Nur ein einziges E-Auto verkauft – chinesischer Hersteller Nio entlässt Deutschland-Chef

Nio hat nach einem historischen Absatzeinbruch in Deutschland personelle Konsequenzen gezogen. Der chinesische Elektroautohersteller trennte sich bereits im Februar von Deutschland-Chef David Sultzer, nachdem im Januar 2026 bundesweit nur ein einziges Fahrzeug der Marke neu zugelassen wurde. Der Rückschlag traf das Deutschland-Geschäft in einer ohnehin angespannten Lage, denn Nio kämpft hier mit schwachen Verkäufen, einer veralteten Modellpalette und hoher Zollbelastung. Betroffen ist damit die gesamte deutsche Landesgesellschaft. Ein Nachfolger für Sultzer ist vorerst nicht vorgesehen (handelsblatt: 06.03.26).


Vierter Chef seit Marktstart

Mit der Entlassung verliert Nio bereits den vierten Deutschland-Chef seit dem Marktstart im Oktober 2022. Sultzer hatte die Position erst im Juni 2024 übernommen, jedoch hielt sich damit auch seine Amtszeit nur wenige Monate. Das zeigt, wie groß der Druck im deutschen Markt inzwischen geworden ist.

Nio feuert Deutschland-Chef nach Absturz auf nur eine Zulassung. Bereits der vierte Manager seit dem Marktstart 2022 verliert seinen Posten
Nio feuert Deutschland-Chef nach Absturz auf nur eine Zulassung. Bereits der vierte Manager seit dem Marktstart 2022 verliert seinen Posten

Auffällig ist zudem der Zeitpunkt. Noch vor wenigen Tagen hatte Sultzer öffentlich die Strategie neuer Elektroautohersteller in Deutschland kritisiert. In einem Linkedin-Beitrag erklärte er, viele neue Marken scheiterten daran, dass sie bei ihrer Modellpalette zu stark auf ein Premium-Image setzten und zugleich operative Grundlagen vernachlässigten. Er nannte dabei vor allem Serviceabdeckung, stabile Restwerte und professionelles Vertriebsmanagement.

Schwache Verkäufe und alte Modelle bremsen Nio aus

Die Entwicklung der Zulassungszahlen verdeutlicht den Absturz. Im Jahr 2023 setzte Nio in Deutschland noch 1263 Fahrzeuge ab, während es 2025 nur noch 325 waren. Im Januar 2026 meldete das Kraftfahrt-Bundesamt schließlich nur noch eine einzige Neuzulassung. Damit fiel der Hersteller auf ein Niveau, das für eine Marke mit eigenen Standorten in Deutschland kaum tragbar ist.

Nio betreibt derzeit vier sogenannte Nio Houses in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg. Dennoch leidet das Geschäft darunter, dass alle aktuell angebotene Modellpalette noch aus den Modelljahren 2023 oder 2024 stammen. Die in China bereits 2025 modernisierte Modellpalette fehlt in Europa bisher. Deshalb gerät Nio zusätzlich ins Hintertreffen, während andere Anbieter ihr Angebot laufend erneuern.


Zollbelastung verschärft die Krise

Neben den internen Problemen belasten auch die Handelskonflikte das Geschäft erheblich. Auf Nio-Fahrzeuge fällt in der EU ein Ausgleichszoll von 20,7 Prozent an, außerdem kommt der reguläre Importzoll von 10 Prozent hinzu. Insgesamt liegt die Zollbelastung damit bei 30,7 Prozent. Das verteuert die Fahrzeuge deutlich und schwächt die Wettbewerbsposition weiter.

Für Nio kommt diese Belastung zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die Marke wollte sich in Deutschland im Premiumsegment etablieren, jedoch fehlen dafür offenbar die nötige Marktdurchdringung und stabile Vertriebsstrukturen. Ohne neue Modelle, höhere Stückzahlen und eine klare Führung wird der Neustart schwierig. Der Rauswurf des Deutschland-Chefs zeigt deshalb vor allem eines: Nio steckt auf dem deutschen Markt tief in der Krise.

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