt stärker als Plastik. Die Ergebnisse stellen den Nutzen des EU-Verbots infrage
Papierstrohhalme belasten laut neuer Studie die Umwelt stärker als Plastik. Die Ergebnisse stellen den Nutzen des EU-Verbots infrage
Bild: Shutterstock

Papierstrohhalme verursachen laut Studie höhere Umweltbelastungen

Die Forscher untersuchten in der Studie vier unterschiedliche Materialien über ihren gesamten Lebenszyklus. Dabei berücksichtigten sie Rohstoffgewinnung, Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Neben herkömmlichem Polypropylen verglichen sie Papier, biologisch abbaubare Kunststoffe und biobasiertes Polyethylen. Die Untersuchung lief von Mai 2025 bis April 2026. Ihre Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Annahme, dass pflanzliche Rohstoffe automatisch umweltfreundlicher sind.

Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei einzelnen Umweltwirkungen aus. Papierstrohhalme verursachten laut Untersuchung eine 2,04-mal höhere Belastung durch Versauerung als herkömmliche Plastikprodukte. Bei den Auswirkungen auf die Feinstaubbelastung lag der Wert um den Faktor 1,62 höher. Für den Ozonabbau ermittelten die Forscher sogar den Faktor 2,23. Allerdings hängt die tatsächliche Umweltbilanz auch vom jeweiligen Herstellungsverfahren und der Entsorgung ab.


Studie zeigt auch Probleme mit potenziell krebserregenden Stoffen

Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis zur sogenannten humantoxischen Wirkung mit krebserzeugendem Potenzial. Hier erreichten Papierstrohhalme einen 6,33-mal höheren Bewertungswert als gewöhnliche Plastikstrohhalme. Allerdings beschreibt dieser Wert kein entsprechend erhöhtes persönliches Krebsrisiko beim Trinken. Er erfasst vielmehr modellierte Schadstoffwirkungen entlang der gesamten Produktions- und Entsorgungskette. Eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung durch die Nutzung lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.

Noch schlechter schnitten teilweise vermeintlich nachhaltige Biokunststoffe ab. Bei Strohhalmen aus biobasiertem Polyethylen lag der entsprechende Bewertungswert sogar beim 16,18-Fachen herkömmlicher Plastikhalme. Außerdem fiel ihre Versauerungswirkung 5,9-mal höher aus. Biologisch abbaubare Kunststoffhalme erreichten beim krebserzeugenden Wirkungspotenzial den Faktor 3,34. Die Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen bietet demnach allein keinen verlässlichen Umweltvorteil.

EU-Verbot berücksichtigt andere Umweltgefahren

Die Untersuchung stellt damit die politische Konzentration auf den verwendeten Rohstoff infrage. Das europäische Verbot verfolgt jedoch vor allem ein weiteres Ziel. Es soll langlebigen Kunststoffmüll in Gewässern und Meeren reduzieren. Plastik zerfällt dort langfristig in immer kleinere Bestandteile und kann als Mikroplastik in der Umwelt verbleiben. Diese Folgen berücksichtigt die südkoreanische Lebenszyklusanalyse nur eingeschränkt. Deshalb lässt sich aus ihren Ergebnissen keine pauschale Überlegenheit sämtlicher Plastikprodukte ableiten.

Hinzu kommt ein weiteres Problem der europäischen Ersatzlösung. Benutzte Papierstrohhalme lassen sich wegen Beschichtungen, Klebstoffen und Getränkeresten häufig nicht wirtschaftlich recyceln. Deshalb landen sie in Deutschland üblicherweise im Restmüll und anschließend in der thermischen Verwertung. Der Austausch des Materials verhindert also keineswegs automatisch zusätzlichen Ressourcenverbrauch. Auch Strommix, Transportwege und Entsorgungssysteme unterscheiden sich zwischen Südkorea und Deutschland erheblich.


Verbraucher bevorzugen Plastik – Forscher empfehlen weniger Einwegprodukte

Die südkoreanische Untersuchung erfasste außerdem die Einstellungen von 1.001 Verbrauchern. Dabei bevorzugten 87,5 Prozent herkömmliche Plastikstrohhalme. Gleichzeitig befürworteten 54,4 Prozent eine Ausgabe von Trinkhalmen ausschließlich auf ausdrücklichen Wunsch. Nur 18,4 Prozent lehnten dieses Vorgehen ab. Die Forscher empfehlen deshalb, den Verbrauch von Einwegprodukten grundsätzlich zu reduzieren.

Für die europäische Umweltpolitik ergibt sich daraus ein erheblicher Zielkonflikt. Einerseits soll das Kunststoffverbot langlebigen Plastikmüll verhindern. Andererseits können Ersatzmaterialien während ihrer Herstellung und Entsorgung zusätzliche Umweltbelastungen verursachen. Ein vollständiger Vergleich muss deshalb sowohl die industrielle Ökobilanz als auch die Vermüllung der Natur berücksichtigen. Die aktuelle Untersuchung liefert starke Argumente gegen pauschale Materialverbote ohne umfassende Folgenabschätzung. Der größere Umweltnutzen dürfte jedoch darin liegen, unnötige Einwegprodukte von vornherein zu vermeiden.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: SWR (29.10.26) – Health Cohsun (28.10.26) – The Korea Herald (22.10.26) – SBS News (21.10.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen